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Auf das Schlimmste vorbereiten

BALTIMORE –

Finanzen oder Politik? Wir wissen nicht, was derzeit lustiger ist.

Die republikanischen Präsidentschafts-Primaries und die Fed Geldpolitik scheinen um die Schlagzeilen zu konkurrieren.

Welche kann absurder sein?

Welche kann noch haarsträubender sein?

Welche kann noch mehr Seitenaufrufe bekommen?

Zunächst lag die Politik, angeführt von Donald J. Trump, klar in Führung. Dann übernahm die Welt des Geldes wieder die Führung und Janet L. Yellen spintete im gelben Trikot voran.

Einfältiges Werkzeug von „Deep State“?

„Vorsichtige Yellen treibt globale Aktienmarkte in die Nähe des 2016er-Jahreshochs,“ lautete ein Reuters Schlagzeile. Die Geschichte selbst war eine bemerkenswerte Hommage an das vertrottelte Geldsystem.

Auf den ersten Blick scheint eine „vorsichtige Yellen“ nicht ins Bild eines Aktienmarkts zu passen, der nun im Bereich der 2016er-Hochs liegt. Vorsicht bedeutet normalerweise, dass man die Gemüter abkühlt und keinesfalls die Spekulation fördert.

Aber es war nicht so sehr, was Frau Yellen sagte, was die Aktien nach oben trieb.. Es war das, was sie nicht getan hat. Und sie hat genau das nicht getan, was wir dachten, dass sie nicht tun würde. Konkret heißt dass, dass sie heuer noch nicht einen einzigen Schritt in Richtung einer „normalen“ Geldpolitik gegangen ist. Unsere Vermutung ist, dass sie das nie tun wird.

Warum nicht?

Liegt es daran, weil sie vielleicht ein einfältiges Werkzeug der „cronies“ von „Deep State“ ist?

Liegt es daran, dass ihre ökonomische Theorie dumm, oberflächlich und einfältig ist?

Oder liegt es daran, dass sie und ihr Vorgänger, Ben Bernanke so viel Schaden an der normalen Welt angerichtet haben, dass es nicht mehr möglich ist, umzukehren?

Sie haben unsere Brücken verbrannt … unsere Fabriken … unsere Ersparnisse … und alles andere hinter ihnen. Jetzt ist es besser, einfach zu packen, auszuziehen … und weiter zu machen.

Das ist mehr oder weniger, was Charlie Munger kommen sieht.

Auf das Schlimmste vorbereiten

Auf die Frage, ob die Fed ihre Bilanz auf das Niveau vor der großen Rezession reduzieren würde, sagte der langjährige Geschäftspartner von Warren Buffett folgendes:

„Ich erinnere mich an Zeiten, wo es den Kaffee für 5 Cent und brandneue Autos für $ 600 gab. Der Wert des Geldes wird auch weiterhin nach unten gehen. In den letzten 50 Jahren durchlebten wir die beste Zeit der menschlichen Geschichte. Es wird wahrscheinlich nicht besser werden. Ich empfehle Ihnen, sich auf schlechtere Zeiten vorzubereiten. Denn auf angenehme Überraschungen kann man sich leichter einstellen.“

Die „normale“ Finanzwelt ist nicht mehr „bewohnbar“.

Frau Yellen sagte weiter, dass jeglicher Verdacht auf Rücksichtslosigkeit – sprich, ihr Hinweis, nicht zur Normalität zurückzukehren – ein „automatischer Stabilisator“ für das globale Finanzystem sei. Stimmt. (Und hier ist, wo wir unkontrollierbar zu lachen beginnen.) Nicht nur unverschämt billiges und leicht verfügbares Kreditgeld stabilisiert das System, sondern auch die Vorfreude auf mehr davon!

Vielleicht reicht schon die Nachricht, dass sie es nicht einmal versucht, zur Normalität zurückzukehren, die Nerven der Anleger zu beruhigen.

Wie auch immer die Spekulanten können nun weiter ihrem perversen Treiben nachgehen … frei von der Angst, dass das“Normale“ um die Ecke lauert und sie auf frischer Tat ertappen werden.

Aber was ist das?

Ein erschwerender Faktor sei, dass die „Aussichten für die Inflation unsicher“ seien, sagt Frau Yellen. Die Financial Times stellt klar:

„Es könnte länger dauern, bis die Inflation zum zwei Prozent Ziel der Fed zurückkehrt.“

Frau Yellen ist besorgt über den Mangel an Inflation in der gleichen Weise wie einfache Bauern besorgt über einen Mangel an Regen sind. Ihre Antwort ist, weiter die rituellen Tänze zu tanzen … und noch mehr magische Beschwörungen zu machen, die bisher nur mehr Trockenheit erzeugt haben.

Ein Vierteljahrhundert von Voodoo

In Japan haben sie seit 26 Jahren diese Voodoo-Politik betrieben. Wir haben seit Mitte der 80er Jahre unser Auge auf Japan. Damals als war jeder sicher, dass Japan Inc. das heißeste Ding in der „Econosphere“ war.

Die Wunder-Wirtschaft flog im Jahr 1989 in die Luft, und die Liquidität verschwand. Seitdem ist die Japan Inc. die Sahara der entwickelten Welt gewesen. QE, ZIRP, NIRP, monumentale Defizite, Abenomics … nichts funktionierte. Es kam kein Regen.

Negative Zinsen, Ende letzten Jahres angekündigt, sollten dann die Arbeit machen. Sparer sollten damit zum Handeln gezwungen werden und ihre Brieftaschen öffnen … und das Geld ausgeben, ausgeben, ausgeben, um die Steuer auf die Ersparnisse zu vermeiden.

Stattdessen sparten die Sparer mehr. Was sollten sie auch sonst tun? Mit negativen Zinsen benötigt man mehr Ersparnisse, um den gleichen Wert pro Dollar zu erhalten.

Ergebnis: Im Januar fielen Japans Einzelhandelsumsätze um 2,3% gegenüber dem Vormonat.

Aber die japanischen Behörden geben nicht auf. Und jetzt wenden sie sich an zwei der berühmtesten Schamanen der Welt – Paul Krugman und Joseph Stiglitz – um Ratschläge zu bekommen, was als nächstes zu tun sei.

Japan hat bekanntlich enorme Haushaltsdefizite, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Aufgrund eines Vierteljahrhunderts dieser lockeren Budgetpolitik weist die Insel nun eine Bruttostaatsverschuldung von fast 240% des BIP aus. Die Verschuldung übersteigt die jährlichen Steuereinnahmen um das Neunfache!

Der größte Teil der Ausgaben wird verwendet, um Programme für alte Leute zu finanzieren – Gesundheitsversorgung und Renten – es ist schwer, hier einzusparen.

Japans Staatsfinanzen sind nichts anderes als ein riesiges, obligatorisches und ungedecktes Leistungsprogramm für Alte. Sicher ist, dass es im Bankrott enden wird.

Aber keine Sorge, Japan.

Laut der Financial Times, kamen die beiden Nobelpreisträger nach Tokio und argumentierten, – wenn man dem glauben kann – dass Japan mehr Liquidität benötigt, sprich eine noch extremere Fiskalpolitik.

Ja, wie New Orleans nach dem Hurrikan Katrina Regen brauchte.

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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