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Lebensversicherungen und Staatsanleihen

Auch heute nochmals ein kurzer Medientipp für Sie, bevor ich zum eigentlichen Thema der Ausgabe komme.

Wie vor einigen Tagen in der Financial Times Deutschland zu lesen war, kündigte Bosch einer ersten Bank die Zusammenarbeit. Der Grund? Zu hohe Bonuszahlungen.

Nun aber zum Thema der heutigen Ausgabe:

Portfolios der Lebensversicherungen

Liebe Leser,

in der Investoren Wissen Ausgabe vom 15.01.10 gab ich Ihnen eine kleine Einführung zum Thema Anleihen und Zinsen. Außerdem erörterte ich in der Ausgabe vom 22.01.10, warum ich davon ausgehe, dass in naher Zukunft die Leitzinsen wieder steigen werden und welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten.

Im heutigen Artikel werde ich zunächst die Portfolios einiger ausgewählter Lebensversicherer für Sie durchleuchten und ganz speziell auf das Thema „Pfandbriefe“ eingehen. Am kommenden Freitag setze ich diese Serie mit dem Artikel „Droht ein Kollaps der Lebensversicherer?“ weiter fort.

Wie Sie alle wissen, stellt die kapitalbildende Lebensversicherung in Deutschland eine der wichtigsten Säulen der privaten Altersvorsorge dar. Die Versicherungsunternehmen der BRD verwalten je nach Schätzung zwischen 700 Milliarden und 1,2 Billionen Euro. Aufgrund dieser hohen Zahl hat „Vater Staat“ die Versicherer dazu verdonnert, ihren Kunden jedes Jahr einen gesetzlich bestimmten Garantiezins auf ihre Einlagen gutzuschreiben. Lag 1994 der Garantiezins noch bei 4%, ist er heute bis auf magere 2,25% gesunken.

Um diesen Zins jedoch überhaupt erwirtschaften zu können, legen die Versicherungsunternehmen sog. „Deckungsrücklagen“ an den Kapitalmärkten an. Mit diesen Rücklagen versuchen Unternehmen wie Allianz, Hamburg Mannheimer, HUK-Coburg, etc. möglichst große Renditen „einzufahren“. Denn neben dem Mindestzins erhoffen sich die meisten Versicherten auch Gewinnbeteiligungen am Unternehmensgewinn und rechnen insgeheim mit einer Gesamtrendite von sechs oder sieben Prozent auf das eingezahlte Kapital. Zumindest hat das der nette Vermögensberater im Verkaufsgespräch so vorgerechnet…

Schauen wir uns deshalb im Detail an, in welche Anlageformen ausgewählte Versicherer ihr Geld „parken“ (Quelle: FOCUS, Ausgabe vom 16.11.09, S.100 ff):

Allianz:

54% in Hypotheken und Pfandbriefe

19% Staatsanleihen

15% Unternehmensanleihen

3% Immobilien

9% Aktien

Hamburg Mannheimer:

35% Staatsanleihen

34% Pfandbriefe

17% Unternehmensanleihen

7% sonstige Anleihen

6% Immobilien

1% Aktien

Versicherungskammer Bayern:

54,5% Schuldscheindarlehen, Hypotheken u. Pfandbriefe

25% Staatsanleihen

8% Investmentfonds und sonstige Beteiligungen

8% Unternehmensanleihen

3% Immobilien

1,5% Aktien

Nicht eingehen werde ich in diesem Artikel auf die Anlageformen Aktien, Investmentfonds und Immobilien, da diese nur einen kleinen Teil des Portfolios der Versicherungsunternehmen repräsentieren.

Schauen wir uns stattdessen Hypotheken und Pfandbriefe sowie am kommenden Freitag Staats- und Unternehmensanleihen näher an.

Bei einem Hypothekendarlehen handelt es sich um einen schuldrechtlichen Vertrag, welcher durch eine Immobilie abgesichert ist. Der Darlehensnehmer ist bei Fälligkeit des Darlehens verpflichtet, dem Darlehensgeber den Schuldbetrag zu erstatten.

Bei Pfandbriefen handelt es sich um eine bestimmte Art von Anleihe, welche von einer Pfandbriefbank ausgegeben wird. Neben der Bonität der emittierenden Pfandbriefbank steht zusätzlich eine sog. „Deckungsmasse“ zur Verfügung. Im Falle einer Insolvenz der Pfandbriefbank werden die Pfandbriefhalter gegenüber allen anderen Gläubigern bevorzugt und zuerst aus der Deckungsmasse befriedigt.

Jahrzehntelang galten Pfandbriefe als nahezu genauso sicher wie Staatsanleihen. Dies änderte sich jedoch im Herbst 2008 mit der deutschen Tragödie „Hypo Real Estate“.

