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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 30.10.-06.11.2017: Ölmarkt im Optimismus gefangen

Aufwärts geht es weiter mit den Ölpreisen. Brent erreichte dabei am Freitag das höchste Preisniveau seit mehr als 2 Jahren und WTI kletterte auf den höchsten Stand seit Januar 2017.

Unterstützung erhalten die Ölpreise weiterhin vehement durch die Ölproduzierenden Staaten die nicht müde werden ihren Willen zur Verlängerung des Abkommens über die Produktionskürzungen zu bekräftigen. Dies tat der saudi-arabische Kronprinz bin Salman am vorvergangenen Wochenende mit großem Erfolg und zum Ende der vergangenen Woche taten es ihm auch der russische Energieminister Nowak und sein irakischer Kollege al-Luaibi nach.

Auch die Erhöhung der offiziellen Verkaufspreise durch Saudi-Aramco für Dezember, trägt zur optimistischen Stimmung am Ölmarkt bei. Asiatische Kunden zahlen damit nun den höchsten Aufschlag für Arab Light gegenüber der Benchmark Platts Oman/Dubai seit September 2014, als der Preiskampf begonnen hatte.

Weitere Preisunterstützung bieten auch die jüngsten US-Lagerbestandsdaten. Wie das US-Energieministerium berichtet sind die US-Rohölbestände in der vorvergangenen Woche um 2,4 Millionen Barrel und die Benzinbestände um 4,0 Millionen Barrel gesunken.

Ebenfalls preisunterstützend ist, dass die OPEC-Ölproduktion im Oktober laut einer Reuters-Umfrage um 80.000 Barrel pro Tag gesunken und die Umsetzung der Produktionskürzungen auf 92% gestiegen ist.  Hauptverantwortlich hierfür ist der Irak, der wegen des Kurdenkonflikts und der damit einhergehenden Lieferunterbrechungen einen Produktionsrückgang um 120.000 Barrel pro Tag vermelden musste.

Dies dürfte aber kaum von Dauer sein. Denn wie der irakische Ölminister bekannt gab, sind die Exportkapazitäten aus dem Süden des Landes dank der Inbetriebnahme eines neuen Terminals um 900.000 Barrel auf 4,6 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Damit könnte theoretisch der Ausfall sämtlicher Öllieferungen im Norden kompensiert werden.

Brent zur Lieferung im Januar handelt aktuell bei 62,09 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 55,89 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Optimismus am Ölmarkt ist groß. Wie nachhaltig das ist bleibt aber weiterhin abzuwarten, denn bei steigenden Ölpreisen ist mit einer steigenden US-Ölproduktion zu rechnen. Fraglich bleibt ob diese dann auch bei der offenkundig hohen Nachfrage absorbiert werden kann.  Was die USA angeht muss bedacht werden, dass der Rückgang der Rohölbestände ausschließlich an der US-Golfküste (PADD3) erfolgte, die über Pipelines und Ölhäfen an den Weltmarkt angebunden ist.

Der Lagerabbau an der Golfküste ist vor allem auf niedrigere Importe und gestiegene Exporte auf ein neues Rekordniveau bei 2,1 Millionen Barrel pro Tag zurückzuführen. An anderen Orten kam es dagegen zu einem Lageraufbau. Damit zeigt sich, dass sich der US-Markt keinesfalls einengt. Zudem steigt die US-Rohölproduktion weiter an. So wurden inzwischen sämtliche Verluste nach den Hurrikans wieder wett gemacht und die Produktion liegt nur noch knapp unter dem Ende September verzeichneten 2-Jahreshoch von 9,56 Millionen Barrel pro Tag.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis handelte volatil in der vergangenen Woche, stieg zunächst deutlich an, um dann zum Ende der Woche allerdings die kompletten Wochengewinne wieder abzugeben.

Unterstützend wirkten neben dem generell unsicheren Umfeld auch bekannt gewordene Details zu den Steuerplänen der Republikaner in den USA. Diese lassen einen deutlich stärkeren Anstieg der Staatsschulden vermuten als die vom Kongress „genehmigten“ 1,5 Billionen US-Dollar über die kommenden 10 Jahre.

Entsprechend ist es nur wenig vorstellbar, dass die Steuerreformpläne in der gegenwärtigen Form den US-Kongress passieren werden. Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit dass US-Präsident Trumps Steuerreform noch in diesem Jahr beschlossen werden könnte. Dies wiederum drückt die Aussicht auf einen zeitnahen fiskalischen Impuls für die US-Wirtschaft und die Inflation und mach damit auch stärkere Zinserhöhung der Fed eher unrealistisch.

