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Acht häufige Fehler an der Börse

Auch wenn dies für manche von Ihnen vielleicht wie ein „alter Hut“ klingen mag: Es ist nie falsch, sich an die gängigsten und hinterhältigsten Investmentfehler immer wieder zu erinnern. Manche Regeln sind eher für Trader, andere mehr für Investoren. Auch beanspruchen diese Regeln nicht, alleine gültig zu sein. Was ich hier schreibe spiegelt meine persönliche, auf meiner Erfahrung an der Börse basierende Einstellung zu den Punkten wider und der ein oder andere von Ihnen mag manches anders handhaben. Hier eine kleine Zusammenstellung:

1) Verlieben Sie sich niemals in eine Position

Für Sentimentalitäten ist kein Platz im Börsengeschäft. Bauen Sie keine emotionale Bindung zu Positionen auf. Ihr Depot verfügt über begrenztes Kapital. Sie sollten sich bei der Betrachtung Ihrer Position fragen, ob es für Sie am besten ist, hier investiert zu sein oder nicht anderswo. Blockieren Sie nützliches Kapital, das an einer anderen Stelle eingesetzt mehr erreichen könnte? Lassen Sie sich niemals von der fundamentalen Hintergrundlage bzw. „Story“ einer Aktie vereinnahmen! Wird das technische Bild einer Aktie schlechter, bedeutet dies, dass Sie früher oder später Geld verlieren. Wenn Sie völlig besessen von Ihren fundamentalen Gründen sind, die Aktie zu kaufen, werden Sie Ihre Position tief in die roten Zahlen fahren lassen.

Es geht nicht darum, ob Sie Recht haben und der Markt „es nur noch nicht erkennt.“ Beim Traden sollten Sie sich keine Meinung erlauben. Die vorliegenden Fakten führen zur Entscheidung. Wer diese nicht respektiert, erhöht sein Risiko signifikant und verliert.

2) Korrekter Einstieg in eine Position, aber falscher Ausstieg

Für einen erfolgreichen Trade müssen Sie stets zwei Hürden meistern: Den korrekten Einstieg UND den guten Ausstieg. Steigen Sie niemals in eine Position ein ohne vorher eine genaue Ausstiegsstrategie zu haben. Kein Trade ohne Zielvorgaben für alle Situationen: Was ist Ihr geschätztes Kursziel? Wo können Hindernisse auftreten? Wo können Sie im Notfall direkt aussteigen? Wie ist Ihr Verhältnis aus Risiko und potentiellem Gewinn?

Auch müssen Sie Ihre Position regelmäßig überwachen, sobald sie eröffnet ist. „Kaufen und weglegen“ wird von vielen Leuten als eine tolle Herangehensweise gefeiert. Aus professioneller Sicht kann ich dies nur ablehnen. Wissen Sie nicht, wie es um eine Position steht bzw. ist diese nicht vernünftig verwaltet, werden Sie früher oder später Geld verlieren bzw. Ihnen Gewinne entgehen.

3) Investieren/Traden ohne Handelsansatz und klar vordefinierte Strategie

Die Masse der Privatanleger wählt, besonders in gut laufenden Märkten, ihre Aktien meist zufällig aus. Es besteht der (Irr-)Glaube, der Markt sei zu schlagen. Das gern gelesene Finanzmagazin stellt eine Aktie mit „heißer Story“ vor? Ab ins Depot damit. „Zocken“ wir doch ein wenig.

Leute, die so agieren, blenden aus, dass jede Profitgelegenheit mit einem Risiko verbunden ist. Es geht nicht nur darum, Profitpotential ins Depot zu bringen, sondern Sie müssen primär Risikomanagement betreiben.

Es ist absolut wesentlich, dass Sie über einen auf Regeln basierenden, objektiven Plan verfügen, der Ihnen vorgibt, welche Aktien Sie wann kaufen und wann bzw. wie Sie Ausstiege durchführen. Gleichzeitig sollte dieser Plan Regeln enthalten, wie Sie mit erhöhtem Marktrisiko (Zeiten von Korrekturen, Schwächephasen, etc.) umgehen. Ohne einen solchen Plan ist Ihr Portfolio in der Regel innerhalb von maximal vier Jahren dezimiert.

4) Kauf von überkauften Aktien/Shorten von überverkauften Aktien

Wenn Sie eine Aktie kaufen, die in kurzer Zeit stark gestiegen ist, sinkt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie dies weiterhin tun wird. Ein Rücksetzer ist wahrscheinlicher, da ab einem gewissen Level die Käufer wegbrechen und so das Angebot kurzfristig die deutliche Überhand gewinnt. Ihre Position steht in der Verlustzone. Suchen Sie sich lieber fundamental und technisch starke Aktien und kaufen Sie diese bei einem Rücksetzer.

Gleiches gilt für Shorts. Es ist meist NICHT die Zeit zu shorten, wenn „die Hütte bereits brennt“, sondern so wie ein Kauf bei einem Rücksetzer erfolgt, sollten Sie einen Short-Einstieg in kurzfristig steigende Kurse einer fundamental und technisch schwachen Aktie erwägen. Zu viele Anleger warten bis eine Krise da ist, shorten dann kurzfristig überverkaufte Aktien und sehen darauf zu, wie ihre Positionen von der folgenden Reflex-Rally ausgebombt werden. Unnötig und einfach zu vermeiden, wenn Sie sich an diese Regel halten.

