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Bloß nicht zu kurzfristig denken – Aktien als Altersvorsorge

Mit Aktien kurzfristig Gewinne zu realisieren kann riskant sein, doch für langfristige Anleger sind sie von zentraler Bedeutung in puncto Vermögensaufbau und Altersvorsorge.

Zinsen, die kaum die Inflation ausgleichen, Ernüchterung rund um den Gold-Hype und steigende Immobilienpreise; wer heutzutage privat für das Alter vorsorgen möchte, hat es nicht einfach.

Grafik: Aktien im Aufwärtstrend!

Aktien im Aufwärtstrend! –  © Lichtmeister – Shutterstock.com

Dabei bieten Aktien eineinteressante Anlageoption, um die deutsche Sparer aber seit jeher einen Bogen machen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch: Wer sein Portfolio durch Aktien ergänzt, steht im Alter besser da.

Die Deutschen: ein Volk von Aktienmuffeln

Aktien sind nur etwas für risikobereite Hallodris, der mittelständische Arbeiter setzt auf das sichere Sparbuch: Trotz sinkenden Zinsen und Lebensversicherungen, die kaum mehr etwas abwerfen, halten sich die meisten deutschen Sparer weiterhin an diese Aussage.

Grafik: Fallende Kurse & Kopf im Sand

Fallende Kurse & Kopf im Sand – © Tom Wang – Shutterstock.com

2013 gab es in Deutschland insgesamt nur 4,56 Millionen direkte Aktionäre. Das sind 7,5 Prozent Anteil an der gesamten Bevölkerung. (Quelle) Im Vergleich dazu beträgt der Anteil der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung der USA 56 Prozent. (Quelle)

Aber worin investieren die Deutschen, wenn nicht in Aktien? Vermeintlich sicher und konservativ: Rund 40 Prozent des gesamten Privatvermögens der deutschen Bürger befindet sich auf Sparbüchern (Quelle), deren Zinsen nicht mal mehr die Inflation ausgleichen.

Aktien gleich Risiko? Nein!

Finanzkrisen, reißerische mediale Berichterstattungen und generationenübergreifende Finanzstrategien, die den Sicherheits-Gospel predigen, unterstützen diedeutsche Aktienabstinenz.

Auch die Informationskosten, also der Aufwand, der betrieben werden muss, um sich Wissen über den Aktienmarkt anzueignen, halten die Deutschen von einem Aktienkauf ab.

Doch wer vorzugsweise in konservative Aktien investiert und sich etwas genauer mit dem Aktienmarkt auseinander setzt, der kann, wie es die Vergangenheit eindeutig beweist, sein Geld mit hoher Rendite anlegen.

Anlegen ist hier auch das Stichwort, denn Aktien als Teil der Altersvorsorge sind nur sinnvoll, wenn langfristig geplant wird. Einen gewissen Inflationsschutz bieten Aktien ebenfalls, denn sie sind eine Investition in Realkapital.

Dem Trend hinterherhecheln und in eine Dauerschleife von Kaufen und Verkaufen geraten, lässt das Vermögen dagegen nicht wachsen.

Konservativ ist gut

2011 veröffentlichte das Analysehaus „The Screener Investor Services“ eine Studie, in der die Performance von 15 Low-Risk-Aktien für den deutschen Markt untersucht wurden.

Das risikoarme Portfolio verzeichnete nach 10 Jahren Anlagedauerein Plus von 44 Prozent.

Grafik: Geschäftsmann hält fallenden Dominostein auf

Geschäftsmann hält fallenden Dominostein auf – © Tom Wang – Shutterstock.com

Verglichen wurde die Entwicklung auch mit einer Investition in als High-Risk eingestufte Aktien. Anleger, die auf Risiko-Aktien gesetzt haben, konnten zwar kurzfristig in den Jahren 2003 und 2009 hohe Gewinne verzeichnen, mussten über den ganzen Zeitraum von 2002 bis 2011 jedoch einen Vermögensverlust von 60 Prozent hinnehmen. (Quelle)

Diese Zahlen sind es dann auch, die Kleinanleger davon abhalten in Aktien zu investieren. Dabei lässt sich das Risiko relativ gut abwägen. Die Aktien, die langfristig stabil sind und auch Dividenden abwerfen, sind nicht die Aufregenden!

Eine Investition in Siemens-Aktien oder BMW-Aktien ist nichts für alle, die auf der Suche nach dem schnellen Gewinn sind, sondern für Anleger mit einem langen Atem. Also genau alle diejenigen, die nach langfristigen Optionen für die Altersvorsorge suchen.

