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Wie Anleihen funktionieren

von Ann Sosnowski in Baltimore

Nehmen wir an, Sie leihen mir 1.000 Dollar, die ich Ihnen innerhalb des nächsten Jahres zurückzahlen muss. Und sofern Sie nicht extrem zuvorkommend zu mir sind, würden Sie wahrscheinlich Zinsen berechnen. Denn schließlich hätten Sie für das Geld in der Bank Zinsen bekommen – wenn Sie es nicht mir gegeben hätten. Da ist das nur gerecht. Ich verstehe das.

Und natürlich möchten Sie das von mir schriftlich: Damit Sie einen Schuldschein von mir haben, in dem ich bestätige, dass ich Ihnen 1.000 Dollar plus Zinsen schulde. Wenn Sie also 5 % Zinsen von mir haben möchten, werde ich Ihnen im Laufe des Jahres 1.050 Dollar zurückgeben – 1.000 für die Leihgabe und 50 Dollar Zinsen.

Was ich soeben beschrieben habe, ist eine Anleihe. Das ist alles. Es ist eine Leihgabe. Es ist ein Schuldschein, mit dem ich verspreche zurückzuzahlen. Eine Person leiht sich von einer anderen Geld.

Wenn Sie also eine Anleihe kaufen, leihen Sie in einfachen Worten einer anderen Person Geld – ob es nun ich bin, eine Firma oder die Regierung. Und Sie erhalten für Ihre Leihgabe Zinsen, bis man Ihnen das Geld zurückzahlt. Eigentlich ganz einfach, oder? Warum schrecken aber so viele Leute vor Anleihen zurück?

Um ganz ehrlich zu sein: Wenn sich die Zinsen bewegen, wirkt sich das auch auf das Geld aus, das Sie mit den Anleihen verdienen. Leider ist das der Moment, in dem die Leute ihr Hirn ausschalten. Das sollten sie nicht tun. Sehen Sie es doch mal so …

Anstatt einer Ein-Jahres-Leihgabe, sollten wir die Leihgabe auf zehn Jahre erhöhen. Heute leihen Sie mir also 1.000 Dollar. Das bedeutet, dass ich Ihnen immer noch 1.000 Dollar schulde, zusätzlich kommen aber auch 50 Dollar pro Jahr dazu.

Nun stellen Sie sich vor, dass die Zinsen ganz plötzlich auf 4 % fallen. Wirkt sich das auf unsere Leihgabe aus? Auf der einen Seite: NEIN. Immer noch schulde ich Ihnen 50 Dollar pro Jahr plus den 1.000 Dollar vom Beginn. Aber auf der anderen Seite aber auch: Ja … die Dinge ändern sich …

Denn wenn Ihr Nachbar nun nach einer Möglichkeit Ausschau hält, Zinsen zu verdienen und er findet nur 4 % (oder 40 Dollar pro Jahr), dann sieht Ihr 5 %-Deal im Vergleich dazu ziemlich gut aus. Vielleicht kommt er dann rüber, um mit Ihnen einen Deal abzuschließen …"Hey, ich gebe Ihnen für den 1.000 Dollar-Schuldschein, für den Sie jährlich 50 Dollar Zinsen erhalten, jetzt direkt 1.100 Dollar …"

In diesem Moment befinden Sie sich in eine Gewinnerphase: Entweder Sie nehmen sein Angebot an und stecken sich einen 10 %igen Gewinn in die Tasche, oder Sie lehnen sein Angebot ab, und streichen im nächsten Jahr 5 % ein, wenn alle anderen nur 4 % Gewinn machen.

Ganz einfach gesagt, bedeutet das: Wenn die Zinsen sinken, ist es großartig, Anleihen zu besitzen. Seien Sie aber vorsichtig. Auch die gegenteilige Regel macht Sinn: Wenn die Zinsen ansteigen, ist es besser, keine Anleihen zu besitzen.

Wenn die Zinsen auf 6 % ansteigen und Sie dann aus irgendwelchen Gründen Ihr Geld zurückfordern, werden Sie mit Ihrer 5 %-Anleihe schwimmen gehen. Niemand wird Ihre mickrigen 5 % haben sollen, wenn man auch 6 % kriegen kann. Sie werden Ihren Preis senken müssen – bis zu 930 Dollar (von den ursprünglichen 1.000 Dollar), bevor es überhaupt jemand in Erwägung zieht, Ihre wenig versprechende Anleihe zu kaufen.

Fazit ist: Niemand kann die Entwicklung der Zinsen voraussagen. Deshalb ist der Versuch zum Scheitern verurteilt, die richtigen Anleihen mithilfe der Prognose der Zinsentwicklung herauszupicken. Deshalb glaube ich nicht, dass es beim Anleihenkauf eine perfekte Timing-Strategie gibt. Deshalb sollten Sie Anleihen abwechslungsreich gestalten. Und es gibt verschiedene Anleihen-Typen, die Ihnen die Möglichkeit bieten, zu diversifizieren.

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Über den Autor Investor Verlag

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