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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 29.01.-05.02.2018: Öl und Metalle im Zeichen des Dollars

Die Ölpreise handelten in der vergangenen Woche volatil, im Wochenvergleich insgesamt aber schwächer.

Unterstützung erhalten die Ölpreise fast ausschließlich aufgrund eines schwächeren Dollars und angesichts des generell hohen Risikoappetits der Anleger an den Märkten.

Doch die Ölpreise werden auch immer wieder an die fundamentale Realität erinnert. Und diese ist unter anderem ein deutlicher Anstieg der Bohraktivität in den USA. Wie Baker Hughes berichtete stieg die Zahl der aktiven Ölbohrungen in der vorletzten Woche um 12, was dem stärksten Wochenanstieg seit 10 Monaten entsprach. Die Bohraktivität erreichte mit 759 Ölbohrungen das höchste Niveau seit Anfang September.

Zudem hat die US-Rohölproduktion gemäß den neuesten Schätzungen der US-Energiebehörde (EIA) bereits im November die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag überschritten. Die Produktionsmenge stieg demzufolge gegenüber Oktober um beachtliche 384.000 auf 10,038 Millionen Barrel pro Tag und liegt damit nur noch knapp unter dem Rekordniveau von November 1970. Bislang war die EIA für November von einer Produktion in Höhe von 9,87 Millionen Barrel pro Tag ausgegangen. Die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag hätte erst im Februar übertroffen werden sollen. Die EIA dürfte somit im nächsten Monatsbericht ihre Prognose für die US-Rohölproduktion in 2018 und 2019 nochmals deutlich nach oben revidieren.

Dies dürfte aber auch zu einem Problem für die OPEC werden, die zwar derzeit die selbst auferlegten Produktionskürzungen zu 138%, also übererfüllt. Allerdings ist dies hauptsächlich auf die unfreiwilligen Ausfälle in Venezuela zurückzuführen. Sollte die US-Produktion wie erwartet deutlich schneller steigen, dann müsste die OPEC aktiver werden und die Mitglieder die Produktion gezielt weiter kürzen. Das bedeutet aber Marktanteile zugunsten der US-Produzenten abzugeben.

WTI zur Lieferung im April handelt aktuell bei 64,74 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent zur Lieferung im April notiert zurzeit bei 68,23 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Die Ölpreise haben Korrekturpotenzial aufgebaut. Preisbelastende News könnten für einen zwischenzeitlichen deutlichen Rücksetzer sorgen, da die Preise derzeit vor allem durch Optimismus, einen schwachen Dollar und die Risikobereitschaft der Spekulanten getragen werden.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis hat letzte Woche im Zuge von Gewinnmitnahmen etwas abgegeben. Unterstützung erhält der Goldpreis generell aufgrund eines schwachen US-Dollars.

Zudem gibt es auch fundamental unterstützende News. So hat China im letzten Jahr wieder deutlich mehr Gold nachgefragt. Laut Angaben des Verbands der chinesischen Goldproduzenten (CGA) ist die Goldnachfrage im letzten Jahr um 9,4% auf 1.089 Tonnen gestiegen. Vor allem die Schmuck- und Barrennachfrage zeigten sich überaus stark (+10,4% bzw. +7,3%).

Dagegen ist die chinesische Goldproduktion im letzten Jahr um 6% auf 426 Tonnen gefallen. Dies ist der CGA zufolge auf Minenschließungen und den Entzug von Abbaurechten zurückzuführen.

Gold handelt aktuell bei 1.331,90 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte weiterhin gute Unterstützung erhalten.

Industriemetalle: Kupfer

Die Industriemetallpreise hielten sich in der vergangenen Woche übergeordnet stabil. Kupfer gab im Wochenvergleich allerdings ab. Unterstützung erhalten die Metallpreise durch einen schwachen Dollar und die generell risikofreundliche Stimmung.

Die momentan wohl kaum umsetzbaren Infrastrukturpläne Donald Trumps und der leichte Rückgang des chinesischen PMI im Januar hatten dagegen kaum Auswirkung auf die Preise.

Im Falle von Kupfer wirken die aktuellen Daten aus Chile belastend. Dem nationalen Statistikinstituts INE zufolge ist die chilenische Kupferproduktion im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 5,6% auf knapp 537.000 Tonnen gestiegen. Dies war die zweithöchste Monatsproduktion aller Zeiten. Grund dafür ist eine höhere Produktion bei verschiedenen großen Produzenten sowie ein höherer Metallgehalt in den Erzen. Im Gesamtjahr 2017 hat Chile 5,58 Millionen Tonnen Kupfer produziert, deutlich mehr als noch im Oktober von der chilenischen Kupferkommission erwartet. Die streikbedingten Ausfälle im Frühjahr 2017 von geschätzt rund 200.000 Tonnen wurden damit fast vollständig wieder ersetzt.

Kupfer handelt aktuell bei 3,17 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der Produktionsfortschritte in Chile müsste das Land in diesem Jahr mehr Kupfer produzieren. Es bleibt aber fraglich, ob dies der Fall sein wird. Denn auch in diesem Jahr stehen harsche Tarifverhandlungen an und das Streikrisiko ist hoch. Sollte es nicht zu einer deutlichen Erholung der chilenischen Kupferproduktion kommen, dann kann auch in diesem Jahr das Angebotsdefizit nicht verringert werden. Entsprechend dürfte das Preisniveau hoch bleiben.

Agrarrohstoffe: Zucker

Die Zuckerpreise standen auch in der vergangenen Woche weiter unter Druck. Grund dafür war die neueste Prognose der Rabobank die eine steigende Zuckerrübenernte in Europa und ebenfalls gute Ernteaussichten für Asien erwartet.

Vor allem in Südost-Asien soll das Wetterphänomen La Nina mehr Regen bringen, was sich unterstützend auf die Pflanzungsphase auswirkt.

Zucker zur Lieferung im März handelt aktuell bei 13,65 US-Cent pro Pfund.

Zuckerpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Zuckerpreis dürfte vorerst übergeordnet unter Druck bleiben.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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