5) Kleine Gewinne mitnehmen, aber kleine Verluste nicht

Möchten Sie eine Strategie, um sicherzugehen, dass in Ihrem Portfolio nur Schrott liegt? Nein? Ich auch nicht. Viele Anleger verhalten sich aber so. Sie nehmen gierig und panisch kleine Gewinne mit und lassen gleichzeitig ganz nach dem Prinzip „beten und hoffen“ die schlechtesten Aktien mit Verlust zu lange laufen. Was glauben Sie, wie viele Leute sich heute noch weigern, Papiere wie die der Dt. Telekom zu verkaufen, obwohl nach all den Jahren diese Verluste so schnell nicht mehr aufgeholt werden können? Aus meiner Sicht ist dies erschreckend.

Oftmals liegt solch einem Verhalten der naive Glaube zugrunde, Verluste entstünden erst, wenn man eine Position schließt. Dies ist grober Unfug und Selbstbetrug! Geht eine Position tief in die roten Zahlen, haben Sie einen Verlust. Diesen müssen Sie realisieren und bitte schön schnell. Haben Sie keine Skrupel, kleinere Verluste zu verbuchen. Sie können niemals zu 100% richtig liegen. Wenn Sie bei einem Trade alles richtig gemacht haben und trotzdem in den roten Zahlen enden, ist dies ein Geschäft aus der kleineren Kategorie der nicht profitablen Trades. Dafür warten wieder mehr positive Abschlüsse in den kommenden Geschäften auf Sie, bei denen Sie, wenn Sie die Gewinner laufen lassen, die kleinen Verluste mehrfach und problemlos hereinholen werden.

6) Kaufen von Aktien im Negativtrend in dem Glauben, sie seien günstig oder ein „Value Wert“

Wer hat das nicht schon gemacht? Sie sehen eine Aktie, wollen diese haben und endlich kommt der ersehnte Rücksetzer. Sie stürmen in die Position hinein und sind guter Dinge. Doch was ist das? Es geht weiter abwärts und weiter und weiter. Aus Ihrer „günstigen“ Aktie wird eine „noch günstigere“ Aktie. Sie haben ein Wertpapier gekauft, das sich in einem längerfristigen Abwärtstrend befindet.  Anstatt solche Papiere zu kaufen, sollten Sie darauf achten, dass Sie stets in Papiere investieren, die sich in einem Aufwärtstrend befinden und verglichen mit dem breiten Markt stark laufen. Betrachten Sie längerfristige Charts und geben Sie sich nicht nur Kurzzeitbetrachtungen hin. Auch können Point&Figure Charts hilfreich sein.

7) Handelsentscheidungen, die auf schlechten Tipps oder Informationen aus den Finanzmedien basieren

Viele Anleger verlassen sich bei ihren Börsenentscheidungen auf das Fernsehen, die Finanzmedien oder Anlegermagazine, die ihnen verraten, was Sie kaufen sollen. Aber glauben Sie mir, Sie bekommen an den Börsen nichts geschenkt.

Fangen Sie lieber an, Ihre eigene Entscheidungskompetenz in Börsenangelegenheiten zu erhöhen. Bilden Sie sich fort und legen Sie sich ein strategisches Konzept zu, an das Sie sich halten.

Wenn Sie diese Punkte beherzigen, werden Sie fähig sein, vernünftige und informierte Entscheidungen zu treffen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln. Verlassen Sie sich nicht auf Gerüchte oder „Gurus“, sondern beurteilen Sie deren Können offen und kritisch und machen Sie Ihr eigenes Research. Vergessen Sie Systeme, die Ihnen den „schnellen Reichtum auf Knopfdruck“ versprechen. Auch bringt es nichts, von Woche zu Woche zwischen verschiedenen Analyseansätzen und Börsenbriefen hin und her zu pendeln. Suchen Sie sich ein System bzw. eine Nische, die Ihnen  zusagt und Ihrem Stil entspricht. Stellen Sie sicher, dass dieses System erfolgreich ist und bleiben Sie dabei. Sonst werden Sie am Ende alles gesehen und nichts erreicht haben.

8) Emotionalitäten und fehlende Objektivität

Auch wenn es für Sie zunächst harsch klingen mag. Emotionen sind in einer professionellen Strategie fehl am Platz. Jeder Anleger weiß, dass die eigenen Emotionen der größte Feind sein können. Versuchen Sie objektiv zu bleiben und nehmen Sie nichts, was mit Trading zu tun hat, persönlich. Trading hat nichts mit Ihnen als Person oder Ihrer Intelligenz zu tun. Trading ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass das Ergebnis des eigenen Handelns unabhängig vom Research sein kann. Sie können alles richtig gemacht haben und trotzdem verlieren. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, dass alle denkbaren Punkte vor einem Trade für Ihr Anliegen zu sprechen scheinen. Somit erhalten Sie eine erhöhte Trefferwahrscheinlichkeit und der Erfolg wird sich früher oder später einstellen.

Beste Grüße

Alexander Hahn

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • redrocket schrieb am 10.10.2011, 13:52 Uhr

    treffend formuliert