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Deutsche Bundesanleihen: Langfristig riskant für Anleger & Deutschland

Der Emissionsplan für neue Staatsanleihen des Bundes für 2015 ist unprofitabel für Anleger, und birgt langfristig große Risiken für die Bundesrepublik Deutschland.

Bundesanleihen, auch Bunds genannt, galten bis vor wenigen Jahren noch als krisensichere Anlage, mit der langfristig orientierte Anleger zwar nicht stattlich, aber dafür stetig Zinsen verdienen konnten.

Die Zinsen von Bundesanleihen galten als risikofreier Zins. Inzwischen wurden aus risikofreien Zinsen zinsfreie Risiken. Denn heute liegt der Zinssatz bei zehnjährigen Anleihen nur noch bei lächerlichen 0,245% und kippte sogar schon einmal ins Negative.

Und wer dem Bund für fünf Jahre oder weniger Geld leiht, muss sogar noch draufzahlen, also Zinsen dafür bezahlen, dass man dem deutschen Staat Geld leihen darf.

 

72% der Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren oder kürzer

Doch nicht nur für Anleger sind die Bundesanleihen potentielle Geldvernichter. Auch der Staat legt sich mit seiner aktuellen Emissionsplanung für das Jahr 2015 eine tickende Schuldenbombe ins Nest. Denn anstatt sich den derzeit rekordniedrigen Zinssatz für die nächsten zehn oder auch 30 Jahre zu sichern, emittiert der Bund kaum mehr zehnjährige Anleihen als noch 2012.

Der Anteil 30-jähriger Anleihen sank sogar in den vergangenen drei Jahren, obwohl sich der Zinssatz mehr als Drittelte. Stattdessen haben 72% der neu emittierten oder verlängerten Kredite eine Laufzeit von fünf Jahren und weniger.

Das ist zum einen kurzsichtig und zum anderen finanzpolitisch riskant. Schließlich weiß jeder Kreditnehmer: Wenn eine möglichst schnelle Tilgung nicht möglich ist, dann ist es am günstigsten, sich den niedrigst möglichen Kreditzins für die möglichst längste Laufzeit zu sichern.

Für die Bundesrepublik wäre es also nur logisch, in Zeiten, in denen sie für einen über 30 Jahre laufenden Kredit nur 0,72% Zinsen zahlen muss, so viele dreißigjährige Bundesanleihen wie möglich zu emittieren.

Der Blick auf den Emissionsplan für 2015 zeigt allerdings, dass der Anteil von 30-jährigen Bunds lediglich 3,2% der Kreditsumme von 185,5 Mrd. € für 2015 ausmacht. 2012 waren es immerhin noch 4%.

 

Anleger müssen zahlen, um dem Staat Geld zu leihen

Mit 72% entfällt der Großteil der Kreditsumme stattdessen auf Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren oder weniger.

Auf den ersten Blick macht das aus Sicht des Bundes durchaus Sinn, schließlich muss der Bund für die kurzfristigen Anleihen inzwischen gar keine Zinsen an die Geldgeber mehr zahlen, sondern bekommt von denen Zinsen.

Befeuert durch dasAnleihekaufprogramm der EZB ist die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen, immerhin die als am sichersten geltenden in der Eurozone, stark gestiegen. Das drückt natürlich die Rendite. Mit einem Zinssatz von aktuell 0,245% werfen zehnjährige Bunds so wenig Zinsen ab wie noch nie zuvor.

Wer dem Bund allerdings für lediglich fünf Jahre oder kürzer sein Geld leiht, muss dafür sogar noch draufzahlen, denn die Rendite hierfür ist seit Monaten negativ. Im November vergangenen Jahres gab es erstmals keine Zinsen mehr auf eine Bundesschatzanweisung mit zweijähriger Laufzeit.

Und seit Ende Januar gibt es auch keine Zinsen mehr auf Bundesobligationen, sprich auf Anleihen des Bundes mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Bei einer positiven Inflationsrate, die derzeit in Deutschland bei 0,00% liegt, ergeben sich hier für den Anleger also Verluste. Sie müssen also zahlen, um dem Staat Ihr Geld zu leihen.

 

Schäubles Kreditaufnahme-Pläne sind kurzsichtig und risikoreich

Auch wenn das für den Bund auf den ersten Blick so genial einträglich scheint, wie es den Anlegern gegenüber unverschämt ist, tut der Finanzminister der Bundesregierung damit keinen Gefallen. Denn der Großteil der Schulden der Bundesrepublik wird ja nicht zurückgezahlt, sondern mit neuen Krediten refinanziert.

Es wird also ein neuer Kredit aufgenommen, um einen alten Kredit, der ausläuft, zurückzuzahlen. Deshalb wäre es eigentlich clever, die derzeit niedrigen Zinsen für möglichst lange Zeit zu sichern. Schließlich kann die Refinanzierung kurzfristiger Kredite schnell problematisch werden.

Das Beispiel Griechenland zeigt, wie schnell Anleger Vertrauen verlieren und gar keine Anleihen mehr zeichnen. Im Falle Griechenlands lagen 2010 zwischen der letzten emittierten Anleihe und der Kaufverweigerung der Anleger nur Wochen. Griechenland war binnen Wochen pleite, weil niemand neue Anleihen zeichnete, mit denen Griechenland fällig werdende alte Anleihen tilgen konnte.

Risiko Nummer 2 sind steigende Zinsen. Es ist zwar schön, dass sich Deutschland derzeit 2 Jahre lang Geld zum Nulltarif leihen kann. Doch was ist, wenn in zwei Jahren der Zinssatz bei 2% steht? Dann wird es sehr schnell sehr teuer für die Bundesrepublik.

Und vom derzeitigen Niedrigstzinsniveau gesehen können die Zinsen mittelfristig und langfristig nur steigen, vor allem dann, wenn die EZB ab September 2016 ihr Anleihenkaufprogramm wieder einstellt und die Nachfrage wieder rapide sinkt.

Statt sich aber mit zehn- beziehungsweise dreißigjährigen Krediten einzudecken, leiht sich der Bund 133,56 Mrd. Euro über kurzfristige Kredite und steigert damit sein Risiko. Denn neben Zinssteigerungen, die unweigerlich kommen werden und dem Bund dann teuer zu stehen kommen, ist die Gefahr gegeben, dass solch große Summen nicht aufgetrieben werden können in so kurzer Zeit.

Der Ukraine-Konflikt beispielsweise bleibt ein geopolitischer Risikofaktor, der unberechenbar ist. Es würde vermutlich reichen, dass sich der Konflikt bis zur Grenze zu Polen ausweitet – also nur wenige hundert Kilometer von Deutschland entfernt – um Investoren zu verschrecken. Und dann wird sich Wolfgang Schäuble schnell verabschieden müssen von seiner so heiligen schwarzen Null.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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