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10 Jahre Dot.Com-Blase: Das Ende und die Auferstehung

im März 2000 platzte die Dot.com-Blase. Es war an einem frühlingshaften Freitag – genauer gesagt am 10. März 200. Der Nemax50 – der Index für die „Blue Chips“ unter den Neue Markt-Werten – erklomm sein absolutes Allzeithoch bei 9.666 Punkten. Damit hatte sich der Index in nur gut zwei Jahren mehr als verzehnfacht.

Zur damaligen Zeit wurde schlicht und ergreifend alles gekauft, was zu haben war. Denn mittlerweile wollte jeder von der „Erfolgsstory Börse“ ein Stück abhaben. Auf dem Aktienmarkt tummelte sich alles, was auch nur einen Euro übrig hatte, und ebenso viele, die für das kleine Stück „Börsenglück“ sogar einen Kredit aufgenommen hatten. Die Börse war zu einem Verkäufermarkt und das „Produkt“ Aktie zu einem raren Gut geworden.

Eine Welt im Spekulationsfieber

Ich erinnere mich noch genau daran. Ich war zu dieser Zeit als Anlageberaterin bei einer Volks- und Raiffeisenbank beschäftigt, in einer kleinen Filiale in einem noch kleineren Dorf. Idyllische Bauernhöfe reihten sich an ruhige Einfamilienhäuser im Baustil der boomenden 70er Jahre. Niemand meiner Kunden hatte bis dato mehr als ein paar Aktien der Risikoklasse Telekom oder Daimler im Depot liegen. Am häufigsten wurden hier noch Bausparverträge abgeschlossen, um „in Bälde dann im Hinterhof einen kleinen Wintergarten bauen zu können“.

Und plötzlich saß die Frau vom hiesigen Dorfschlosser vor mir und wollte für 1.000 Euro von ihrem Sparbuch Euroshop-Aktien kaufen. Sie hätte auf n.tv gesehen, dass die so explodiert seien. Sie wolle da jetzt nicht mehr tatenlos zusehen, wie alle um sie herum reich wurden. Aber ich solle ihrem Mann bitte nix davon erzählen. Diese makabere Situation war nur eine von vielen, welche mir deutlich machten, dass hier etwas gründlich aus der Spur geraten war.

Denn auch die Fakten waren erdrückend: Die 229 Firmen des breit gefassten Nemax All Share hatten zu diesem Zeitpunkt auf dem Papier einen „Wert“ von 234 Mrd. Euro, obwohl die meisten dieser Unternehmen nicht mal schwarze Zahlen schrieben und sie sollten die Gewinnschwelle auch niemals erreichen. Selbst unter den sonst so „züchtigen“ Standardwerten im DAX war das Spekulationsfieber ausgebrochen. Der DAX erreichte in jener Woche seinen damaligen historischen Höchststand mit 8.136 Punkten – ein Niveau, das im Jahr 2007 nur um wenige Pünktchen übertroffen werden sollte.

Vom kleinen Wind zum alles verschlingenden Zyklon

Als die Kurse in den Tagen darauf wie hauchdünne Salamischeiben purzelten, ahnte noch niemand, was kommen würde. Denn die Talfahrt des Neuen Marktes begann zunächst langsam – eng am Verlauf der US-Technologiebörse Nasdaq orientiert – mit zwischenzeitlichen Kurserholungen. Auch die Frau vom Dorfschlosser war noch immer voll der Euphorie bezüglich ihres neuen spekulativen, heimlichen Investments.

Am 13. März, dem Tag des Börsengangs der ehemaligen Siemens-Tochter Infineon ist die Stimmung immer noch ungetrübt. Ich war damals eine der Glücklichen, die Infineon-Aktien zu 35 Euro je Stück zugeteilt bekam. Und ich zählte auch zu den Glücklichen, welche rechtzeitig auf die Verkaufstaste drückten, bei Kursen um 52 Euro. Die Aktie kletterte zwar noch bis auf 92 Euro. Doch ich ärgerte mich nicht. Denn für alle, die den Ausstieg verpassten, sollten schwere Jahre kommen. Ich sage nur Penny-Stock.

Das große Finale: Bis Oktober 2002 kollabierte der Nemax50 förmlich bis auf 318 Punkte oder um fast 97 Prozent. Am Neuen Markt hatten sich insgesamt mehr als 200 Mrd. Euro in Luft aufgelöst. Die Technologiebörsen haben diese Marke noch nie wieder erreicht, sind auch nicht wirklich in ihre Nähe gekommen. Viele so genannte New Economy-Unternehmen überlebten diesen Chrash nicht. Einigen wenigen gelang es. Ein Überlebender ist Aixtron. Lesen Sie dazu die nachfolgende Besprechung mit dem Titel „Vom gefallenen Engel zum Börsenliebling“.

Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.

Ihre

Cindy Bach

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Alte Kommentare
  • Ernie schrieb am 27.04.2012, 22:13 Uhr

    Man lese den Artikel von Mark Ehren in der ARD und es scheint, als ob sein Artikel vom 10. Maerz hier kopiert abgeschrieben wurde... Wie gesagt, meine Meinung...