Die Wahl von Jerome Powell als Nachfolger von Janet Yellen für den Fed-Vorsitz hatte dagegen kaum Auswirkungen auf den Markt, da dieses Ergebnis weitgehend erwartet worden war und Powell weitgehend die Politik Yellens fortsetzen dürfte.

Zum Ende der Woche setzte dann allerdings ein Anstieg der neu geschaffenen Stellen im US-Arbeitsmarktbericht den Goldpreis wieder leicht unter Druck.

Gold handelt aktuell bei 1.269,40 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Preisrückgang aufgrund der US-Arbeitsmarktdaten dürfte nur kurzfristiger Natur und Gewinnmitnahmen geschuldet sein, da zum einen der Arbeitsmarktbericht trotz des Anstiegs schwächer ausfiel als erwartet und zum anderen sowieso aufgrund der Erholung nach der Hurrikan-Saison nach oben verzerrt ist. Stärker dürfte da der Anstieg der chinesischen Goldnachfrage wiegen. Wie die China Gold Association berichtete, stieg die Goldnachfrage in China in den ersten neun Monaten des Jahres um 15,5% gegenüber dem Vorjahr auf 816 Tonnen.

Industriemetalle: Zink

Der Zinkpreis gab in der vergangenen Woche ab. Preisdrückende News gab es allerdings nicht, auch die jüngsten Konjunkturdaten aus China stützten eigentlich die Stimmung mit einem hohen Einkaufsmanagerindex.

Für den Zinkmarkt gelten vor allem aber auch preisunterstützende Fundamentaldaten. Zwar hat sich die Angebotsseite nach einem massiven Einbruch der Minenproduktion in 2016 inzwischen wieder etwas berappelt. Doch dürfte die Raffinerieproduktion in diesem Jahr vor allem wegen Unterbrechungen in Kanada erneut um 1,4% gegenüber dem Vorjahr sinken.

Gleichzeitig dürfte die Nachfrage laut International Zinc and Lead Study Group (IZLSG) in diesem Jahr um 0,7% auf fast 14 Millionen Tonnen steigen. Für das kommende Jahr erwartet die IZLSG sogar einen erneuten Anstieg um weitere 2,5% auf 14,28 Millionen Tonnen. Damit droht dem Zinkmarkt nach einem Angebotsdefizit von rund 400.000 Tonnen in 2017 ein weiteres Defizit von 220.000 Tonnen im Jahr 2018.

Preisunterstützend für Zink sind auch Chinas deutlich gestiegene Importe. Im dritten Quartal lagen sie mit gut 70.000 Tonnen pro Monat mehr als dreimal so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Zink handelt aktuell bei 1,48 US-Dollar pro Pfund.

Zinkpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Zink dürfte langfristig gut unterstützt bleiben.

Agrarrohstoffe: Kakao

Der Kakaopreis entwickelte sich in der vergangenen Woche volatil und Tendenz nach unten. Noch immer wiegt die rekordhohe Produktion im Erntejahr 2016/17 von 2 Millionen Tonnen und der rekordhohe Angebotsüberschuss von 371.000 Tonnen schwer auf den Preisen.

Die niedrigen Preise allerdings haben nun dazu geführt, dass den Kakaobauern m wichtigsten Anbauland Elfenbeinküste großflächig die finanziellen Mittel fehlen zum Erwerb von Düngemitteln und Pestiziden.

Nun mehren sich Meldungen über einen massiven Schädlingsbefall nach übermäßigen Regenfällen im Oktober, welcher zu großen Verlusten an Kakaoschoten geführt hat.

Entsprechend gehen die Exporteure der Elfenbeinküste nun davon aus, dass die Exporte im  ersten Quartal 2018 nur noch etwa 50% so hoch ausfallen dürften wie im Vorjahreszeitraum. Sechs von Reuters befragte Exporteure rechnen für das erste Quartal 2018 mit Kakaoanlieferungen in die beiden Häfen Abidjan und San Pedro von lediglich 300.000-350.000 Tonnen. In diesem Jahr lagen die entsprechenden Lieferungen noch bei 570.000 Tonnen.

Kakao zur Lieferung im März handelt aktuell bei 2.047 US-Dollar pro Tonne an der ICE.

Kakaopreis in USD/Tonne in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der Aussichten besteht Potenzial für eine stärkere Erholung der Kakaopreise.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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