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Besser Finger weg von dieser Inflationsanleihe!

Leser Sven T. schrieb mir über die Facebook-Seite von Tom Firley und mir:

„Was halten Sie denn von einer Inflationsanleihe von Morgan Stanley, WKN: MS0KH3. Bei eventuell anstehender Inflation kann man so sein Kapital noch erhalten! Vielen Dank für Ihre Einschätzung.“

Meine Antwort:

Schönes Thema! Denn nach den jüngsten Entscheidungen von EZB, Fed und Bundesverfassungsgericht ist ein Anstieg der Inflationsraten durchaus wahrscheinlich.

Und ich halte es da nach der Devise: Das Beste hoffen, aber das Schlimmste erwarten.

Ob die genannte Anleihe also eine feine Sache ist?

Wie war das nochmal bei Radio Eriwan? Im Prinzip ja, aber…

Das passt hier. Denn „im Prinzip“ ist die genannte Inflationsanleihe klasse. Solche Inflationsanleihen funktionieren so: Der Zinssatz steigt, je höher die Inflationsrate ist. So haben Sie die Möglichkeit, Ihr Kapital REAL gesehen zu erhalten.

Hier gilt: Der Zinssatz pro Jahr entspricht dem harmonisierten Verbraucherpreisindex in der EU. Unter der Annahme, dass dieser die tatsächliche Inflation wiedergibt, könnten Sie mit dieser Anleihe so genau Ihr Kapital erhalten.

Denn wenn es 5% Inflation geben sollte, gibt es dafür eben 5% Zinsen. Gleich sich aus.

Soviel zum „Im Prinzip ja“. Jetzt aber zum aber…bzw. mehreren davon…

1. Der Kurs der Anleihe. Steht bei knapp 115. Und Laufzeit ist bis 2018. Der Mindestzins liegt bei 2,5% pro Jahr. Da sehen Sie aber direkt, was passieren würde, wenn die Inflation NICHT deutlich ansteigt: Dann reicht der Mindestzins kaum aus, um den Aufschlag wieder reinzuholen, den Sie sofort zahlen müssen. Gefällt mir ganz und gar nicht.

2. Der Emittent. Morgan Stanley gehört ganz bestimmt nicht zu meinen Favoriten. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an das Jahr 2008, als Morgan Stanley ganz dringend ganz schnell mit einer anderen Großbank fusionieren wollte. Interessanterweise gab da z.B. die Großbank Citibank Morgan Stanley einen Korb. Soooo toll kann es um die Finanzkraft von Morgan Stanley da also nicht bestellt gewesen sein.

Zudem machen immer wieder Gerüchte über eine mögliche Herabstufung des Ratings von Morgan Stanley die Runde. Das aktuelle Rating ist zwar noch recht gut, doch der Ausblick der diversen Rating-Agenturen ist „negativ“ für Morgan Stanley. Moody´s hat Morgan Stanley auf der Beobachtungsliste, für eine mögliche Herabstufung…

Vergessen Sie nicht: Mit dem Kauf einer solchen Anleihe haben Sie letztlich eine Forderung gegen Morgan Stanley erworben. Und wenn die nicht zahlen können, nützt die beste Konstruktion der Anleihe nichts. Denn sie ist und bleibt eine Inhaberschuldverschreibung.

3. Nochmal der Emittent. Morgan Stanley ist nicht gerade dafür bekannt, wie andere Emittenten fortlaufend verbindliche An- und Verkaufskurse für seine Scheine zu stellen. Und Alternativen zum Handel mit dem Emittenten gibt es bei so relativ unbekannten Scheinen selten, sprich die Umsätze an den Börsenplätzen sind gering bis nicht vorhanden.

Mein (wie immer durchaus subjektives) Fazit: Inflationsanleihen gefallen mir grundsätzlich in der derzeitigen Phase gut – doch Finger weg von dieser Inflationsanleihe von Morgan Stanley!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein angenehmes Wochenende.

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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