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6 Schritte, um Social Trading zu meistern

Eine moderne Form des Mainstream Investierens erobert die Börsenwelt: Soziale Netzwerke ersetzen zunehmend Fondsmanager und das Bewertungssystem des Web 2.0 wird an der Börse salonfähig.

Ist Social Trading das Anlegen der Zukunft? Und kann man dem Urteil der Masse wirklich vertrauen?

Der relativ neue und rasant wachsende Markt bietet Anlegern noch nie dagewesene Vorteile – und birgt Risiken.

Lesen Sie weiter für eine Übersicht über dieDos und Don’ts des Social Trading.

 

Schritt 1: Kenne das Prinzip des Social Trading

Social Trader versuchen, von der Schwarmintelligenz zu profitieren und sich vom Vertrauen anderer User in erfolgreiche Anleger leiten zu lassen.

Über soziale Plattformen erhalten sie eine Einsicht in Anlegeverhalten und -erfolge von Top-Tradern und können diesen „folgen“, das heißt, sich ihrem Investment anschließen.

Ein Fischschwarm im Wasser – © aquapix – Shutterstock.com

 

Social Trading ist somit im Prinzip ein Investieren in die Performance eines Investors.

Die zentralen vier Entscheidungshilfen bei der Lead-Trader-Auswahl sind: Follower, Bewertungen, Performance-Infos und Kommentare.

 

Signalgeber vs Signalnehmer

Nutzer, auch Signalnehmer genannt, folgen den Anlagestrategien von „Experten“ oder Signalgebern – definiert als diejenigen Anleger, die bewiesenermaßen mit ihrer Vorgehensweise große und beständige Gewinne eingefahren haben.

Man folgt also dem Wissen und dem Weg der Community. Wie in Social Media Netzwerken bekommen diejenigen Börsianer die meiste Aufmerksamkeit von Anlegern, die besonders viele „Follower“ haben.

Aus mehreren Top-Tradern kann man sich ein persönliches Anleger-Portfolio zusammenstellen.

 

Einstiegshilfe vs Profi-Werkzeug

Social Trading Netzwerke können auch als Einstiegshilfe in die komplexe Börsenwelt verstanden werden, denn sie verführen immer mehr Aktien-Neulinge durch ihre „easy access“-Devise und der Voraussetzung nur geringen Vorwissens zum Anlegen.

Doch das breite Spektrum der Plattformen richtet sich ebenfalls an erfahrene Anleger, die andere Strategien beobachten und von ihnen profitieren wollen.

Social Trading eignet sich also für Menschen, denen entweder schlichtweg die Zeit, oder aber das Detailwissen fehlt, den Markt täglich bis ins kleinste Detail zu studieren.

 

Copy Trading vs. Mirror Trading

Oft wird beim Social Trading zwischen Copy Trading und Mirror Trading unterschieden.

Doch Vorsicht: In vielen Kontexten, vor allem im journalistischen, werden beide Begriffe auch synonym verwendet.

Die Differenzierung beruht auf einem grundlegenden Unterschied in der Vorgehensweise und dem Umgang mit dem Social Trading Network.

Während beim Copy Trading dem Verhalten des Experten, dem man folgt, völlig automatisiert gefolgt wird, hat der Händler beim Mirror Trading die Chance, manuell Veränderungen in Strategie und Anlageweise vorzunehmen und somit quasi-automatisch zu arbeiten.

Wörter im Zusammenhang mit Business  – © Mattz90 – Shutterstock.com

 

Diese Anlageart eignet sich durch ihre Flexibilität und Eigenverantwortung vor allem für fortgeschrittene Anleger.

Hier kann nämlich die Strategie eines Anlegers in dem Konto eines anderen Anlegers implementiert werden.

Riskoverringerung bzw. -erhöhung können individuell eingestellt werden. Mirror Trader benutzen also ein Mehr an Features und Informationen.

 

Schritt 2: Kenne das passende Trading Netzwerk

Die wichtigste Information vorweg: Erfolg und Qualität von Social Trading Netzwerken sind ein Produkt des Erfolges und der Qualität der User.

