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Das Jahrhundert-Experiment der unendlichen Geldschwemme

Sehr viele Analysten sind für die Weltbörsen momentan eher auf der Bärenseite zu finden.

Auch wenn sie das Gegenteil (um)schreiben.

Krisenherde und Zinspolitik

Nun, das ist kein Wunder, angesichts der zahlreichen weltweiten Krisenherde und der nicht enden wollenden neuen Zins-Senkungen und Anleihen-Kaufprogramme.

Wollen wir uns mal eines vor Augen halten: Es gab mal eine Zeit, da stand der Leitzins bei 5 Prozent oder gar noch höher. Anfang der 80er Jahre (das werden Sie jetzt nicht glauben) bei 19 Prozent!

Leitzins USA seit 1975

Leitzinsen_USA

Und jetzt könnten wir uns einmal folgende Frage stellen: Wenn die Notenbanken schon die Befürchtung haben, die (Welt-)Wirtschaft „abzuwürgen“ (gern gelesenes Verb …), indem sie den Leitzins um 0,25 oder gar 0,5 Prozent erhöhen … wie ist es dann um die Wirtschaft grundsätzlich bestellt?

Mit meinem bescheidenen betriebswirtschaftlichen Wissen, behaupte ich: Der Zins bzw. „Geld“ ist nichts anderes als ein Kostenfaktor in einem Unternehmen.

Kann das Unternehmen mit billigem Geld, also Fremdfinanzierung, mehr produzieren und erreicht damit eine höhere Rendite, wird es das Angebot des günstigen Geldes nutzen. Ist dies nicht möglich, wird das Unternehmen eben keine neuen Kredite mehr aufnehmen.

Logisch.

Wenn aber eben nicht mehr produziert wird und nicht mehr in neue Technologien investiert wird, kann dies nur einen Grund haben: Es wird eben nicht genug seitens der Verbraucher nachgefragt. Und das ist bzw. wäre ja das einfache Ziel des Ganzen: Mehr Nachfrage führt schlussendlich zu Inflation.

Jetzt aber Moment mal: Wir haben auf dem Blatt Papier aber keine Inflation (gefühlt haben wir natürlich schon eine, selbst ich merke das anhand meines weiße-Schokoladen-Indikators … oder fragen Sie einfach mal eine Hausfrau).

Also gut. Null Zinsen und keine Inflation.

Reisen Sie mal zurück in die 80er Jahre und sagen Sie dies einem Wirtschafts- oder Finanz-Experten oder irgendeinem klugen Mensch. Der hätte gesagt: „Geht nicht“

Und Sie sehen: Es geht doch!

Nun gut, dies hätte vielleicht doch der ein oder andere in Betracht gezogen. Aber das Wort „Deflation“ (Preissenkung und dennoch keine höhere Nachfrage …) wurde und wird nicht gerne gehört.

Die simple Schlussfolgerung: Irgendwas läuft schief. Und offensichtlich lässt sich dies weder durch Negativ-Zinsen, noch durch Geldschwemme lösen.

Ich persönlich vermute (noch), dass der Haken ganz wo anders liegt. Allerdings müsste ich hierzu eine (ganz einfache) Doktorarbeit schreiben, wozu mir die Zeit fehlt. Thema: „Änderung des Verbraucher-Verhaltens seit den 80er Jahren unter besonderer Berücksichtigung der Produktionskosten“.

Das simple Fazit der aktuellen Verbraucher-Entwicklung

Ich kann das Fazit vorwegnehmen: Es wird immer mehr Geld für unsinnige Dinge ausgegeben. Gleichzeitig wurde die Produktion notwendiger Dinge immer weiter verbessert, wobei die Qualität (zum Beispiel im Nahrungsbereich) aber nicht unbedingt besser wurde.

Und kommen Sie mir jetzt bitte (zum Beispiel) nicht mit dem Argument, dass Computer, Smartphones etc. ja immer schneller / besser / toller wurden … denn die „Haltedauer“ dieser Geräte ist meines Erachtens gleichzeitig ja auch gesunken …

Die Gefahr? Schlussendlich ist dies tatsächlich doch die bittere Pille der Deflation. Es wird irgendwann doch nur noch das Nötigste konsumiert (ob jetzt das Abo für die Partner-Vermittlung dazu gehört, wage ich nicht zu beurteilen), Unternehmen kommen ins Straucheln, Investitionen zurückgefahren, Kredite werden nicht mehr vergeben (ironischerweise auch auf diesem günstigen Niveau).

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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