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Baltic Dry Index auf Rekordtief: kommt die nächste Krise?

Der Baltic Dry Index befindet sich auf einem Rekordtief. Läuft die Weltwirtschaft in Wirklichkeit so schlecht? Ist das ein Grund zur Panik? Nun, es ist zumindest ein Grund zur Absicherung. 

 

Um fast 74% hat der Baltic Dry Index seit Anfang 2014 abgegeben

Aktueller Chart des Baltic Dry Index

Quelle: stockcharts.com 

Ich bin im Übrigen nicht die einzige, die sich Gedanken um den steten Rückgang des Baltic Dry Index macht. 

Mein Leser R.B. schreibt: 

Hallo, Frau Kraus,

 

wieso haben wir eine stabile Weltwirtschaft ?

 

der Baltic dry Index sagt doch wohl etwas anderes aus,  jedenfalls habe ich das in den Newslettern des FID-Verlages  gelesen!

 

Gruß

Meine Antwort: 

Herr B. Vielen Dank! 

Lassen Sie mich zunächst für alle Leser klären, was der Baltic Dry Index überhaupt aussagt und weshalb er dementsprechend so wichtig ist.

 

Baltic Dry Index: ein Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft

 

Der Baltic Dry Index ist ein vielbeachteter Preisindex, der den Preis für weltweite Schiffstransporte von Trockenschüttgut zeigt. In der Regel ist es so: Wenn der Preis hoch steht, dann ist auch die Nachfrage nach Schiffstransporten für die wichtigsten Grundrohstoffe der weltweiten Industrie hoch. Sinkt der Preis, dann geht man auch von einer rückläufigen Nachfrage nach dieser Dienstleistung aus. Somit impliziert der Index also, wie hoch das reale Handelsvolumen und Frachtaufkommen der wichtigsten Grundrohstoffe für die weltweite Industrie tatsächlich ist. Damit ist der Index mittlerweile zu einem der am meisten beachteten Frühindikatoren für den Zustand der Weltwirtschaft geworden. Sinkt der Index, so geht man von einem sinkenden Welthandel aus und erhält damit einen Vorboten für einen Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität. Tatsächlich lieferte der Baltic Dry Index in der Vergangenheit recht zuverlässig klare zyklische Wendepunkte am Anfang und am Ende jeder Rezesseion und des nachfolgenden Wirtschaftsaufschwungs. Dabei geht der Index allerdings der realen wirtschaftlichen Entwicklung voraus um etwa 8 bis 12 Monate. Und der Index ist in den letzten 13 Monaten um fast 74 % eingebrochen.

Die Tiefstände des Jahres 2012 liegen bereits hinter uns, genauso wie jene aus dem Krisenjahr 2008. Zeigt uns der Baltic Dry Index das baldige Ende des Aufschwungs? Steht uns eine neue Rezession bevor, oder stecken doch noch andere Faktoren hinter der jüngsten Entwicklung?

 

Der Baltic Dry Index im Langfristchart

Quelle: stockcharts.com

 

Vorbote der nächsten Rezession?

 

Ein derartig starker Rückgang des Baltic Dry Index darf keinesfalls unbeobachtet bleiben, auch wenn es durchaus noch weitere Faktoren gibt, welche den Rückgang in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen. So gibt es natürlich auch einige gute Gründe dafür, dass der weltweite Handel vor allem mit Energie- und anderen Grundrohstoffen in den letzten Jahren generell etwas nachgelassen hat. Da wäre zum einen China zu nennen, das als weltweit größter Konsument von Eisenerz, Kohle, Kupfer und vielen anderen Rohstoffen natürlich auch versucht seine Importabhängigkeit zu verringern. Oder die USA, die dank des Frackings plötzlich selbst zu einem Top-Energieproduzenten geworden sind und so ihre Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten deutlich verringern konnten. Und natürlich sind viele Volkswirtschaften bestrebt den Binnenmarkt anzukurbeln um ihre Leistungsbilanz-Defizite auszugleichen, was ebenfalls das Volumen der Frachtraten sinken lässt. Doch ganz ehrlich, als alleinige Erklärung für den massiven Einbruch des Baltic Dry Index in diesem Jahr taugen auch alle diese Erklärungen zusammen nicht. Zumal es einen weiteren Index gibt, der zusätzliche Beachtung erfahren muss und zur Vorsicht mahnt.

Weiter im 2. Teil…. „VIX-Index zeigt gefährliche Parallelen zu 2007“

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Alte Kommentare
  • Roland Spingler schrieb am 11.02.2015, 21:56 Uhr

    Hallo Frau Kraus, vielen Dank für die Erläuterungen zum zusammenhang zwischen der Weltwirtschaft und dem Baltic Dry Index. Auch ich beobachte derzeit den Rückgang des BDI. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den Rückgang der Frachtraten, nämlich das Tonnageüberangebot aufgrund immer neuer und größerer Frachter. Der Rückgang von ÖL- und Gas-Transporte kann es m.E. nicht sein, da es sich hierbei um keine Trockenschüttgüter handelt (anders bei Kohle). Viele Grüße Roland Spingler