MenüMenü

Warum ich jetzt keine US-Aktien kaufe

Wenn du weißt, dass etwas zu teuer ist, dann kauf es nicht. Das habe ich von meiner Oma gelernt. Deshalb kaufe ich aktuell keine US-Aktien (auch wenn der Aufwärtstrend noch längst nicht gebrochen sein mag).

Meine Oma war eine Schnäppchenjägerin. Natürlich gehörte sie einer Generation an, die im Mangel aufgewachsen ist. Kindheit im Krieg, Jugend in der Nachkriegszeit, ein Flüchtlingsmädchen aus Westpreußen. Sie brachte mir bei, dass alles einen Wert haben kann, den man nur richtig einschätzen muss. Und genau das ist der springende Punkt: Ein Unternehmen wird nicht automatisch wertvoller, nur weil gerade eine Aktienmarktblase glänzt und schillert.

Aktien sind zu teuer

Wir haben uns letzte Woche schon damit beschäftigt, dass die Nullzinsen aktuell die Realität an den Aktienmärkten verzerren. Globale Nullzinsen, gekoppelt mit einer übermäßigen Liquiditätsschwemme sind die Ursache dafür, dass Aktien teuer sind und trotzdem noch teurer werden, obwohl jeder davon weiß.

S&P 500: KGV bei 25,52

1RSD19.10.17

Quelle: mutpl.com

Mit einem KGV von 25,52 sind US-Aktien in keiner Weise günstig zu nennen. Und im Vergleich zum Durchschnitts-KGV bei 14,6 sind US-Aktien sogar sehr teuer.

Shiller-KGV zeigt wie stark US-Aktien tatsächlich überbewertet sind

Noch deutlicher wird das bei Betrachtung des sogenannten Shiller-KGV, auch zyklisch adjustiertes KGV genannt. Zur Berechnung zieht der Ökonom Robert Shiller (deshalb Shiller-KGV genannt) die inflationsbereinigten, mittleren Unternehmensgewinne, der letzten 10 Jahre für die im Index vertretenen Unternehmen heran.

Das ergibt insgesamt ein Bild, das deutlich realistischer ist, was die Bewertung der Unternehmen angeht und geht damit über das vergleichsweise rudimentär wirkende einfache KGV weit hinaus.

Die Berechnung geht übrigens auf Benjamin Graham zurück, einen der größten Wirtschaftswissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts und Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse.

Aktuell liegt das Shiller-KGV bei 31,23. Einen ähnlich hohen oder noch höheren Wert gab es seit 1880 lediglich 3 Mal:

  • Ende der 1920er Jahre, also zum Ende der ausgelassenen 20er Jahre und vor Beginn der Großen Depression.
  • Im Jahr 2000 zum Höhepunkt der New Economy Blase und damit zum Beginn des aktuellen Notenbankzyklus, der getrieben wird von einem Wechsel aus Anfeuern durch Liquidität und Korrekturen bei Liquiditätsrückgang.
  • Und 2007/2008, vor Beginn der letzten großen Finanzkrise, die den Beginn unseres aktuellen Notenbankzyklus-Abschnitts einläutete.

Shiller-KGV bei 31,23 zeigt die wahre Gefahr bei Aktien auf

2RSD19.10.17

Quelle: mutpl.com

Sie sehen, so hoch war das Shiller-KGV bislang nur in Phasen vor großen Krisen.

DAS hält mich davon ab, jetzt auf US-Aktien zu setzen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Aktuelle Marktlage erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.