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Ausblick 2015: Setzen Sie auf die Profiteure der weltweiten Dauerkrise

Die prognostizierte Aufwertung des US-Dollars erreichte zu Jahresbeginn einen neuen Höhepunkt innerhalb des laufenden Zyklus. So schloss die US-Währung am Freitag-Abend gegenüber dem Euro mit  1,1997 erstmals seit vielen Jahren wieder unterhalb der markanten 1,20er Marke. Der handelsgewichtete US-Dollar-Index übersprang mit der Marke von 0,91 Punkten ebenfalls die nächste Barriere, erreichte auch hier ein zyklisches Hoch. In Reaktion dazu gaben die Renditen bei langlaufenden US-Staatsanleihen erneut nach.

Während eine (leichte) Aufwertung des US-Dollar von vielen Bank-Analysten auch für 2015, weil trendbestätigend, prognostiziert wird, erwartet die Analystenzunft bei der Zinsentwicklung – mal wieder – einen Trendbruch, nicht nur bei den Kurz-, sondern vor allem bei den Langläufern. So sieht der Median der aktuellen Schätzungen für die 10-jährige US-Rendite einen Wert  von exakt 3,0 % am Jahresende voraus.

Vor etwa drei Monaten sahen die Analysten noch ein Niveau von 3,25 % und zur Jahresmitte 2014 von 3,60 % in ihren Glaskugeln. Das ist blanker Unsinn! Diese Prognosen „von der Stange“, die natürlich in keinster Weise mit den Eigenhandelspositionen der Geldhäuser zu tun haben, sind nichts anderes als Nebelkerzen für die für dumm verkaufte Kundschaft, bzw. Öffentlichkeit. Rechnen Sie bitte, zumindest vorerst, nicht nur mit der beschleunigten (!) Aufwertung der US-Devise, sondern auch mit einem gewaltigen Rendite-Rutsch am US-Anleihemarkt.

Europa ist ein einziges Krisengebiet

Für uns Europäer sieht es in diesem Jahr längst nicht so gut aus wie für die USA. Die immer wieder  – vor allem aus dem wirtschaftlich ab- und demografisch aussterbenden Europa – ökonomisch bzw. finanziell totgesagten US-Amerikaner werden auch in diesem Jahr ein moderates Wachstum hinlegen, während in unseren Längen kaum die Nulllinie erreichbar sein wird. Mit eine Rolle für diese unschöne Entwicklung spielen natürlich hausgemachte politische und geopolitische Probleme. So schätze ich die sich dynamisch entwickelnde Griechenland-Krise als insgesamt nicht übermäßig gefährlich für die europäischen Finanzmärkte ein, eher als „interessant“.

Immerhin geht es um die zukünftige Blaupause für andere Staaten die Eurozone wieder verlassen, wenn gewünscht. Noch immer bin ich allerdings der Ansicht, dass die systemerhaltenden Kräfte der Eurozone nichts unversucht lassen werden, den als mögliche Folge eines Wahlsieges der Syriza-Partei anstehenden „Grexit“ zu verhindern. Der Wahlsieg der „Linksradikalen“ am 25. Januar in Athen ist daher noch längst keine ausgemachte Sache, vielmehr dürfen sich die Griechen auf drei Wochen Dauer-Agitation und Propaganda durch in- und ausländische Meiden gefasst machen um den Regierungswechsel in letzter Minute doch noch zu verhindern.

Russland-Ukraine-Krise wird erneut eskalieren

Deutlich pessimistischer sieht es da im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine aus, der unmittelbar vor einer neuen Eskalationsstufe steht. Sowie die Aufrüstung und Ausbildung der ukrainischen Armee durch relativ modernes Kriegsgerät westlicher Herkunft durch entsprechende Spezialisten abgeschlossen ist, wird Ministerpräsident Poroschenko nicht zögern den Angriffsbefehl zu erteilten um den Status Quo in der Ostukraine einzureißen. Auch wenn Russland inzwischen seine Separatisten ebenfalls mit neuem Kriegsgerät versehen hat, so dürfte die Truppe doch keine Chance haben, den regulären Streitkräften lange Paroli zu bieten.

