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Was haben die Vorgänge in Saudi-Arabien mit dem Lehman-Konkurs gemeinsam?

Wenn ein entscheidender Einschnitt vorgenommen wird und es gibt keine Nachrichten über die weitere Entwicklung, macht mich das stutzig.

Vor knapp zwei Wochen wurden in Saudi-Arabien wichtige und reiche Männer inhaftiert. Zwar werden die Herren luxuriös untergebracht, doch wird dies Folgen haben.  An sollte nicht vergessen, welcher Kultur die Saudis entspringen und welche Bräuche und Riten hier aus der Vergangenheit tradiert sind und heute noch wirken. Begriffe wie Blutrache sind nicht ausgelöscht aus dem Denken und wer meine Familie angreift ist ein Feind, dem man gnadenlos begegnet.

Ich denke, dass die Familien der Inhaftierten unter Schock stehen und wohl auch Stress ausgesetzt s

ind, wie nun der Thronprinz weiter verfahren wird. Ich erwarte aber ohne jeden Zweifel Reaktionen. Wann die genau ausbrechen werden, ist nicht abzuschätzen. Dass sie vollends ausbleiben werden schließe ich heute aus.

Neben den betroffenen Familien ist auch die saudi-arabische Geistlichkeit unter Druck. Die angekündigten Reformen stellen vieles auf den Kopf, wofür die wahabitische Ausprägung des sunnitischen Glaubens steht und die Religionspolizei in den letzten Jahrzehnten rigoros eingeschritten ist. Auch aus dieser „Ecke“ ist Widerstand zu erwarten.

Die „absolute Ruhe“ in Saudi-Arabien ist auffällig

Ich werde stutzig, wenn eine Revolution auf gesellschaftlicher und sakraler Ebene eingeleitet wird und dann auch noch quasi über Nacht umgesetzt wird und keinerlei Reaktion zu hören ist. Dies weist zum einen auf rigorose Härte hin, mit der die Maßnahmen gesetzt werden, zum anderen auch darauf, dass dies sehr überraschend umgesetzt wurde.

Es ist aber davon auszugehen, dass im Falle einer Revolution auch Verlierer entstehen, die sich zu Wort melden. Dies unterblieb bisher. Je länger es ruhig bleibt, desto radikaler könnte die Reaktion ausfallen. Ich fühle mich aktuell ein wenig an die ersten Tage nach der Lehman Pleite in 2008 zurückerinnert. Es war eine Revolution für den Markt, dass eine der mächtigsten Wallstreet Banken fallen gelassen und in den Konkurs geschickt wurde. Es dauerte am Finanzmarkt fast 5 Tage bis die Börsen und Devisenkurse in Bewegung gerieten, die dafür dann umso intensiver ausfiel.

Finanzmärkte sind frei, was Saudi-Arabien als „Diktatur“ nicht ist. Finanzmärkte können schneller reagieren, als dies Teile einer Gesellschaft können, die unter Druck gesetzt werden, denen es aber „ans Eingemachte“ geht. Sie wissen, ich beschäftige mich im Kern mit der Reaktion von Menschen auf starke Reize. Der Entzug von Reichtum und Macht ist so ziemlich die stärkste Triebfeder für radikale Reaktionen. Diese Reaktionen zu erwarten halte ich daher für einen rationalen Akt.

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Über den Autor
Gerhard Massenbauer

Gerhard Massenbauer ist Wiener Vermögensverwalter und auf diesem Terrain schon seit mehreren Jahren erfolgreich unterwegs.

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