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Anleihen – Vorsicht vor hohen Kursen!

Von Georg Pröbstl

"Wer gut leben will kauft Aktien, wer gut schlafen will, kauft Anleihen". Das war einer der Lieblingssprüche von Börsenguru André Kostolany. Anleihen gelten tatsächlich als sicherer Hafen, bei dem sich Anleger meist nicht sonderlich viel Sorgen machen müssen. Nur: Anleihen werfen zur Zeit einen lächerlich geringen Ertrag ab.

Die Rendite der Festverzinslichen fällt seit Jahren und ist tatsächlich im Keller. So lag die Rendite von Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren vor wenigen Tagen nur noch bei 3,44 Prozent. Das war ein historisches Tief! Nach Angaben der Deutschen Bundesbank gab es vor einem Jahr für diese Anleihen immerhin noch 4,2 Prozent. Vor fünf Jahren waren es sogar 5,4 und vor zehn Jahren warfen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sogar noch unglaubliche 9,3 Prozent Zinsen im Jahr ab!

Sicher haben Sie sich schon einmal gefragt, wie das mit der Rendite von Anleihen überhaupt funktioniert. Denn eigentlich haben sie doch alle einen festen Nominalzins. Wie kann also die tägliche, monatliche oder auch jährliche Rendite so stark schwanken? Nehmen wir ein Beispiel. Die Anleihe der Deutschen Telekom (ISIN DE0002317807) stand Anfang 2003 bei etwa 92 Prozent. Inzwischen sind es rund 107.

Der Nominalzins dieser Anleihe beträgt fest vereinbart für die gesamte Laufzeit 5,25 Prozent. Das heißt: Bei einem Kurs von 100 bekommen Sie als Anleger 5,25 Euro Zinsen pro Jahr. Das entspricht bei einem Kurs von 100 einer Verzinsung von 5,25 Prozent. Steht der Kurs aber nur bei 92 wie im Jahr 2003, dann bekommen Sie trotzdem 5,25 Euro an jährlichem Zins. Die Rendite liegt dann aber bei 5,7 Prozent, da Sie ja nicht 100 bezahlen, sondern nur 92. Anders sieht es aus, wenn Sie zum aktuellen Kurs von 107 einsteigen. Sie bekommen dann zwar auch 5,25 Euro Zinsen pro Jahr. Aber da Sie 107 gezahlt haben, liegt Ihre Rendite niedriger und zwar nur noch bei 4,9 Prozent. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass die Anleihe endlos läuft.

Anleihen sind also gar nicht so langweilig. Und auch nicht unbedingt der sichere Hafen. Mit Anleihen kann es genau so gehen, wie mit Aktien. Man kann sie billig kaufen und teuer verkaufen. Wenn Sie unten einsteigen, bekommen Sie dann neben einer vergleichsweise höheren Verzinsung auch noch schöne Kursgewinne wenn die Anleihe steigt. Wie im Beispiel Telekom. Wer vor zwei Jahren eingestiegen ist, hat nicht nur die Zinsen von insgesamt über zehn Prozent verdient (2 x 5,7 Prozent), sondern auch noch ein Kursplus von etwa 16 Prozent. Nämlich genau den Anstieg von 92 auf 107.

Aber es kann auch anders herum laufen. Auch Anleihen können fallen. Wenn Sie jetzt noch einsteigen wollen, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Denn die Zinsen sind im Keller. Die Kurse sind hoch. Nehmen wir noch einmal das Beispiel Telekom. Wer 2003 zu 92 gekauft hat und die Anleihe bis zur Fälligkeit im Mai 2008 behält, bekommt nicht die aktuellen 107 bezahlt, sondern nur den vereinbarten Rückkaufwert von 100. Wer die Telekomanleihe weiter hält, oder wer jetzt erst zum Kurs von 107 einsteigt, hat dann einen Kursverlust im Jahr von rund zwei Prozent. Die tatsächlich erzielte Rendite von jetzt bis 2008 liegt dann bei unter drei Prozent im Jahr.

Sie sehen: Die Höhe der Rendite einer Anleihe hängt nicht nur vom festen Nominalzins ab, sondern auch vom Kurs. Hier gibt es einige Faktoren auf die Sie achten sollten. Dazu aber mehr in der nächsten Investoren Akademie. Für Sie ist jetzt schon wichtig:

1) Achten Sie beim Kauf von Anleihen auf die Effektivverzinsung

2) Meiden Sie Anleihen mit hohen Kursen von deutlich über 100 und langer Laufzeit. Denn steigen die Zinsen, geht automatisch der Kurs Ihrer Anleihe in den Keller. Pech für Sie, wenn Sie dann vor dem Ende der Laufzeit Geld brauchen. Dann müssen Sie nämlich die Anleihe mit Verlust, 10 und 20 Prozent kommen schnell zusammen, verkaufen.

3) Mit einer Währungsanleihe in US-Dollar können Sie zusätzlich verdienen. Steigt der Dollar, dann ist auch die US-Anleihe in Euro gerechnet mehr wert. Sie machen neben den Zinsen einen zusätzlichen Wärhungsgewinn.

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Über den Autor Investor Verlag

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