Kriterien bei der Auswahl von Social Trading Netzwerken sollten sein:

  • Bietet die Seite eine Demo-Version an? Das ist unbedingt zu empfehlen, um in einem Probelauf die Vorzüge und Nachteile des Portals zu eruieren.
  • Welche Trading-Arten bietet das Netzwerk an: Lässt sich manuell adjustieren oder nicht?
  • Wie viele Top-Trader hat die Seite?
  • Wie hoch sind die Gebühren? Welcher Anteil der Trading-Summe wird z.B. einbehalten?
  • Welche Informationen stehen zu Top-Brokern zur Verfügung? Je mehr Infos, desto seriöser die Seite.
  • Ermöglicht die Seite das Erreichen meiner Ziele? Möchte ich nur Top-Tradern folgen oder selber langsam zum Top-Trader heranwachsen und dann wechseln?
  • Wie transparent ist die Seite? Wer versichert mir, dass sich echte Personen hinter den Pseudonymen auf der Seite verbergen? Wer versichert mir, dass die abgebildeten Depots tatsächlich stimmen?
  • Wie hoch sind Mindestanlagen? Einige Plattformen verlangen Anfangswerte von über 2.000 Euro, andere 100 Euro.
  • Welche Kommunikationswege gibt es mit anderen Anlegern? Ein reger Austausch mit Lead-Brokern und anderen Tradern ist ein zentraler Aspekt des erfolgreichen Social Tradings.
  • Welches Land ist rechtlich für den Inhalt der Seite verantwortlich? Es empfiehlt sich eventuell für deutsche Anleger ein deutsches Netzwerk, um gegebenenfalls im Rechtsstreit auf der sicheren Seite zu sein.
  • Handeln die Netzwerke weiter, wenn man offline ist? Das ist schlecht, wenn Sie als Trader die Investitionen immer live verfolgen wollen, aber gut, wenn Sie den Strategien auch nachts vertrauen.

 

Wichtige und renommierte Social Trading Netzwerke sind unter anderem:

  • Wikifolio
  • Etoro
  • Ayondo
  • Currensee
  • QTrade
  • Zulutrade

Hier geht es zu einem Vergleich einiger großer Anbieter.

 

Schritt 3: Kenne die Top-Trader

Auch hier gilt es, vor dem Anlegen einige wichtige Fragen abzuklären:

  • Haben die Lead-Broker ihre Gewinne durch Echtgeld oder Demo-Geld erzielt? Virtuelle Investitionen sagen nichts über das tatsächliche Können des Händlers aus.
  • Infos über Volatilität, Verlustserien, Karriere, Rendite etc. einholen.
  • Welche Strategie verfolgt mein Trader? Ist er eher wachstumsorientiert, wertorientiert, langfristig oder kurzfristig fokussiert?
  • Wie sieht sein Risikomanagement aus? Ab welcher Schwelle werden Aktien abgegeben?
  • Ist er auf der Plattform irgendwelchen Restriktionen ausgesetzt? Wie leicht macht es einem das Netzwerk, Top-Trader zu werden?
  • Wie alt ist das Konto? Junge Konten sagen nicht viel über das Können des Signalgebers aus.
  • Foren und Kommentare können Informationen enthalten, die Trader nicht freiwillig in ihrem Konto preisgeben wollen.
  • Vorsicht vor spärlich ausfüllten Signalgeber-Profilen mit skurrilen Nicknames, denn erste Eindrücke täuschen meist nicht.

 

Schritt 4: Kenne die Vorteile und Risiken des Social Trading

Vorteile:

  • Zeitersparnis: Andere Trader haben den Markt teilweise jahrelang studiert.
  • Niedrige Einstiegskosten, ganz im Gegensatz zu Hedge Fonds. Apropos Einstieg, hier lesen Sie „7 Tipps zur Erlangung Ihres Aktien-Startkapitals“.
  • Kontrolle: beliebig anfangen, stoppen, pausieren, ändern, erweitern und wechseln.
  • Experten in der Praxis, nicht in der Theorie: Die Trader sind nicht nur Experten, die behaupten, sie wüssten wie es geht, sondern bewiesenermaßen Anleger, die jeden Tag zeigen, wie es geht.
  • Mentoren-Rolle: Experten können Anfängern mit Tipps und Strategien zur Seite stehen und sie in das Geschäft einführen, ohne dass diese große Verluste riskieren.
  • Profi-Strategien können kostenlos eingesehen und verwendet werden.
  • Endlich ein „glanzvollerAnreiz, sich mit Wertpapieren auseinanderzusetzen. Nur etwa 14 Prozent der Deutschen sind direkt oder indirekt im Wertpapiergeschäft (Quelle) – in den USA sind es 56 Prozent!
  • Das Versprechen höherer Renditen bei geringeren Gebühren (Quelle).

