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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 16.10.-23.10.2017 – Erdöl: OPEC zu optimistisch

Die Ölpreise standen in der vergangenen Woche übergeordnet unter Druck, obgleich die Entwicklung über die Woche hinweg sehr volatil war. So gaben sich preisunterstützende und preisbelastende News die Klinke in die Hand.

Zu Beginn der vergangenen Woche erhielten die Ölpreise zunächst Unterstützung aufgrund der Unterbrechungen in der Ölproduktion in der umkämpften ölreichen Region um Kirkuk im Nordirak. So wurde die Produktion auf zwei größeren Ölfeldern mit einer Förderkapazität von insgesamt 350.000 Barrel pro Tag wegen der Kämpfe aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Die Region ist zwar wieder vollständig unter Kontrolle der Zentralregierung in Bagdad, was dafür sorgen sollte, dass die Ölproduktion sehr rasch wieder hochgefahren werden wird. Doch es bleibt abzuwarten ob die Kurden nach dem Rückzug aus dem von ihnen beanspruchten Gebiet den Transport des Rohöls per Pipeline zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan über ihr Territorium ohne Weiteres gewährleisten werden.

Auch die US-Lagerbestandsdaten sind gemischt zu betrachten. Zwar berichtete das US-Energieministerium von einem Abbau der US-Rohölbestände um 5,7 Millionen Barrel., doch die Daten sind aufgrund von Hurrikan Nate verzerrt, der weite Teile der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko lahmlegte.

Entsprechend sank die US-Rohölproduktion um 1 Million Barrel pro Tag auf 8,4 Millionen Barrel pro Tag. Allerdings sank auch die Rohölverarbeitung sehr deutlich, da auch diese von den Hurrikans stark betroffen ist. Im Gegensatz zur Ölproduktion dürfte die Rohölverarbeitung aber nicht so schnell wieder hochgefahren werden können, was gegen einen weiteren Lagerabbau spricht.

Und weitere Nachrichten aus den USA wirkten preisbelastend. So erwartet die US-Energiebehörde EIA einen weiteren Anstieg der US-Schieferölproduktion im November um 82.400 Barrel pro Tag auf 6,12 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der 11.Monatsanstieg in Folge und ein neues Rekordniveau.

WTI zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 52 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 57,94 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Ölmarkt bleibt unausgeglichen. Daran ändern auch die Wunschvorstellungen der OPEC nichts. Diese produziert derzeit genau so viel Öl wie im nächsten Jahr benötigt wird. Um den Überhang auszugleichen müsste die OPEC also weniger produzieren, alleine die Verlängerung der Produktionskürzungen bis 2018 werden nicht ausreichen. Es bleibt aber zweifelhaft ob sich die OPEC dazu durchringen wird weitere Kürzungen vorzunehmen.

Stattdessen versucht man seitens der OPEC anscheinend lieber sich die Situation schön zu reden. So zweifelte OPEC-Generalsekretär Barkindo einfach die Schätzungen der IEA zur Angebotsentwicklung an und behauptete vergangene Woche der Marktausgleich sei in Reichweite, würde sich sogar beschleunigen. Dies ist aber nachweislich nicht der Fall, da der sich Abbau des Überhangs im August verlangsamt hat. Die Ölpreise dürften nach unten abgestützt bleiben, starke Preisanstiege bergen aber schließlich Rückschlagpotenzial.

Edelmetalle: Gold

Auch im Goldmarkt halten sich derzeit preisbelastende und unterstützende Faktoren die Waage, im Wochenvergleich gab der Preis ab. Weiterhin bleibt der Goldpreis kurzfristig im Banne von US-Dollar und Zinsspekulationen in den USA gefangen.

Erhielt der Goldpreis zwischenzeitlich noch Unterstützung aufgrund schwächerer US-Inflationsdaten und damit einhergehende sinkende Zinserhöhungserwartungen kehrte sich die Stimmung bald wieder um. Derzeit preist der Markt bis Ende 2018 noch zwei Zinserhöhungen durch die Fed ein.

Auch der US-Dollar fuhr vergangene Woche wieder einmal Achterbahn und belastete bei Stärke / unterstützte bei Schwäche den Goldpreis. War der US-Dollar aufgrund des langsamen Fortschritts bei den US-Reformen zunächst noch unter Druck gestanden, ändert sich dies zum Ende der Woche nachdem der US-Senat denkbar knapp einem „Budgetumriss“ zugestimmt hatte. Dies könnte den Weg für eine Steuerreform ebnen.

Auch die Frage wer die Nachfolge der Fed-Vorsitzenden Yellen antreten wird wirkt sich auf US-Dollar und Goldpreis aus. Derzeit stehen die Chancen für John Taylor am höchsten, der als Falke gilt und damit einen höheren Zins favorisieren dürfte.

Gold handelt aktuell bei 1.280 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Feinunze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis bleibt kurzfristig volatil, übergeordnet ist der Aufwärtstrend aber intakt aufgrund der bestehenden Unsicherheiten und Risiken geopolitischer Natur.

Industriemetalle: Kupfer

Die Industriemetalle bewegten sich in der vergangenen Woche auf hohem Niveau mit leichten Wochenverlusten.

Dies aufgrund von schwachen Konjunkturdaten aus den USA und China. Aus den USA waren es schwache Daten vom Immobilienmarkt welche die Preise belasteten. In China ist Daten des Nationalen Statistikbüros zufolge die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal um 6,8% gewachsen, ein Zehntel weniger als in den beiden Quartalen davor. Die zeitgleich veröffentlichten Konjunkturdaten für September (Industrieproduktion und Investitionen in Sachanlagen) lagen im Rahmen der Erwartungen und boten somit kein positives Überraschungspotenzial mehr.

Konjunkturmetall Kupfer handelt aktuell bei 3,14 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der hohen Preisniveaus in den Industriemetallen besteht Rückschlagpotenzial bei Fehlens von unterstützenden News.

Agrarrohstoffe: Kaffee

Die Kaffeepreise konnten im Wochenvergleich zulegen, wenngleich auch hier die Entwicklung volatil war.

Für zwischenzeitlichen Abgabedruck sorgte ein festerer US-Dollar, sowie Regenfälle in den brasilianischen Anbaugebieten.

Allerdings gab es auch Meldungen über Trockenheit in einigen Gebieten, was die Kaffeepflanzen in der Blütephase beeinträchtigt. Überdies besteht weiterhin die Erwartung eines erneuten Angebotsdefizits in 2018, was die Kaffeepreise unterstützt.

Arabica Kaffee handelt aktuell bei 1,25 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Arabica Kaffeepreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der Erwartung an ein weiteres Angebotsdefizit in 2018 im Kaffeemarkt dürften die Kaffeepreise gut nach unten abgestützt bleiben. Doch so lange noch nichts Konkretes von der Angebotsseite in Bezug auf die künftige Ernte gemeldet wird, bleibt der Markt volatil.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Herausgeber: Investor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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