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„Baltic Dry Index“: Seit Jahresanfang verdoppelt!

„Investoren Wissen“-Leser Franz T. schrieb mir: Könnten Sie einmal erklären was der Baltic Dry Index für eine Bedeutung hat und aussagt?“

Meine Antwort:

Solche Fragen liebe ich! Denn der „Baltic Dry Index“ ist eine der Kennzahlen, die mir gefallen. Kein „weicher Indikator“, Wischiwaschi zu Konsumentenstimmung, wo dann ein paar Hundert Befragte angeblich den Zustand der gesamten US-Verbraucher angeben.

Nein, hier geht es um harte Fakten, was knallhart bezahlt wird – denn der „Baltic Dry Index“ ist der Index der Frachtpreise bei Schiffen.

Schauen wir – nach Kennerweise – auch hier zunächst nach dem Preise:

Die Entwicklung des Baltic Dry Index der letzten Jahre

Interessant: Die Frachtraten haben sich seit Jahresanfang in etwa verdoppelt. Das ist doch durchaus aussagekräftig! (Quelle: Finanzen100)

Was der „Baltic Dry Index“ ist:

 

Es handelt sich dabei um einen für den Zustand der Weltwirtschaft sehr wichtigen Indikator. Dieser Index fasst nämlich die Frachtpreise für diverse Frachtgüter zusammen.

 

Der Baltic Dry Index misst die Entwicklung der Frachtraten für Rohstoffe

Und zwar geht es da um die großen Welthandelsrouten und um die Standard-Rohstoffe, die so verschifft werden, wie z.B. Eisenerz und Kohle.

Nun ist es so: Wenn die Weltwirtschaft brummt, dann werden auch viele Rohstoffe verschifft. Der chinesische Hunger nach Eisenerz und Kohle ist dann gewaltig, und aus Südamerika und Australien machen sich zahlreiche Massengutfrachter auf den Weg.

Übrigens: Wenn Sie denken, dass Containerschiffe die Mehrzahl aller Schiffe ausmachen (weil Sie z.B. wie ich sich gerne mal den Hamburger Hafen anschauen), dann ist dies nicht korrekt. Die Containerschiffe machen nur rund ein Achtel der Frachtschiffe aus. Mehr als die Hälfte entfällt auf besagte Massengutfrachter.

Wenn die Weltwirtschaft brummt, dann ist der Bedarf an Massengutfrachtern hoch. Die entsprechenden Gesellschaften können für angenommene Frachtaufträge höhere Beträge kassieren. Ist klar: Angebot und Nachfrage.

Umgekehrt ist in einer weltwirtschaftlichen Krise die Nachfrage eher gering. In den Werkstätten der Welt (China, Vietnam, Korea, auch Deutschland mit seinem Maschinenbau) sind die Kapazitäten nicht ausgelastet. Es sind weniger Rohstoffe notwendig.

Die vorhandenen Flotten können also nicht ausgelastet werden. In den Häfen liegen ungenutzte Massengutfrachter. (Im Fachjargon übrigens „Bulkcarrier“ genannt. Können Sie vielleicht bei einem Partygespräch mal eindruckschindend anwenden.)

Bevor diese Massengutfrachter/Bulkcarrier gar keine Einnahmen generieren und nur Kosten verursachen, gehen die Eigentümer mit den Frachtraten runter. Es kommt zu einem Konkurrenzkampf um die Aufträge, die Preise für die Frachtraten sinken.

 

Mein Fazit: Der „Baltic Dry Index“ ist ein für den Zustand der realen Weltwirtschaft (keine reinen Papiertiger wie Finanz“Industrie“!) aussagekräftiger Indikator.

Er basiert schließlich auf realwirtschaftlichen Entwicklungen. In die Berechnung fließen nur reale Nachfrage und reales Angebot für den Transport auf Standardrouten ein. Da wird nichts durch Befragung zu „Stimmungen“ ermittelt und saisonal oder hedonisch oder sonstwie „bereinigt“.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur „Investoren Wissen“

 

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Jens Blecker schrieb am 11.10.2013, 12:09 Uhr

    Die aktuelle Entwicklung muss nicht zwingend als positiver Indikator bewertet werden. Die gestiegenen Frachtraten im Schüttgüterbereich sind das eine, allerdings sind diese im Zeitraum September - Oktober durch die Decke gegangen. Ganz wichtig ist den HARPEX im Auge zu behalten, ob denn auch Fertigerzeugnisse wieder auf den Rückweg geschickt werden. Bisher ist davon nichts zu sehen. Vielleicht werden im Augenblick auch nur wieder Rohstoffe gehortet, was keine ungewöhnliche Maßnahme ist, blickt man auf den möglichen technischen Default in den USA. Jedes Gut ist besser als ein leeres Zahlungsversprechen seitens der USA. Just my 2 Cents

  • Trautmann schrieb am 11.10.2013, 12:51 Uhr

    Sehr geehrter Herr Vaupel! Herzlichen Dank für die prompte und sehr genaue Erklärung des Baltic Dry Index. Super! Schönen Gruß Franz Trautmann

  • Rainer Seifert schrieb am 11.10.2013, 16:33 Uhr

    Hallo, Herr Vaupel, Ihre Beiträge finde ich fast immer sehr interessant und lese sie sehr gerne. Man darf also getrost feststellen: Wenn der Baltic Index brummt, scheint die Weltwirtschaft gesund. Leider nur ein unreiner Reim. Scherzfrage: Wie wärs denn, wenn Sie jedesmal, auf Wilhem Buschs Spuren, ihre Beiträge mit einem Reim veredeln würden? Kostet aber sicher zuviel knappe Zeit. Um Ihnen auch mal etwas zurück zu geben, erlaube ich mir folgende Bemerkung: Ihr Reim holpert leider etwas. Außer, man betonte die Silbe "zu". Setzen wir aber noch "mal" dazwischen, rutscht es glatter runter. "auch" könnte dafür wegfallen. Nun hoffe ich, mit meiner nicht so ganz ernst gemeinten Kritik konnte ich mich ein klein wenig für das von Ihnen vermittelte Wissen revanchieren. Ein Hoch auf den großen Dichter Wilhelm Busch, der viel mehr geschrieben hat als die allgemein bekannten Bubenstreiche.

  • Gerd Richter schrieb am 13.10.2013, 11:28 Uhr

    Hallo Herr Vaupel, kleine Ergänzung noch: Der Baltic Dry Index wird nicht gehandelt, ist also auch für Spekulanten völlig irrelevant. MfG Gerd Richter

  • Manfred Hanke schrieb am 20.10.2013, 17:19 Uhr

    Die Graphik zeigt-wie Sie selbst erwähnen-seit Anfang des Jahres fast eine Verdoppelung der Frachtraten. Das hieße also die Weltwirtschaft brummt wieder! Oder sitz' ich da auf dem falschen Containerschiff ?