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Staatsanleihen-Trading: Euro-Anleihen long, US-Dollar short

Der Markt reagierte anfangs kurz verhalten, als Donald Trump überraschend zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde. Doch schnell zogen die Aktienkurse an und jetzt bewegt sich einiges beim Handel mit Staatsanleihen. Denn Anleger auf der ganzen Welt verkaufen ihre US-Anleihen. Sie schichten ihre Investitionen um und investieren vermehrt in Aktien statt Staatsanleihen. Reagieren Sie jetzt, indem Sie bei Staatsanleihen auf weiter fallende Kurse setzen! Denn die sind wahrscheinlich.

Die Billionen-Investition: Trump will neues Geld drucken!

Donald Trump hat ein klares Ziel für die US-amerikanische Wirtschaft: Er will die Konjunktur ankurbeln. Dafür hat er ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm angekündigt, für das er eine Billion Dollar in die Hand nehmen will. Dieses Geld soll vor allem in die Bauwirtschaft fließen, indem „Straßen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser“ errichtet werden, wie Donald Trump in seiner ersten Rede nach der Wahl erklärte.

Investitionen in die Infrastruktur haben die USA tatsächlich nötig. Der Verband der amerikanischen Ingenieure geht von einem Investitionsstau von sogar 3.600 Milliarden Dollar aus. Etwa 60.000 Brücken gelten als Sanierungsfall, Deiche werden immer wieder überspült, das Trinkwasser ist wegen veralteter Leitungen oft mit Schadstoffen belastet und viele der Umspannwerke funktionieren nicht mehr.

Die 1.000 Milliarden, die Trump investieren will, werden für diese Herkulesaufgabe nicht reichen. Doch hinter dem Programm steht der Plan, Investitionen zu tätigen, von denen sich der designierte US-Präsident einen unmittelbaren Nutzen für die Wirtschaft erhofft, indem viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden und ein großer Teil der Investitionssumme in die Gehälter der Arbeiter fließt.

Angebot und Nachfrage gelten auch bei Anleihen – der Preis wird also wahrscheinlich sinken

Das Geld für sein Infrastrukturprogramm beschafft sich Donald Trump durch die Herausgabe von US-Staatsanleihen.

Anleihen sind Schuldscheine, die Staaten oder Unternehmen herausgeben, um an Geld zu kommen. Sie haben feste Laufzeiten von z.B. einem, zwei, zehn oder auch 30 Jahren und mehr. Jährlich bezahlen die Staaten oder Unternehmen Zinsen und garantieren, dass der Anleger am Ende der Laufzeit sein Geld zurückbekommt.

Schon vor Laufzeitende können Staatsanleihen weiterverkauft werden. Für andere Anleger kann die Anleihe durch ihren garantierten Zinskupon attraktiv sein. Der Preis der Anleihe richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Wenn Trump also den Markt mit neu ausgegebenen Anleihen überschwemmt, wird deren Wert bei gleich bleibender Nachfrage sinken. Ein größeres Angebot trifft auf gleiche Nachfrage und das führt in einem freien Markt zwangsläufig zu sinkenden Preisen.

Ausverkauf der Staatsanleihen – die Anleger fürchten Inflation!

Das höhere Angebot ist jedoch nur ein Puzzleteil. Die Anleger fürchten neben dem größeren Angebot vor allem auch steigende Preise. Die 1.000 Milliarden US-Dollar bewirken eine höhere Nachfrage in den USA, was zu einem höheren Preisniveau führen könnte. Da die Inflation ohnehin schon bei 1,5% liegt – mit steigender Tendenz – und die Fed derzeit wenig Ambitionen zeigt, die Zinsen rasch zu erhöhen, könnte Trumps Konjunkturprogramm zu einer Inflationsrate von mehr als 2% führen. Das ist für Anleger ein Risiko, die Anleihen mit weniger als 2% Rendite pro Jahr kauften. Das waren bis vor kurzem sogar noch Anleihen mit 10 Jahren Laufzeit.

Steigt die Inflation nun über die Rendite der Anleihen, erleiden die Besitzer einen Kaufkraftverlust. Daher sagen sich nun viele, dass sie die Anleihen sicherheitshalber abstoßen, was natürlich das Angebot auf dem Markt zusätzlich erhöht.

Schon jetzt gelangen viele US-Staatsanleihen auf den Markt, da sie viele Anleger lieber heute als morgen loswerden wollen. Die Kapitalisierung des globalen Bondmarktindex Merrill Lynch, den die Bank of America herausgibt, sank seit der Wahl vor zwei Wochen um mehr als 450 Milliarden Dollar. Denn das Überangebot an Staatsanleihen wird in den Monaten nach Donald Trumps Vereidigung am 20.01.2017 weiter zunehmen, wenn er die Gelder für sein Konjunkturprogramm wirklich vom Kongress bewilligt bekommen sollte.

Trumps Pläne deuten insgesamt auf Inflation hin

Ein weiterer Punkt aus Trumps Wahlprogramm spricht für steigende Inflation. Das Infrastrukturprogramm soll laut Trump Arbeitsplätze für „Millionen von Menschen“ schaffen. Gleichzeitig plant er jedoch, den Arbeitsmarkt für Migranten abzuschotten. Da Arbeitskraft unter diesen Voraussetzungen rar wird, werden die Löhne ansteigen. Steigende Löhne führen zu mehr Konsum, also Nachfrage. Und damit wird die Inflation nachziehen.

Importzölle heizen die Inflation an

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Inflation ist, dass Donald Trump die US-amerikanische Wirtschaft abschotten will, indem er hohe Importzölle auf ausländische Waren erhebt. Dadurch steigen die Preise dieser Produkte am US-amerikanischen Markt. Und das heizt die Inflation weiter an. Langsam wird verständlich, weshalb sich manche Fed-Oberen vor der Wahl für rasch steigende Zinsen aussprechen. Sie hatten wohl fest mit Trumps Wahlsieg gerechnet.

Denkbare Strategie: Euro-Anleihen long, US-Anleihen short

Während ich bei US-Anleihen mit weiter fallenden Preisen rechne, könnten europäische Anleihen mittelfristig vielleicht sogar im Preis zulegen. Mindestens jedoch eine stabilere Preisentwicklung als bei US-Anleihen ist zu erwarten. Zwar ist das Zinsniveau im Euro-Raum auch niedrig. Doch die Inflation ist es ebenso. Die EZB zeigt auch keinerlei Erwartungen von steigender Inflation und plant auch nicht, die Zinsen zu erhöhen. Für Anleger kann es daher attraktiv sein, Geld aus US-Anleihen abzuziehen und in Euro-Anleihen zu investieren.

Derzeit sind Euro-Investments offensichtlich noch nicht sonderlich angesagt. Seit Trumps Wahl wertet der Euro ab und der US-Dollar auf. Ein widersprüchliches Signal. Doch an der Börse gibt es selten eindeutige Signale.

In die oben skizzierte Strategie bietet sich der Einstieg an, sobald der Euro wieder beginnt aufzuwerten. Denn dann haben die Kapitalströme offensichtlich begonnen, in Richtung Europa zu fließen.

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Über den Autor
Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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