Risiko einer Aktien erkennen

In die Zukunft kann natürlich keiner sehen und Risiken lassen sich nie gänzlich minimieren. Das Risiko einer Aktie lässt sich jedoch mithilfe von zwei Kriterien einschätzen, die auch die Analysten von Screener anwenden.

Zum einen lohnt ein Blick auf die Kursschwankungen. Je stärker die Schwankungen in Bezug auf den Gesamtwert, desto größer dieGefahr eines Verlusts, der sich schwer ausgleichen lässt.

Ebenfalls sollte die Wirkung von schlechten Nachrichten, auf den Aktienkurs, zum Beispiel aus der Politik, die Anlageentscheidung beeinflussen. Wenn der Aktienkurs eines Unternehmens in der Vergangenheit sehr stark auf negative Ereignisse reagiert hat, ist die Stabilität weniger gegeben.

Das Risiko mit Aktien Verluste zu machen und so die gesamte Altersvorsorge zu gefährden, wird natürlich auch durch einegeschickte Zusammenstellung des Portfolios minimiert. Neben Wertpapieren können zum Beispiel Rohstoffe und Anleihen als Investment dienen.

Grafik: Risiko-Minimierung dank geschickter Plannung

Risiko-Minimierung dank geschickter Plannung – © Sergey Nivens – Shutterstock.com

Aktienentwicklungen in der Übersicht: 1994 bis 2014

Aktien als Altersvorsorge sind nicht nur eine Strategie, die in der Theorie ganz gut klingt: Der Vorteil einer langfristigen Anlage in konservative Aktien wird auch durch einen Blick in die Vergangenheit gestützt.

Die Übersicht über die Kursentwicklung der als konservativ eingestuften Aktien von BMW, Siemens, Bayer, Lufthansa und Linde der letzten 20 Jahre zeigt, dass ein langer Atem wichtig ist.

Grafik: Langfristige Trendentwicklung

Langfristige Trendentwicklung – © corgarashu – Shutterstock.com

Kurseinbrüche können kaum verhindert werden, ändern aber wenig daran, dass der Aktiengewinn langfristig steigt.

(Börse Xetra, Kurs in Euro, Berechnung via Quelle ohne Berücksichtigung von jährlichen Dividenden, Gebühren oder Steuersatz)

Siemens Aktie

August 1994: Kurs bei 23,218

August 2014: Kurs bei 90,390

1994 wurden 100 Siemens-Aktien gekauft und 2014 wieder verkauft. Der Kaufpreis lag bei 2.321,80 Euro, der Verkaufspreis bei 9.039,00 Euro und der Kursgewinn bei 6.717,20 Euro, was einer Rendite von 7,03 Prozent entspricht.

Kurs August 1994Kurs August 2014KaufpreisVerkaufspreisKursgewinnRendite
23,21890,3902.321,809.039,006.717,207,03%

BMW Aktie

August 1994: Kurs bei 16,391

August 2014: Kurs bei 88,190

Wurden 1994 100 BMW-Aktien gekauft und nach 20 Jahren wieder verkauft lag der Kaufpreis bei 1.639,10 Euro und der Verkaufspreis bei 8.819,00 Euro. Der Kursgewinn beträgt demnach 7.179,90 Euro, die Rendite 8,78 Prozent.

Kurs August 1994 Kurs August 2014KaufpreisVerkaufspreisKursgewinn Rendite
16,39188,1901.639,108.819,007.179,908,78 %

Linde Aktie

August 1994: Kurs bei 48,419

August 2014: Kurs bei 147,600

Wurden 1994 100 Linde-Aktien zu einem gesamten Kaufpreis von 4.841,90 Euro gekauft und nach 20 Jahren im August 2014 für 14.760,00 Euro verkauft, ergibt es einen Kursgewinn von 9.918,10 Euro. Die Rendite beträgt 5,73 Prozent.

Kurs August 1994

Kurs August 2014KaufpreisVerkaufspreisKursgewinnRendite
48,419147,6004.841,9014.760,009.918,105,73 %

Lufthansa Aktie

August 1994: Kurs bei 8,713

August 2014: Kurs bei 12,700

Die Lufthansa-Aktie wurde in der Studie der Firma „The Screener Investor Services“ als Low-Risk-Aktie eingestuft.