Ich möchte an dieser Stelle einen Abschnitt aus dem besagten FOCUS-Money Artikel zitieren:

Aber selbst das Parade-Investment Pfandbrief, bei dem die Versicherer große Summen anlegen, erwies sich vergangenen Herbst als nicht mehr hundertprozentig verlässlich. Da drohte die Hypo Real Estate (HRE), einer der größten Pfandbrief-Anbieter, zu kippen. Zwar sind die Pfandbriefe mit realen Gebäuden abgesichert, aber eben nicht mehr nur mit deutschen, sondern teilweise mit europäischen. Wie solide sind diese? Und wie würden sich Abwicklungsprobleme der HRE auf die Lebensversicherungen der Deutschen auswirken?

Keiner wollte das ausprobieren. Der Staat sprang bei der HRE mit einer 100-Milliarden-Euro-Bürgschaft sowie direkten Finanzspritzen ein. Auch die Banken und die Versicherer beteiligten sich – sie hatten zu viel zu verlieren….

Und der Kapitalanlage-Experte des deutschen Versicherungsverbandes GDV, Wolfgang Weiler, räumt in dem Artikel folgendes ein:

Ein Bankensystem, das nicht mehr funktioniert, bringt selbstverständlich auch die Versicherer in Schwierigkeiten.“ Die gesamte Realwirtschaft gebe es dann nicht mehr.

Von der Vorstellung, die Versicherer seien „der Stabilitätsanker“ muss man wohl abrücken. Jede Bankenkrise bedroht unmittelbar die Versicherungen.

Man muss Pfandbriefen zugute halten, dass seit dem Jahr 1899 kein Investor mit einem Pfandbrief Verluste erlitten hat. Jedoch zeigt das obige Drama um die HRE sehr gut, wie instabil das ganze „Pfandbrief-Kartenhaus“ in Wirklichkeit ist. Es reicht die Insolvenz eines einzigen großen Pfandbrief-Anbieters um das ganze System inkl. den Versicherungen „in die Luft zu jagen“. Vor diesem Hintergrund war es nicht verwunderlich, dass die deutsche Bundesregierung die Hypo Real Estate entsprechend verstaatlichte, um eine Kernschmelze des Finanzsystems abzuwenden.

Doch kann man in Deutschland davon ausgehen, dass in naher Zukunft keine deutsche Großbank pleite geht? Müssen nicht heute schon zahlreiche (Landes-)Banken gestützt werden? Und ist der deutsche Staat aufgrund seiner exorbitanten Staatsverschuldung vielleicht gar nicht mehr in der Lage eine „zweite HRE“ aufzufangen oder eine „deutsches Lehman Brothers“ zu verhindern?

Pfandbriefe alleine sind allerdings nur eine Seite der Medaille. Ein mindestens genauso großes Risiko droht den Versicherungen aufgrund der hohen Portfoliobestände von Staats- und Unternehmensanleihen.

Mehr dazu am kommenden Freitag bei Investoren Wissen…

Beste Grüße

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • Willi Abbe schrieb am 03.02.2010, 23:35 Uhr

    Mein ehemaliger Versicherer Iduna bietet für mich und andere ehemaligen Versicherten an 4,25 % Zinsen für ein Jahr bis zur Höhe des ehemals versicherten Geldes ohne Gebühren, getarnt wie der Vertreter meinte als eine Lebensversicherung, garantiert volle Rückzahlung mit jeweils Kündigungsmöglichkeit von 5 Wochen zum ersten Kalendertages eines Monats. Was halten Sie davon? Für Ihre baldige Antwort danke ich. MfG W. Abbe

  • Alexander Hahn schrieb am 04.02.2010, 13:21 Uhr

    Sehr geehrter Herr Abbe, ich freue mich, dass Sie meine Meinung zu derartigen Dingen wissen möchten. Gerne würde ich Ihnen hier auch helfen. Leider darf ich aus rechtlichen Gründen keine Äußerungen zu derartigen Fragen abgegeben, da es mir nicht gestattet ist individuelle Anlageberatungen durchzuführen. Gerne würde ich weiterhelfen, muss in dieser Sache jedoch um Ihr Verständnis bitten. Ich kann nur generell sagen, dass ich von Lebensversicherungen nicht viel halte und bereits in den letzten Wochen in den Medien zu lesen war, dass sogar die Bafin im Geschäftsmodell der Lebensversicherer zweifelt. Dies soll natürlich nicht als Ratschlag oder Empfehlung zu irgendetwas gemeint sein. Lediglich als generelle Anregung zum kritischen Umgang mit Angeboten aus dieser Sparte der Finanzindustrie... Beste Grüße Alexander Hahn

  • Müller schrieb am 18.12.2010, 22:14 Uhr

    Ich habe mich schon oft gefragt, was die Versicherer mit dem Geld der Leute machen. Wie es angelegt wird, und ob es wirklich so sicher ist. Für den wirklich wertvollen Beitrag möchte ich Ihnen danken. Das findet man selten.