Putin wird daher schon sehr bald ganz offiziell Farbe bekennen müssen, ob Russland nun direkt in den Krieg eintreten will oder nicht – was einer Niederlage der Ostukraine und das Ende aller „Neurussland“-Träume gleichkommen würde. Gleichgültig, wie das Ende des Konflikts aussehen mag, der Weg zu einer Einigung wird blutig sein, vermutlich Zehntausende an Menschenleben kosten. Das wird nicht nur die Stimmungslage in Ost- sondern auch Westeuropa massiv belasten und die realen Konjunktureinbußen deutlich übersteigen. Für europäische Aktienmärkte, anders als In Bezug auf die Wallstreet oder auf den Kabuto Cho in Tokyo, sieht es daher längst nicht so positiv aus. Hier werden immer wieder Nachrichten aus den Krisengebieten für Kurseinbußen sorgen.

Russlands Probleme werden die Wirtschaftskrise in den Emerging Markets verstetigen

Doch nicht nur für Europa ist Euphorie fehl am Platz, sondern auch für viele Emerging Markets. Die schwere Rezession, die Russland bereits erwischt hat und an Dramatik zunehmen wird, mit in der Tendenz weiter nachgebender Aktien- und Rubelkursen, hat viele Fonds-Manager auf dem falschen Fuß erwischt und zwingt diese nun die Portfolios wieder zu begradigen. Da Verkäufe russischer Vermögenswerte kaum noch möglich bzw. sinnvoll sind, müssen zahlreiche BRIC(S)-Portfolios über den Verkauf anderer Positionen den Depotverlusten bzw. Mittelabzügen angepasst werden.

Dies verschärft die Kapitalsituation in vielen, eigentlich  aufstrebenden Volkswirtschaften. Leidglich der chinesische Aktienmarkt, schon im vergangenen Jahr vom Tiefpunkt im Frühjahr aus gerecht mit einem Kursanstieg von etwa 50 % beim Shanghai Composite Index einer der besten Aktienmärkte der Welt, scheint in der Lage zu sein, sich der Schwäche vieler Emerging Markets zu entziehen. Der zuletzt deutlich lockeren Geldpolitik der chinesischen Zentralbank sei es gedankt.

Japans Aktienrallye geht in das nächste Jahr

Erneut einer der Outperformer wird 2015 der Tokyoter Aktienmarkt sein. Neben der anhaltend expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank, gekoppelt mit immer wieder neuen Konjunkturprogrammen im Rahmen der Verschuldungs-Orgie, namens „Abenomics“, sind auch die Kassen einer Vielzahl japanischer Großunternehmen so gut gefüllt wie schon lange nicht mehr. Anleger können sich sowohl auf Aktienrückkaufe, höhere Dividendenausschüttungen als auch auf zahlreiche Übernahmen freuen.

Galten japanische Aktien in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch als deutlich überteuert, so liegen sie bei den gängigen Bewertungsfaktoren inzwischen unterhalb europäischer und US-amerikanischer Ansätze, müssen daher als preiswert eingestuft werden. Entsprechend übergewichtet haben internationale Anleger inzwischen den japanischen Markt – allerdings kaufen sowohl Inländer (Pensionsfonds und Notenbank) als auch Ausländer (Hedge-Fonds)  kräftig weiter zu, so dass der Nikkei225-Index in diesem Jahr spielend weitere 20 bis 25 % zulegen sollte.

Nominale Gewinne werden allerdings durch die anhalte Yen-Abwertung geschmälert, bzw. aufgezehrt. Für die kommenden 12 Monate ist eine Abschwächung der japanischen Währung gegenüber dem US-Dollar in Richtung 140 JPY/USD zu erwarten, derzeit müssen rund 120 JPY/USD bezahlt werden.

Kein klares Bild für die Rohstoffmärkte

So wahrscheinlich sich die Kurs- und Preisentwicklung in einigen Teilmärkten aus meiner Sicht 2015 gestalten wird, der Blick auf die Entwicklung der Rohstoffpreise erscheint mir schwierig. Noch am einfachsten gelingt mir eine Einschätzung für die Ölpreise. Diese werden in den kommenden Monaten sukzessive weiter nachgeben, teilweise unter die Marken von 45 USD/Barrel abrutschen und auch kaum die Chance haben sich schon in diesem Jahr wieder nachhaltig zu erholen.

