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Deutsche Bank: Was sind das für Anleihen mit 6% bis 7,125% Zinsen?

Vergangene Woche vermeldete die Deutsche Bank: Die Platzierung neuer Bonds sei erfolgreich verlaufen, man habe sogar doppelt soviel wie ursprünglich anvisiert platzieren können. Insgesamt wurden für rund 3,5 Milliarden Euro neue Anleihen an den Mann bzw. die Frau gebracht.

Bei den Zinssätzen horchte ich auf: Zwischen 6 und 7,125% und damit für die aktuelle Marktphase sehr ordentlich. Das können aber keine normalen Anleihen gewesen sein, dafür ist der Zins zu hoch. Und in der Tat: Es handelte sich um sogenannte „COCO-Bonds“. Coco steht für den neudeutschen Begriff „Contingent Convertible“. „Convertible“ wiederum kennt man ja aus dem Bereich der Automobile: Ein Wagen, dessen Dach durch Zurückklappen geöffnet werden kann. Analog dazu können sich auch diese „COCO-Bonds“ verwandeln. Und zwar von bestimmten Eigenschaften einer „normalen Anleihe“ = Schuldverschreibung der Bank, mit festem Kupon verzinsbar, hin zu einer Hybridanleihe mit Totalverlustrisiko

COCO Bonds: Höhere Zinsen – dafür Totalverlustrisiko

Sollte die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank unter 5,125% fallen, dann kann die Deutsche Bank laut Verkaufsprospekt auf eine Verzinsung und Rückzahlung der „COCO-Bonds“ verzichten. Totalverlust kann es dann heißen (obwohl die Bank in besseren Zeiten möglicherweise doch noch Zahlungen leistet).

Für die Bank hat das den großen Vorteil, dass die eingesammelten 3,5 Mrd. Euro als „zusätzliches Kernkapital“ (AT1) gelten, was die Eigenkapitalbasis stärkt. Dafür kann man dann auch gerne etwas großzügig Zinsen zahlen. Für die Käufer der COCO Bonds gilt: Solange es gut läuft, sprich Deutsche Bank solide dasteht mit Eigenkapitalquote von über 5,125%, ist es auch gut. Dann gibt es die im aktuellen Umfeld ansehnlichen Zinsen.

Doch was, wenn es nicht gut läuft? Dann droht nicht nur ein Ausfall der Zinszahlung, sondern im schlimmsten Fall sogar ein Totalverlust. Hier gilt also wie letztlich überall: Die höheren Zinsen erkaufen Sie sich mit einem höheren Risiko (gegenüber normalen Anleihen der Deutschen Bank). Ob das höhere Risiko für Sie durch die höheren Zinsen ausgeglichen wird, können und müssen letztlich nur Sie selber entscheiden.

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Hans schrieb am 27.05.2014, 20:16 Uhr

    Auch eine Form der Sanierung, ehe der Rettungsschirm gerufen wird.