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Börsen-Jubel nach Yellen-Rede

Das wichtigste Ereignis des gestrigen Handelstages war die Reaktion auf die veröffentlichten Vorabkommentare zur Rede von US-Notenbankchefin Yellen.

Yellen gibt zuletzt immer den „good cop“. Folgerichtig ging ihre Rede in die Richtung „wir werden künftig vorsichtiger mit Zinsanhebungen sein“, was dem Markt offenbar gefiel. Die Börsen stiegen, Gold stieg, der Dollar fiel. Moderatere oder gar ausbleibende Zinsschritte finden Gefallen bei den Anlegern.

Yellen betonte gestern sogar, man könne die Leitzinsen bei Bedarf wieder auf 0% senken und hätte selbst dann weiteren Spielraum (etwa durch ein neues Anleihenkaufprogramm QE). Auf Negativzinsen will man sich vorerst aber offenbar nicht einlassen.

Aus der US-Wirtschaft gebe es derzeit gemischte Signale. Vor allem die Wachstumsabschwächung in China sei ein Risiko. Vor allem wenn sie nicht glatt verlaufe. Risiken für den Ausblick lassen eine vorsichtige Vorgehensweise angemessen erscheinen. Das klingt ziemlich besorgt.

Das Problem ist nur: die Fed hat eigentlich gar keine Wahl bei ihren Zinsschritten. Die Inflation der Verbraucherpreise in den USA ist in den letzten Monaten in der Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) drastisch angesprungen.

Im Februar lag diese im Jahresvergleich bei +2,3 % und damit bereits deutlich über dem Inflationsziel der Fed von 2 %. Und das trotz eins 6 %igen Energiepreisrückganges, der von Preisanstiegen im Immobiliensektor und im Gesundheitssektor weit überkompensiert wurde.

Wir werden daher bald wieder die „bad cops“ hören, die schnellere Zinsschritte fordern. Fed-Mitglied Kaplan sagte gestern bereits, es könne bei jedem Meeting einen weitere Zinsanhebung geben. Freilich ging das im Yellen-Jubel unter. Auch betonte er zunächst Risiken, vor allem die aus China. Wenn irgendwas in der US-Geldpolitik schief läuft, ist China Schuld.

Achten Sie heute insbesondere auf die privaten US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag. Zusammen mit den regierungsoffiziellen Monatsdaten, die am Freitag veröffentlicht werden, ergeben sich wertvolle Hinweise auf den künftigen Zinskurs in den USA.

Eine weitere Verbesserung am US-Arbeitsmarkt dürfte diesen beschleunigen. Eine Abschwächung hingegen erhöht die Rezessionsgefahr in den USA und dürfte die Fed zunächst davon abhalten, an der Zinsschraube zu drehen. Sie müsste dann aber tatenlos zusehen, wie die Inflation weiter zunimmt.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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