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Rolf Dobelli: Vergessen Sie die Nachrichten

Heute schreibe ich über „die Nachrichten“. Und zwar darüber, wie das Konsumieren von Nachrichten Ihr Gehirn in Weichkäse verwandeln kann und Sie zu einem lausigen Denker und Investor machen kann.

Ich denke, diese Botschaft ist wichtig – und potenziell lebensverändernd. Klingt das so, als ob ich übertreibe? Bleiben Sie dran und lesen Sie weiter. Sie werden mir sagen, was Sie denken, nachdem Sie meinen Beitrag gelesen haben.

Der Impetus für diesen Beitrag ist ein Essay von Rolf Dobelli, ein Schweizer Unternehmer, Titel: „Avoid News“. Dobellis These ist, dass die Nachrichten uns ablenken, Zeit verschwenden, tieferes Denken verhindern, uns unruhig machen und Gift für unsere geistige Gesundheit sind. Seine Analogie lautet: „Nachrichten sind für das Gehirn was Zucker für den Körper ist.“

Ich habe diesen Essay auch meiner Frau Carol gegeben, nachdem ich ihn gelesen hatte. Der machte Eindruck. Carol schlug mir vor, ihr elektronisches Abonnement der New York Times zu beenden, wenn ich meine Print-Abonnements des Wall Street Journal und der Financial Times abbestellen würde. (Wir haben bereits die Washington Post aufgegeben. Ich war es leid, einen Teil der Gehälter von Steven Pearlstein und Ezra Klein zu zahlen, denn das müssen die schlechtesten Finanzjournalisten in den USA sein, welche Gehalt beziehen.) Und keiner von uns sieht sich die Fernsehnachrichten an.

Ich dachte über dieses Angebot nach. Ich liebe es, jeden Morgen beim Frühstück die Zeitungen zu lesen. Ich reichte den Essay auch an einen Bekannten von mir weiter, dessen Aufgabe es ist, institutionelle Kunden dabei zu beraten, wo sie ihr Geld hintun. Dobelli hatte auch ihn überzeugt, und am nächsten Tag teilte er mir mit, dass er sein Wall Street Journal und die Financial Times ungelesen zurückgelassen hatte.

Was sagt Dobelli? Lassen Sie mich einige wichtige Punkte betonen

Dobellis Analogie mit Nahrungsmitteln ist gut. Wir wissen, dass wir dick werden, wenn wir zuviel Junk Food essen, und das kann alle Arten von Gesundheitsproblemen mit sich bringen. Dobelli argumentiert, dass das Gehirn ähnlich arbeite. Nachrichten sind bunt gefärbte Süßigkeiten fürs Gehirn.

Nachrichten sind systematisch irreführend, indem sie von den offensichtlichen Dingen berichten und die subtilen und tiefer gehenden Geschichten ignorieren. Nachrichten sollen unsere Aufmerksamkeit fesseln, nicht die Welt erklären. Und deshalb geben sie uns einen falschen Eindruck davon, wie die Welt funktioniert, indem die wahren Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen maskiert werden.

Nachrichten sind größtenteils irrelevant. Dobelli sagt, man solle mal über die ungefähr 10.000 Nachrichtenbeiträge nachdenken, welche man im letzten Jahr gesehen oder gelesen hat. Wie viele davon halfen Ihnen, eine bessere Entscheidung zu treffen in Bezug auf einen Bereich, der Ihr Leben betraf? Und dieses Argument überzeugte mich.

Letztes Jahr schrieb ich 58 Emails an meine Abonnenten. Ich schaute zurück und zählte nur fünf von denen, in denen ich mich auf eine damalige Schlagzeile bezog. Selbst damals nutzte ich die Nachrichten eher, um darzustellen, dass das, was ich sagte, relevant und zeitbezogen zu sein schien. Aber ich hätte die Nachrichten weglassen können und nichts wäre verloren gewesen.

Wirklich wichtige Nachrichten bekommt man auch ohne Print und TV mit

Wir werden von Nachrichten überschwemmt, aber es ist schwierig, herauszufiltern, was wirklich relevant ist – was mich zu einem weiteren Punkt bringt. Dobelli spricht auch über das Gefühl, dass „etwas fehlt“. Wenn ich reise, dann habe ich manchmal dieses Gefühl. Aber er sagt: Wenn etwas wirklich Wichtiges passieren würde, dann würde man es schon von Freunden, Nachbarn, Familie oder Mitarbeitern hören. Die sind sozusagen auch ein Filter. Sie werden einem nichts über die neuesten Gerüchte über Charlie Sheen erzählen, weil sie wissen, dass Sie das nicht interessiert.

Nachrichten sind nicht wichtig, aber die Verbindungen zwischen Geschichten, welche uns Verständnis geben, sind es durchaus. Dobelli ist der Ansicht, dass „das Lesen von Nachrichten, um die Welt zu verstehen, schlimmer ist, als überhaupt nichts zu lesen.“

Ich denke an den Märkten gilt das. Die Mainstream-Presse hat wenig Verständnis dafür, wie die Märkte funktionieren. Sie berichtet fortlaufend über Trivialitäten und erstellt Zusammenhänge, wo gar keine existieren, um an eine „story“ zu kommen, oder einfach nur um etwas zu haben, das „Sinn macht“.

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Über den Autor Investor Verlag

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