 

Risiken:

„Wenn dir jemand schnelles Geld anbietet, sag‘ schnell nein“ – Warren Buffet (Quelle, eigene Übersetzung)

 

  • Vorsicht vor blindem Vertrauen in die „Big Dogs“: Wer einem erfolgreichen Händler „folgt“, der übernimmt nicht nur seine Aktien, sondern auch sämtliche Strategien. Es ist also essentiell, sich Trader auszusuchen, die z.B. ein ähnliches Risikomanagement haben wie man selbst.
  • Vorsicht vor Signalgebern mit mehreren Persönlichkeiten! Öfters zu beobachten scheint das Phänomen, dass Experten mehrere Accounts anlegen und nur die erfolgreichen als „Master Accounts“ veröffentlichen und weniger erfolgreiche einfach löschen. So wird dem Signalgeber die ganze Geschichte verwehrt.
  • Viele Signalgeber-Konten sind im Plus, obwohl die Gewinne vor längerer Zeit – und vielleicht nur sporadisch – geschahen und inzwischen viele Verluste eingefahren wurden. Anleger sollten immer nachvollziehen, wann Gewinne erzielt wurden.
  • Veraltete Profile haben etwas zu verbergen: Anleger sollten darauf achten, ob die Trader-Statistiken aktualisiert sind. Wenn nicht, versucht vielleicht jemand, etwas zu vertuschen.
  • Signalgebern wird auf der Plattform meist eine Gewinnbeteiligung versprochen, so dass sich relativ schnell profitgierige Trader ansammeln werden, die schnell gutes Geld machen wollen. Diese „Sensations-Trader“ versuchen, mit hoher Risikobereitschaft rasant nach oben zu steigen und so schnell wie möglich viele Follower zu bekommen – des Geldes wegen. Diesem radikalen Risikoverhalten zu folgen lohnt sich nur selten. Vernünftige Händler hingegen, die auf Langzeitgewinne aus sind, verschwinden in der Versenkung des Netzwerks und müssen von Social Tradern mühsam aufgespürt werden.
  • Social Trading ist relativ neu: Auch wenn Trader-Profile verlockend aussehen, hat noch kein Händler einen Börsencrash überstanden oder sich zeitüberdauernd beweisen können – die Daten sind also mit Vorsicht zu genießen.

 

Schritt 5: Kenne den eigenen Trader-Typen

Wenn die Stimmung in sozialen Netzwerken Kursänderungen vorhersagt, müssen Anleger gewappnet sein und überlegt reagieren.

Dabei hilft es zu wissen, was für ein psychologischer Händler-Typ man ist, um im Notfall den eigenen Impulsen entgegensteuern zu können.

 

1. Der Treue

Der treue Trader lässt sich bei seiner Entscheidung für einen Top-Broker Zeit, prüft die Infos genau und übt erst ausgiebig mit der Demo-Version, bis er sich für sein Lead-Trader-Portfolio entscheidet.

Danach vertraut er seinen „auserwähltenInvestoren, zur Not bis zum Untergang.

Pro: Keine Markt-Hektik und viel Geduld mit Investitionen.

Contra: Eventuelle Treue zu Investoren, die einen auf lange Zeit gesehen herunterziehen.

 

2. Das Schaf

Das Schaf verfolgt nur sichere und von etlichen anderen Followern als lukrativ bestätigte Investitionen.

Es sucht sich die beliebtesten Top-Trader aus und hält sich bevorzugt in der vermeintlichen Sicherheit der Masse auf.

Pro: Top-Trader sind aus gutem Grund beliebt.

Contra: Massenverhalten kann blind machen und die Masse kann irren! Ohne eigene Recherche lassen sich langfristig keine guten Investments erkennen und irrgeleitetes Massenverhalten kann das Schaf in den Abgrund ziehen.