Zwar weist die Entwicklung der Aktie starke Kursschwankungen auf, was keinen großen Gewinn vermuten lässt, dennoch kann mit einer langfristigen Anlage auch bei stärkeren Schwankungen noch eine positive Bilanz gezogen werden.

Wurden 1994 100 Lufthansa-Aktien zu einem Preis von 871,30 Euro gekauft und aktuell im August 2014 zu einem Preis von 1.270,00 Euro verkauft, beträgt der Kursgewinn 398,70 Euro und die Rendite 1,90 Prozent. Nicht viel, aber im Vergleich zu den Zinserträgen anderer Sparanlagen auch nicht dramatisch schlecht.

Kurs August 1994Kurs August 2014KaufpreisVerkaufspreisKursgewinnRendite
8,71312,700871,301.270,00398,701,90 %

Bayer Aktie

August 1994: Kurs bei 19,378

August 2014: Kurs bei 95,990

1994 konnten 100 Bayer-Aktien zu einem Preis von 1.937,80 Euro erworben werden. 2014 steht der Wert der Aktien bei 9.599,00 Euro, was einem Kursgewinn von 7.661,20 Euro und einer Rendite von 8,33 Prozent entspricht.

Kurs August 1994Kurs August 2014KaufpreisVerkaufspreisKursgewinnRendite
19,37895,9901.937,809.599,007.661,208,33 %

Lange halten ist die richtige Strategie

Vermögensverwalter des VZ Vermögenszentrums haben den Zeitraum seit 1970 als Beispiel genommen und analysiert, welche Gewinne ein Anleger erzielt hat, der einmalig für 15 Jahre in den Dax investiert hat.

Trotz Dotcom- oder Lehmann-Krise konnte der Dax im Zeitraum von 15 Jahren einen durchschnittlichen Gewinn von 8,7 Prozent pro Jahr erzielen.

Grafik: Hände heben den Trend

Hände heben den Trend – © EtiAmmos – Shutterstock.com

Wer dagegen nur drei Jahre in den DAX investiert hatte, machte in einem Drittel des Zeitraums Verluste. Das Fazit: Je länger die Anlagedauer, desto geringer das Verlustrisiko. (Quelle)

Aktienquote und Alter

Wer Aktien für die Altersvorsorge anlegen möchte, muss auch einen Blick auf die Aktienquote in Verbindung mit dem Alter werfen.

In jungen Jahren kann die Aktienquote im Depot sogar zwischen 80 und 100 Prozent liegen, da der Rentenbeginn noch in langer Ferne liegt und so langfristig geplant werden kann.

Im mittleren Alter wird die Aktienquote auf 50 Prozent reduziert und verstärkt in andere sichere Anlagen investiert.

Mit Beginn der Rente müssen jedoch nicht alle Aktien schnell verkauft werden, was viele fürchten und hier auch den Grund für Verluste sehen. Denn die Aktien im Depot sind eine zusätzliche Altersvorsorge zur staatlichen Rente und sollten nie als alleinige finanzielle Absicherung im Alter gesehen werden.

Selbst bis ins fortgeschrittene Alter können so30 Prozent der Aktien behalten werden, um ein finanziellen Puffer zu bilden und den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf abzuwarten. (Quelle)

Aktien sind auch etwas für Kleinanleger

In Aktien anlegen: Das können nur die Reichen. Dieses Vorurteil hat in der Vergangenheit mit dazu beigetragen, dass die Deutschen den Aktienmarkt meiden. Doch auch wer wenig Kapital zum Anlegen zur Verfügung hat, kann in Aktien investieren.

Denn es muss nicht ein großer Geldbetrag auf einen Schlag angelegt werden, es können auch regelmäßig Aktien gekauft werden. Bei einer gleichbleibenden Summe, die beispielsweise über einen bestimmten Zeitraum einmal pro Monat investiert wird, werden bei hohen Kursen weniger Aktien erworben und bei niedrigen Kursen mehr.

Grafik: Kleine Investitionsumme wächst mit der Zeit

Kleine Investitionsumme wächst mit der Zeit – © hin255 – Shutterstock.com

Hier setzt der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) ein, durch den der richtige Einstiegszeitpunkt auf einen größeren Zeitraum ausgeweitet wird und dadurch Fehler im Timing minimiert werden. (Quelle)

Für Kleinanleger lohnt sich auch die Investition in ETFs, bei denen das Risiko weiter gestreut wird.

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Über den Autor Investor Verlag

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