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So setzt die EZB Geldentwertung und Umverteilung fort

Die Wirtschaft in der Eurozone brummt und die Inflation liegt bei mittlerweile knapp zwei Prozent. Doch die Währungshüter der Europäischen Zentralbank halten trotz aller Kritik weiterhin stur an ihrer Geldpolitik fest. Der Leitzins in der Eurozone bleibt bis auf Weiteres im Keller.

Die Gelddruckmaschine läuft bis mindestens September weiter. Und die EZB kauft weiterhin alles, was nur ansatzweise aussieht wie Anleihen. So das Ergebnis der EZB-Sitzung in dieser Woche. Für alle Sparer ist das ein erneuter Schlag ins Gesicht. Sie leiden seit Jahren unter der fatalen Geldpolitik der EZB. Denn eigentlich müssten die Zinsen im Euroraum deutlich höher sein.

EZB-Chef ist mehr als umstritten

Seit fast sechs Jahren ist der Italiener Mario Draghi Chef der Europäischen Zentralbank. Noch bis Ende 2019 läuft seine Amtszeit. Nicht wenige werden sich diesen Tag im Kalender rot angestrichen haben. Denn Draghi ist umstritten. Er hat die Geldschleusen bis zum Anschlag geöffnet.

Und findet den Aus-Knopf nicht. Damit gehört Draghi zu den sogenannten Tauben. Sie warten ab, nehmen nur ganz langsam und in Trippelschritten einen Richtungswechsel vor. Demgegenüber stehen die sogenannten Falken. Sie stehen für eine härtere Gangart. Reagieren schneller, drehen öfter an der Zinsschraube. Viele Draghi-Kritiker wünschen sich seit Langem einen Falken an der Spitze der EZB.

Stimmung im EZB-Rat kippt

Der Rat der EZB, der über die Zinsen entscheidet, besteht aus 25 Mitgliedern. Dazu gehören neben den Mitgliedern des Direktoriums zusätzlich alle Präsidenten der 19 nationalen Zentralbanken. Der Rat trifft mit einfacher Mehrheit die meisten Entscheidungen. Legt die Richtlinien der Geldpolitik und die Leitzinsen fest.

In den letzten Jahren hatten eindeutig die Tauben die Oberhand. Also Draghi und Kollegen. Die Frage ist nur wie lange noch. Denn die Stimmung ist mittlerweile gekippt. Die Falken werden stärker, sind aber noch nicht stark genug. Ihnen spielen aber zunehmend die ökonomische Lage zahlreicher EU-Länder und die Inflation in die Karten.

Zinsen müssten deutlich höher sein

Ein weiteres Argument für deutlich höhere Zinsen liefert eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Das Modell berechnet, wo der faire Zins bei den vorhandenen ökonomischen Rahmenbedingungen sein müsste. Nach der „Taylor-Regel“ müsste demnach der faire Zins für den gesamten Euro-Raum bei zwei Prozent liegen.

Damit würde die EZB-Politik der tatsächlichen Entwicklung um mehr als einem Jahr hinterherhinken. Bezogen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland müssten die Zinsen hierzulande sogar bei 3,9 Prozent liegen. Allerdings gibt es der Studie zufolge auch Länder, in denen der aktuelle Zins mehr oder weniger angemessen ist. Beispielsweise in Spanien, wo die Wirtschaft erst am Anfang des Aufschwungs steht.

Mögliche Nachfolger von Mario Draghi stehen schon in den Startlöchern. Bundesbankpräsident Weidmann gilt als einer der Favoriten. Er gehört zu den Falken. Sicherlich wäre er eine gute Wahl. Weidmann kritisiert seit Langem die ultralockere Geldpolitik der EZB und deren Folgen. Bis dahin wird allerdings noch eine ganze Zeit vergehen. Die Leidenszeit der Sparer setzt sich damit fort. Und das Vermögen wird immer kleiner.

Geldentwertung geht vorerst weiter

Insgesamt verwahren private Haushalte in Deutschland rund 40 Prozent ihrer Gelder auf Tagesgeld- oder anderen Sparkonten. Immerhin mehr als eine Billion Euro. Dort gibt es derzeit eine durchschnittliche Verzinsung von 0,16 Prozent. Legt man sein Geld für zwei Jahre an, sind es mickrige 0,36 Prozent.

Weil gleichzeitig die Preise steigen, haben Sparer im vergangenen Jahr 38 Milliarden Euro verloren, so die DZ Bank. Ein Ende der Geldvernichtung und Umverteilung ist derzeit nicht in Sicht. Davor warnt selbst Goldman Sachs. Bleibt nur zu hoffen, dass die Falken die Tauben doch schneller in die Flucht schlagen. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

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Über den Autor
Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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