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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 18.09.-25.09.2017: Ölpreis profitiert vom Optimismus

Die Ölpreise stiegen auch in der vergangenen Woche weiter an. Grund dafür ist ein derzeit hoher Optimismus im Ölmarkt der zum einen auf die Produktionskürzungen der Öl produzierenden Länder und zum anderen auf die durch die Hurrikan-Saison verzerrten Daten aus den USA zurückzuführen ist.

Zu Beginn der letzten Woche erhielt der Ölmarkt bereits Unterstützung durch aktuelle Daten aus Saudi-Arabien. So hat das Land gemäß Daten der Joint Organisations Data Initiative (JODI) im Juli 6,69 Millionen Barrel Rohöl pro Tag exportiert. Das entspricht einem Rückgang um 196.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vormonat und der niedrigsten täglichen Exportmenge seit August 2014.

Zwei Drittel des Rückgangs waren auf eine gestiegene inländische Verarbeitung aufgrund des höheren Eigenbedarfs während der Sommermonate zurückzuführen und ein Drittel auf eine niedrigere Rohölproduktion infolge des Kürzungsabkommens. Für August hat Saudi-Arabien eine weitere Kürzung der Exporte auf 6,6 Millionen Barrel pro Tag in Aussicht gestellt.

Grundsätzlich wird wohl innerhalb der OPEC überhaupt über eine Verlängerung bzw. Ausweitung der Produktionskürzungen nachgedacht. Dies wurde zumindest durch den irakischen Ölminister ins Spiel gebracht.

Am Freitag fand schließlich das Ministertreffen der OPEC und ihrer in den Produktionskürzungen verbündeten Produzentenländer statt. Im Vorfeld gab es zwar einige Steilvorlagen, wie dass die Länder im August eine Übererfüllung ihrer Quote um 116% erreicht hätten oder auch dass Nigeria Bereitschaft signalisiert, dem Abkommen beizutreten, doch das Ergebnis des Treffens vom Freitag war eher gering. Man wird die Maßnahmen natürlich weiter fortsetzen, doch über eine Ausweitung wollte man noch nicht entscheiden.

Unterstützend wirkten auch die jüngsten Daten vom US-Ölmarkt. Dort sind die Rohölvorräte zwar erneut kräftig gestiegen, was aber auf die Verzerrungen durch Hurrikan Irma zurückzuführen ist. Stärker wog da der deutliche Rückgang der Benzin- und Destillatsbestände um 5,1 und 6,1 Millionen Barrel.

Brent zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 56,42 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 51,10 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

1RSD25.09.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Obwohl sich die OPEC und ihre Verbündeten noch nicht zu einer Ausweitung der Produktionskürzungen durchgerungen haben, könnte dies angesichts steigender Ölpreise und der damit verbundenen steigenden Schieferölproduktion in den USA sehr bald akut auf der Agenda stehen. Denn bereits jetzt liegt die OPEC-Produktion leicht über dem von der IEA geschätzten Bedarf an OPEC-Öl für die Zeit nach dem Auslaufen des Kürzungsabkommens. Eine Ausweitung der Produktion ab Frühjahr 2018 würde daher zu einem abermaligen Überangebot auf dem Ölmarkt führen und die Preise unter Druck setzen.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis gab letzte Woche weiter nach. Grund war ein stärkerer US-Dollar, der insbesondere im Zusammenhang mit der FED-Sitzung der letzten Woche Unterstützung fand. Die US-Notenbank hat angekündigt ihre Bilanz ab Oktober um maximal 10 Milliarden US-Dollar pro Monat zu reduzieren. Dies war im Vorfeld schon erwartet worden.

Schwerer wog dagegen, dass die FED weiterhin signalisiert an ihren bisherigen Zinsplänen festhalten zu wollen und in diesem Jahr einmal, sowie im nächsten Jahr dreimal die Zinsen anheben zu wollen. Bislang hatte der Markt bis Ende 2018 höchstens einen weiteren Zinsschritt eingepreist.

Zum Ende der Woche erhielt der Goldpreis dann wieder etwas Unterstützung nachdem das verbale Säbelrasseln zwischen Nordkorea und den USA an Schärfe gewinnt.

