MenüMenü

Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 23.10.-30.10.2017: Sojabohnen – massives Angebotsdefizit

Die Ölpreise stiegen in der vergangenen Woche weiter deutlich an. Brent verzeichnete dabei ein 27-Monats-Hoch und stieg über die Marke bei 60 US-Dollar pro Barrel.

Der deutliche Optimismus am Ölmarkt wurde geschürt durch Aussagen seitens des saudischen Ölministers, sowie des einflussreichen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman hinsichtlich der Verlängerung der Produktionskürzungen über März 2018 hinaus. Ersterer betonte zu Wochenbeginn die Notwendigkeit die Ölvorräte in den OECD-Ländern auf den 5-Jahresdurchschnitt zurück zu drücken. Kronprinz bin Salman sprach ein paar Tage später dann konkret die Bereitschaft Saudi-Arabiens für eine Verlängerung der Produktionskürzungen aus.

Ebenfalls preisunterstützend wirkten die die jüngsten US-Lagerbestandsdaten. Wie das US-Energieministerium bekannt gab, sind die US-Ölproduktlagerbestände in der vorvergangenen deutlich gesunken. So sanken die Benzinvorräte um 5,5 Millionen Barrel, die Destillatsbestände um 5,2 Millionen Barrel.

Ausschlaggebend hierfür war eine hohe Nachfrage nach Ölprodukten, sowie im Falle von Benzin auch eine hohe Exportnachfrage. Ignoriert wurden dabei die erneut gestiegenen Rohölvorräte um 856.000 Barrel, sowie der deutliche Anstieg der US-Rohölproduktion um 1,1 Millionen Barrel pro Tag auf 9,5 Millionen Barrel pro Tag.

Auch die Unterbrechung der irakischen Ölexporte aufgrund der Konflikte mit den Kurden im Gebiet Kirkuk und die Tatsache, dass sich die Lieferungen nur langsam wieder normalisieren bot den Ölpreisen weiterhin Unterstützung.

Aktuell handelt Brent zur Lieferung im Januar bei 60,21 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 54,04 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

1RSD30.10.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Optimismus ist derzeit stark im Ölmarkt, so dass preisbelastende Nachrichten wie die hohen Ölbestände in den OECD-Staaten, die steigende US-Ölproduktion und sogar Kommentare seitens Russlands hinsichtlich einer möglichen Steigerung der Ölproduktion weitgehend ungehört bleiben. Kurzfristig dürften die Ölpreise weiterhin Unterstützung erhalten, doch sobald der Optimus Dämpfer erhält (z.B. aufgrund wieder steigender US-Ölschieferbohraktivitäten, die mit hohen Ölpreisen sehr rasch wieder ansteigen dürften) besteht Rückschlagpotenzial für die Ölpreise.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis kam in der letzten Woche weiter zurück, prallte aber an der Marke bei 1.265 US-Dollar pro Unze wieder nach oben ab. Überhaupt war die vergangene Woche von deutlicher Volatilität im Gold gekennzeichnet. Schon zu Wochenbeginn sank der Goldpreis zunächst unter die 100-Tage-Linie bei 1.272 US-Dollar um dann sprunghaft wieder eine deutliche Preiserholung bis auf 1.280 US-Dollar pro Unze aufs Parkett zu legen.

Dabei wurde der Goldpreis in der vergangenen Woche insbesondere von den Spekulationen um den/die nächsten Fed-Vorsitzenden bewegt. Je nachdem wer zu welchem Zeitpunkt bei den Wetten die Oberhand behielt, entwickelten sich US-Dollar und Anleiherenditen, was entsprechend auch den Goldpreis bewegte.

Auch eine weiterhin sehr lockere EZB (diese hatte letzte Woche zwar die Halbierung der monatlichen Wertpapierkäufe, aber auch eine Verlängerung dieser Maßnahmen um weitere 9 Monate beschlossen) und ein daraufhin schwacher Euro, wirkten USD-unterstützend und belasteten damit den USD-Goldpreis.

Aktuell handelt Gold bei 1.273,20 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

2RSD30.10.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Gold dürfte trotz zwischenzeitlich erhöhter Schwankungsbreite gut nach unten abgestützt bleiben. Denn die globalen Risiken sind beileibe nicht eingedämmt. Zudem ist das aktuelle Goldpreisniveau keineswegs als zu teuer anzusehen. Davon zeugen schon allein die fortgesetzten Goldkäufe der russischen Zentralbank die im September mit 1,1 Millionen Unzen die höchsten Goldkäufe seit Oktober 2016 meldete.

Industriemetalle: Nickel

Die Industriemetallpreise standen zum Ende der vergangenen Woche unter Druck, nachdem zu Beginn der letzten Woche noch weitere Preiszuwächse verbucht worden waren. Generell ist der Markt optimistisch, das Preisniveau vieler Metalle aber hoch, was eben auch Rückschlag- und Gewinnmitnahmepotenzial in sich trägt.

Im Falle von Nickel veröffentlichte die International Nickel Study Group (INSG) vergangene Woche einen recht zuversichtlichen Ausblick. So rechnet die INSG damit, dass der Nickelmarkt im nächsten Jahr zum dritten Mal in Folge ein Angebotsdefizit aufweisen wird.

Das Defizit soll aber von 98.000 Tonnen in diesem Jahr auf 53.000 Tonnen in 2018 sinken. Dabei geht die INSG von einer deutlichen Abschwächung der Dynamik bei der Edelstahlproduktion und einem massiven Anstieg der NPI-Produktion in China und Indonesien aus. Sowohl Indonesien als auch die Philippinen dürften deutlich mehr Nickelerze nach China exportieren, so dass die weltweite Primärnickelproduktion im nächsten Jahr um 7,5% auf über 2,2 Millionen Tonnen steigen könnte.

Und auch an der LME liegen die Lagerbestände mit 386.000 Tonnen auf einem sehr hohen Niveau.

Nickel handelt aktuell bei 5,22 US-Dollar pro Pfund.

Nickelpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

3RSD30.10.17

Quelle: infomine.com

Ausblick

Obwohl aufgrund des hohen Preisniveaus generell Rückschlagpotenzial besteht, dürften die Preise vorerst wohl noch Unterstützung finden. So legt der Markt aktuell große Hoffnung auf die steigende Nachfrage nach Nickel-Batterien, aufgrund des Elektromobilitätsbooms. Sollten sich die Hoffnungen allerdings nicht in dem Rahmen bestätigen, besteht deutlicheres Korrekturpotenzial.

Agrarrohstoffe: Sojabohnen

Bei Sojabohnen kam es letzte Woche zu Gewinnmitnahmen. Weiterhin wird für die globale Ernte 2017/18 ein hohes Angebotsdefizit erwartet.

Zuletzt hatte der Internationale Getreiderat IGC seine Schätzung für die weltweite Sojabohnenernte noch einmal nach unten korrigiert. So soll der Markt mit fast 5 Millionen Tonnen ein doppelt so hohes Angebotsdefizit aufweisen, als bislang prognostiziert. Grund dafür ist ein um 2 Millionen Tonnen nach oben korrigierter Verbrauch. Damit sinken die weltweiten Endbestände auf 38,6 Millionen Tonnen.

Sojabohnen zur Lieferung im Januar handeln aktuell bei 9,87 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.

Sojabohnen in USD/Scheffel in der letzten Woche

4RSD30.10.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Sojabohnen dürften weiterhin gute Unterstützung erhalten.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Aktuelle Marktlage erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.