Die bestenfalls flaue Weltkonjunktur und die deutlichen Angebotsüberhänge aus der arabischen Region werden sich so schnell nicht verändern, eventuell sogar erhöhen. Die Stärke des US-Dollar belastet immer wieder auch die Preise der Edelmetalle, allen voran Gold und Silber. Beide Metalle profitieren allerdings auch immer wieder durch die zunehmenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten. Sollte sogar eine systemische Krise, wie zuletzt 2008, möglich erscheinen, die Preise von Gold, Silber und US-Dollar würden gleichzeitig massiv aufwerten.

Fazit: Fokussieren Sie sich auf wenige Märke bzw. Investments

Wie und wo sollten Sie nun in den kommenden Monaten investieren? Zuerst einmal müssen Sie davon ausgehen, dass auch in gültigen Trends die Volatilitäten steigen werden, es zu teilweise auch kräftigen Korrekturen kommen kann, ohne, dass sich der primäre Trend verändern wird. Zweitens sollten Sie nicht auf Trendbrüche setzen.

Diese werden gerade in diesem Jahr kaum stattfinden, zumal generell gilt, dass es zumeist deutlich lukrativer und nervenschonender ist, als Privatinvestor Trendbrüche abzuwarten um dann in den neuen Trend zu investieren, wenn sich dieser etabliert hat. Drittens sollte Sie vor allem auf Makro-Trends setzen, weniger auf spezialisierte Einzelwerte, die sich eventuell sogar gegen die Richtung des Haupttrends durchsetzen müssten. Was die konkreten Empfehlungen angeht, so gehe ich davon aus, dass

–          sich US-Aktien, vor allem die Tech-Werte der Nasdaq, weiter aufwärts bewegen werden. Europäische Werte werden allerdings zu den Underperformern gehören, wobei deutsche Aktien permanent in der  Sandwich-Position aus einer Aufwertung durch Mittelzuflüsse aus der EU und der Abwertung durch neue schlechte Nachrichten aus der Ukraine oder aus Russland befinden werden. Zu den Top-Performern werden aus mehreren genannten Gründen erneut japanische Aktien gehören.

–          die US-Dollar Hausse anhalten wird. Gegen den Euro sollte die US-Währung moderat aufwerten und in der zweiten Jahreshälfte bereits wi9eder Terrain abgeben. Die Aufwertung gegenüber japanischen Yen wird stetiger verlaufen und Richtung 140 JPY/USD tendieren. Unter den Emerging-Market- bzw. Osteuropa-Währungen dürften die tschechische Krone, sowie der ungarische Forint auch gegenüber Euro an Wert verlieren. Einen erneuten drastischen Abwertungs-Impuls erwarte ich für den 2014 relativ stabilen Südafrikanischen Rand, der allerdings bereits 2013 deutlich nachgab.

–          für internationale Großinvestoren am meisten Geld in US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit zu verdienen ist. Auch britische und australische Anleihen dürften gefragt sein und deutlich an Rendite einbüßen. Tendenziell geht auch die Aufwertung der „Bunds“ weiter, allerdings setzt die bereits sehr geringe Verzinsung den Kursaufschlägen engere Grenzen. Der Euro-Bund-Future dürfte immerhin von aktuell rund 156,50 auf 158,50 Punkte anziehen und sich damit dicht an das theoretische Maximum bei 160 Punkten heran kämpfen.

–          Rohstoffinvestments weiter Abwärtspotenzial besitzen, allen voran die Energie-Sparte (Kohle, Öl, Gas) – mit Ausnahme eines freundlichen Uranpreises – sowie Basismetalle, inkl. Kupfer, die im Allgemeinen weiter leicht abwerten dürften.

–          sich die Edelmetalle auch weiterhin einer großen Beliebtheit bei privaten Investoren erfreuen werden. Gold und Silber leiden tendenziell weiter unter der US-Dollar-Stärke, dennoch sollten  gerade in der zweiten Jahreshälfte die Preise klettern. In Euro und Yen gerechnet, läuft bereits eine Aufwertung der Edelmetalle, die anhalten wird.

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Über den Autor Martin Stephan

Martin Stephan startete vor 25 Jahren seine Börsenkarriere. Er war unter anderem für die Kursmaklerkammer an der Berliner Wertpapierbörse tätig.

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