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Tier-Anleihen: Hoher Kupon, hohes Risiko

Eine Anleihe mit fast 10% Verzinsung. Das klingt verlockend. Doch welche Risiken sind mit solch hohen Zinsen verbunden?

Verlockende Tier-Anleihen

Wieso hohe Zinsen zahlen, wenn alles sicher wäre? Daran merken Sie schon, dass dies keine normale Anleihe sein kann. Es handelt sich hier wieder um ein „Tierchen“, sprich eine Tier-Anleihe. Diese haben für die Bank den Vorteil, dass sie als Eigenkapital und nicht als Fremdkapital gewertet werden.

Für den Käufer hingegen haben sie den Nachteil, dass sie nachrangig sind. Bedeutet im Klartext: Bei einer Zahlungsunfähigkeit des Emittenten würden diese Anleihen erst dann bedient, wenn alle vorrangigen Gläubiger befriedigt worden sind.

Natürlich, solange es dem Unternehmen gut geht und Gewinne erzielt werden, sprudeln sicher auch die Zinseinnahmen. Es sollte Ihnen allerdings klar sein, dass im Falle einer Insolvenz erst einmal alle anderen die Hände aufhalten. Wenn dann noch etwas übrigbleibt, dann erst gibt es für die Besitzer der Tier-Anleihen etwas. Und dann wird wohl nichts bis sehr wenig übrigbleiben.

Ungewisse Laufzeit der Tier-Anleihe

Außerdem gibt es keine feste Laufzeit der Tier-Anleihe. So wie ich das sehe, könnte der Emittent die Tierchen einfach Jahrzehntelang weiterlaufen lassen. Natürlich, wenn alles gut läuft, gibt es immerhin Zinsen. Doch was ist, wenn z.B. einmal das allgemeine Zinsniveau wieder stark ansteigt? Dann sollte der Kurs der Anleihe alleine deshalb fallen. Und Sie wissen dann gar nicht, wie lange Ihr Geld gebunden ist, und könnten im Falle eines Verkaufs bei allgemein höherem Zinsniveau vielleicht einen Verlust erleiden.

Ich persönlich mag aus diesen Gründen solche Tier-Anleihen nicht, alleine schon wegen der ungewissen Laufzeit. Ansonsten mein Rat: Weitere Fakten sammeln zum Thema „Tier-Anleihe“. Abwägen. Und dann sein lassen – oder eben kaufen.

Wie analysiert man Anleihen?

Zum Abschluss noch einmal kurz zusammengefasst, auf welche Aspekte hin Sie eine Anleihe im Vorfeld analysieren sollten. Im Grunde geht es um zwei Dinge:

  • Schauen Sie sich den Zustand des Emittenten an.
  • Schauen Sie sich die genauen Anleihenbedingungen an (Verkaufsprospekt).

Bei der Bewertung der Finanzkraft des Emittenten spielen wieder solche Faktoren eine Rolle:

  • Netto-Gewinn
  • Höhe der liquiden Mittel
  • Cash-Flow-Entwicklung
  • Höhe der bald fälligen Verbindlichkeiten
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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Gerfried Schwarzer schrieb am 05.02.2014, 19:50 Uhr

    Sehr geehrter Herr Vaupel! Sehr gerne lese ich täglich Ihren Brief" Investoren Wissen". Das Thema Anleihen interessiert mich sehr, da ich mit ca. 60% in Anleihen investiert bin. Das Thema Tier- Anleihen wurde heute von Ihnen angesprochen, aber nicht sehr ausführlich. Es gibt hier ja viele verschiedene Typen wie: Tier 1, Tier 2, Lower Tier2 und andere. Ist es Ihnen möglich bei Gelegenheit oder in Ihrem angekündigten Vorhaben über Mittelstandsanleihen näher einzugehen? Bei Lower Tier2-Anleihen scheint mir die Auszahlung bei einer Insolvenz wohl nicht an letzter Stelle zu stehen. Man kann natürlich auch solche Anleihen bei großen Unternehmen erwerben, wie z.B. der Commerzbank mit 9,5%. CB83HX. Hierbei sind wohl die Gefahren einer Insolvenz wegen der Systemrelevanz des Unternehmens nicht so groß, oder? Mit freundlichem Gruß G.Schwarzer

    • Michael Ripke antwortete am 06.02.2014, 12:17 Uhr

      Dem Wunsch von G. Schwarzer schließe ich mich an. Es gibt auch eine Anleihe der Deutschen Bank A1ALVC mit 9,5% Verzinsung. Welche Risiken sind mit solch hohen Zinsen verbunden?

  • Claus Dorn schrieb am 05.02.2014, 22:13 Uhr

    Lieber Herr Vaupel, bei Ihrem Bemühen, dem Fragesteller zu helfen, ohne eine Beratung vorzunehmen (was Ihnen vorzüglich gelungen ist) haben Sie vergessen zu schreiben , wie man an die Bedingungen bzw. den Verkaufsprospekt herankommt. Da dies sicher für viele "Gemeindemitglieder" von Interesse sein könnte, sollten Sie die Auskunft nachliefern. Viele Grüße und Dank für Ihre nimmermüde Unterstützung Ihrer Leser: Claus Dorn.