 

3. Der Hardcore Diversifizierer

Die Vielfalt des Trader-Portfolios ist das Hauptanliegen des Hardcore-Diversifizierers. Denn nur so glaubt er, das Risiko minimieren zu können.

Da können schon mal über 100 Top-Trader mit minimalen Investitionssummen in seinem Sheet liegen.

Pro: Diese Art der Risikoverringerung klappt tatsächlich.

Contra: Eine Überdiversifizierung kann zur Lahmlegung der Gewinne führen.

 

4. Der Contrarian

Der Contrarian tut genau das, was die Masse nicht macht. Beliebte Investoren werden vermieden und Trader werden anhand eigener Kriterien bewertet und ausgewählt.

Der Contrarian investiert in die Underdogs und die Totgeglaubten.

Pro: Nur so werden Rohdiamanten aufgespürt, an die Öffentlichkeit gebracht und potenziell enorme Gewinne eingefahren.

Contra: Neue und relativ unbekannte Trader haben sich im Netzwerk noch nicht beweisen können und sind somit absolute Risiko-Investitionen. Lieber erst einmal mit der Demo-Version testen!

 

5. Der Alleskönner

Der Alleskönner vereint alle Typen. Er hat ein diversifiziertes, aber immer auch innovatives Portfolio aus Top-Brokern, Newcomern und etablierten Investoren.

Er recherchiert seine Investoren genau, weiß aber auch, wann er loslassen muss.

Pro: Der Alleskönner glänzt durch eine Mischung an Know-how und Flexibilität.

Contra: Alleskönner werden gerne mal überheblich, wenn sie merken, dass ihre Strategie Früchte trägt. Außerdem fehlt ihnen durch ihren etablierten Stand oft der Mut zu einigen Risiko-Investitionen, die große Gewinne einfahren können.

(Auflistung in Anlehnung an: „Which type of Copy Trader are you?“)

 

Schritt 6: Kenne die 9 goldenen Regeln des Social Trading

  1. Dierichtige Plattform für die individuellen Bedürfnisse ist das A und O – es gilt sich gut zu informieren und mehrere Anbieter in der Demo-Version zu testen, bevor man sich entscheidet.
  2. Anzahl und Art der Follower gut studieren.
  3. Nur Providern vertrauen, die ihre Statistiken mindestens einmal täglich, bevorzugt sogar einmal stündlich aktualisieren, denn das schließt Vertuschungen bestmöglichst aus.
  4. Ausgiebige Background-Checks zu Experten machen.
  5. Recherche: Ein vertrauenserweckender Signalgeber kann keine eigene Recherche in Wirtschaft und Börsenwesen ersetzen!
  6. Don’t put all your eggs in one basket: Anlagen gut verstreuen.
  7. Keine Wechselwut: Geduld haben und nicht gleich abspringen, sobald es kriselt.
  8. Es braucht Zeit, sich ein gutes Trader-Portfolio anzulegen, also nicht zu viel zu schnell erwarten. Hier geht es zu Tipps für die Zusammenstellung eines Portfolios.
  9. Alles Kopfsache: Nur online traden, wenn man ausgeschlafen, emotional stabil und nicht abgelenkt ist, sonst kann man sich ganz schnell folgenreich verklicken.

 

Fazit: Revolutionierung der Börse?

Das Social Trading steht in scharfem Kontrast zu konträren Aktienstrategien, bei denen versucht wird, gegen den Strom zu schwimmen und dann zu kaufen, wenn die Masse verkauft.

Gleichzeitig bestätigt die Social Trading Euphorie den Trend, Information und Wissen – in diesem Fall Handelsstrategien – zunehmend als öffentliches Gut anzusehen und den Zugang dazu zu demokratisieren.

Viele schätzen diesen neuartigen Zugang zum Wertpapierhandel jetzt schon als Revolutionierung des Börsenhandels ein.

Inwiefern sich diese Anlageform aber durchsetzen wird, bleibt – wie immer in der schnelllebigen Online-Landschaft – abzuwarten.

Die für diese Strategie als gegeben angenommene „Weisheit“ der Vielen kann nämlich auch irren, und Copy-Cat-Verhalten schnell im Katzenjammer enden.

Der schnelle Zugang zu Information und Wertpapieren sowie der reibungslose Ablauf können zudem keine langen Recherchen zu Tradern, Anlagen und der Börsenwelt ersetzen.

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