Gold handelt aktuell bei 1.297,10 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Feinunze in der letzten Woche

2RSD25.09.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Trotz der Pläne der FED zu den kommenden Zinsschritten bleibt abzuwarten, ob dies tatsächlich so umsetzbar sein wird, angesichts der drohenden Kriegsgefahr und der generellen wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren in den USA. Der Goldpreis sollte mit den geopolitischen Risiken zumindest gut nach unten abgestützt bleiben.

Industriemetalle: Blei

Die Industriemetallpreise sind in der vergangenen Woche zurückgekommen und profitierten damit nur zu Beginn der letzten Woche vom zwischenzeitlichen Optimismus an den Aktienmärkten.

Daran konnten auch die jüngsten Berichte der International Study Groups nichts ändern, die für fast jeden Metallmarkt letzte Woche berichtet hatten. Mit Ausnahme von Kupfer, für das International Copper Study Group (wie jedes Jahr) einen Überschuss prognostiziert wurde den übrigen Metallmärkten ein anhaltendes Defizit bestätigt.

Im Falle von Zink liegt das Angebotsdefizit etwa auf dem gleichen Niveau wie vergangenes Jahr und im Nickelmarkt ist das Angebotsdefizit noch vergleichsweise klein.

Einzig im Bleimarkt zeigt sich das Angebotsdefizit bei 109.000 Tonnen für die ersten 7 Monate dieses Jahres stärker als erwartet, aufgrund einer außergewöhnlich starken Nachfrageentwicklung seit dem vergangenen Jahr. Entsprechend zeigte sich der Bleipreis deutlich stärker als die übrigen Metallpreise in der vergangenen Woche.

Blei handelt aktuell bei 1,12 US-Dollar pro Pfund.

Bleipreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: infomine.com

Ausblick

Die Metallpreise haben mittlerweile sehr hohe Preisniveaus erreicht und auch aufgrund des hohen spekulativen Interesses entsprechend Korrekturpotenzial aufgebaut. Die News der vergangenen Woche waren keinesfalls schlecht, doch für weitere starke Preiszuwächse benötigen die Metallmärkte nun außergewöhnlich starke News. Abgesehen davon unterstützt das hohe Preisniveau die Investition in den Aufbau neuer Minen.

Agrarrohstoffe: Arabica Kaffee

Der Preis pro Pfund Arabica Kaffee gab in der vergangenen Woche einen Gutteil der Gewinne der Vorwoche wieder ab, nachdem die Erwartung an Regenfälle in Brasilien gestiegen war.

Derzeit befindet sich die Ernte 2018/19 in der Blüteperiode und nach der langanhaltenden Trockenheit verringern Regenfälle die Sorgen in Bezug auf Schäden an der Ernte.

Allerdings besteht übergeordnet die Gefahr, dass die Niederschläge möglicherweise nicht ausreichend sein könnten, um eine gute Blüteperiode zu gewährleisten. Denn an vielen zu früh blühenden Bäumen könnten die Blüten aufgrund des Feuchtigkeitsmangels absterben, anstatt Kaffeekirschen zu bilden. Das würde die kommende Ernte deutlich unter Druck setzen, die eigentlich ein Hochertragsjahr ist und deutlich höher als die aktuelle ausfallen sollte.

Arabica Kaffee zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 1,34 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Kaffeepreis in USD/Pfund in der letzten Woche

4RSD25.09.17

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Noch ist es zu früh für verlässliche Daten weder zur aktuellen noch zur künftigen Ernte und so wird der Markt sich weiterhin eher in einer Range abhängig vom Wetter bewegen. Regenfälle in Brasilien sollten die Preise unter Druck setzen, Schätzungen zu einem desolateren Zustand der Ernte dagegen den Preisen Auftrieb verleihen.

Dennoch sollte der Kaffeemarkt unter Beobachtung bleiben, denn es steigen die Chancen auf ein La Nina Wetterphänomen, laut US-Wetterbehörde. Dieses bringt in der Regel eine erhöhte Trockenheit für die brasilianischen Anbaugebiete und könnte damit die kommende Ernte wirklich deutlich unter Druck setzen.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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