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Der Fall Michael Coscia: Börsenmanipulation lohnt nicht

Der Reiz des schnellen Geldes ist oft übermächtig. Vor einigen Tagen ist der US-Trader Michael Coscia zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt worden. Es gilt als erwiesen, dass er mit Hilfe seiner Software den britischen Brent Öl-Handel und in den USA weitere Commodity-Märkte systematisch manipulierte.

 

Scheinaufträge in den Orderbüchern

In England schaffte er es, mit einigen tausend Orders die Orderbücher des Brent-Öls vollzustopfen. Das Ergebnis war, dass es jeweils kurzfristig ein optisches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gab. Damit gelang es ihm innerhalb von sechs Wochen 280000 US-Dollar Gewinn zu erzielen. Zumindest ist es der Betrag, den die britische Aufsichtsbehörde FCA nachweisen konnte.

Lange freuen konnte sich der Händler nicht. Die britische und die amerikanische Aufsichtsbehörde verurteilten ihn zu einer Geldstrafe von insgesamt 3,1 Mio. US-Dollar. Der Betrag fiel sogar etwas niedriger aus, da er sich mit der US-Behörde auf einen Vergleich einigen konnte. Zusätzlich muss er in den USA 2,8 Mio. US-Dollar an erzielten Gewinnen zurückzahlen. Der richterliche Vergleich ist kein Wunder, denn die Manipulationen fanden schon 2011 statt. Vermutlich wollte man den Prozess zu einem Ende führen.

 

So funktionierte die Manipulation:

Coscia stellte mit seinem Programm eine kleine limitierte Kauf-Order zu einem guten Einkaufspreis in den Markt. Anschließend stellte das Programm eine große Verkaufsorder in das Orderbuch. Für die anderen Marktteilnehmer sah es nun so aus, als wenn die Angebotsseite des Orderbuches extrem groß ist, und der Markt augenblicklich fallen würde. Nervenschwache Trader verkauften und Coscia erhielt seinen gewünschten Einkaufspreis. Sobald die Kauf-Order ausgeführt wurde, reagierte das Programm wieder. Es löschte die Scheinverkaufsorder aus dem Orderbuch, und stellte anschließend eine neue große Scheinkauforder hinein. Mit umgedrehter Wirkung bekam so die Long-Position einen Anschub, da nun das Orderbuch eine gewaltige Nachfrage suggerierte.

 

Chart Brent Crude North Sea

Tages-Chart des Brent Rohöls ab 06.09.2011. Der manipulierte Zeitraum betrug sechs Wochen

Im normalen Tages-Chart ist die Manipulation nicht zu entdecken. Das Volumen war auf Tagesbasis ausreichend hoch, so dass sich ein unausgewogener Intraday-Kurs zum Tagesende wieder korrigierte. Intraday sehen die Verhältnisse jedoch anders aus. Brent Öl wird über kurzfristige Future-Kontrakte gehandelt. Damit bleibt die Höhe des Handelsvolumens überschaubar. Zudem wird der größte Teil des Öls außerhalb der Börse gehandelt, und zwar direkt zwischen Lieferant und Abnehmer. So kommt es vor, dass das Handelsvolumen zu bestimmten Tageszeiten gering ist – und geringes Handelsvolumen ist immer eine ideale Grundlage für Kursmanipulationen.

 

Vorlaufende Wirkung des Volumens

Mustergültig sind die Divergenzen vom oberen Kurs-Chart zum OBV-Indikator. Zum Kursgipfel im September erzielte der OBV kein neues Hoch mehr. Es fehlte daher über einen Tageszeitraum die Nachfrage. Das umgedrehte Bild zeigt sich im Oktober. Während der Kurs noch steil abwärts verläuft, liegt die Trendlinie am OBV fast waagerecht. Ein deutliches Zeichen für eine Abschwächung der Abwärtsbewegung. So kam es im Oktober zur strammen Aufwärtsbewegung.

TIPP:

Unabhängig davon, für welche Handelsobjekte Sie sich interessieren, achten Sie immer auf die Höhe des Handelsumsatzes. Er berechnet sich über die Multiplikation von Kurs und Handelsvolumen. An der Höhe des Handelsumsatzes können Sie abschätzen, wie leicht eine Manipulation des Marktes machbar wäre. Natürlich wird nicht jeder Markt manipuliert, doch wo es Chancen gibt, ist der kriminelle Gedanke nicht weit entfernt.

 

Viel Erfolg und herzliche Grüße,

Ihr Christian Lukas

Chefanalyst VolumenTrend-Trader

 

P.S. Das Volumen läuft dem Kurs voraus. Der Börsendienst „VolumenTrend-Trader“ nutzt diesen Vorteil, um nachhaltige Gewinne für die Leser zu erwirtschaften. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.

 

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