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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 15.01.-22.01.2018: Gewinnmitnahmen bei Gold und Öl

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche zurückgekommen und verbuchen damit den ersten Wochenverlust seit Mitte Dezember. Zuvor war der Preis pro Barrel Brent-Öl zur Lieferung im nächstfälligen Kontrakt kurzzeitig über die psychologisch wichtige Marke bei 70 US-Dollar pro Barrel gestiegen.

Neben der rekordhohen Netto-Long-Position der Spekulanten, was das Risiko von Rücksetzern verstärkt, bestehen einige fundamentale Faktoren die für einen Preisrückgang sprechen.

So geht die US-Energiebehörde EIA davon aus, dass die US-Ölproduktion bereits im nächsten Monat auf 10 Millionen Barrel pro Tag ansteigen wird. Bis Ende nächstes Jahres soll die Produktion sogar auf 11 Millionen Barrel pro Tag steigen. Der neuesten Schätzungen im Drilling Productivity Report zeigen zudem einen rasanten Anstieg der Schieferölproduktion im Februar um 111.000 Barrel auf rekordhohe 6,55 Millionen Barrel pro Tag.

Zudem erwartet die EIA einen Anstieg des Nicht-OPEC-Angebots um gut 2 Millionen Barrel pro Tag. Die Internationale Energieagentur IEA geht in ihrem Monatsbericht von einem Anstieg um 1,7 Millionen Barrel pro Tag aus, was aber immer noch merklich über dem erwarteten Anstieg der globalen Ölnachfrage liegt. Der Bedarf an OPEC-Öl im Jahr 2018 wird laut Schätzung der IEA auf 32,3 Millionen Barrel pro Tag zurückfallen. Nur auf Basis der von der IEA für Dezember festgestellten OPEC-Fördermenge wäre der Ölmarkt in diesem Jahr in etwa ausgeglichen. Somit würde es selbst nach Ansicht der IEA zu keinem weiteren Lagerabbau mehr kommen.

Entsprechend gibt es nun erste Diskussionen zwischen der OPEC und Russland über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Kürzungsabkommen. Die Ölminister der UAE und des Irak sehen dafür keine Notwendigkeit. Der Chef des russischen Ölkonzerns Lukoil brachte dagegen einen graduellen Ausstieg ins Spiel, wenn sich die Ölpreise länger als ein halbes Jahr bei 70 US-Dollar je Barrel halten sollten. Dazu passt die jüngste Aussage von IEA-Chef Birol, der zu Protokoll gab, bei einem Ölpreis von 65-70 US-Dollar je Barrel würde mehr (Über-)Angebot durch Schieferöl auf den Markt kommen.

Die aktuellen Daten zur Bohraktivität in den USA von Baker Hughes scheinen das zu bestätigen. Demnach ist die Zahl der aktiven Ölbohrungen in der vorvergangenen Woche um 10 gestiegen. Das entspricht dem stärksten Wochenanstieg seit Juni.

Brent-Öl zur Lieferung im März handelt aktuell bei 68,65 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im März notiert aktuell bei 63,41 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

1RSD22.01.18

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Die Ölpreise bergen das Risiko weiterer Rücksetzer. Ein schwacher Dollar und sinkende US-Lagerbestände dürften aber vorerst einen stärkeren Rückgang verhindern.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis ist in der letzten Woche ähnlich wie die Ölpreise etwas zurückgekommen und hat damit zum ersten Mal seit 5 Wochen einen leichten Wochenverlust verbuchen müssen.

Grund für den Gegenwind ist in erster Linie ein zwischenzeitlich etwas festerer Dollar, der nachdem der Goldpreis am vergangenen Montag ein 4-Monats-Hoch erreicht hatte, Gewinnmitnahmen ausgelöst haben dürfte.

Gold handelt aktuell bei 1.330,60 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

2RSD22.01.18

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Gold dürfte weiterhin Unterstützung erhalten aufgrund der zu erwartenden fortgesetzten US-Dollar-Schwäche und fortdauernder politischer Risiken.

Industriemetalle: Nickel

Die Industriemetalle konnten in der vergangenen Woche vor allem zum Ende der Woche von starken chinesischen Konjunkturdaten profitieren. Wie das Chinesische Nationale Statistikbüro berichtet hatte, ist die chinesische Wirtschaft im 4. Quartal 2017 um 6,8% und im Gesamtjahr 2017 um 6,9% gewachsen. Beide Werte lagen dabei 10% über den Erwartungen und auch über den offiziellen Vorgaben.

Zudem berichtete das Statistikbüro von einem Anstieg der Industrieproduktion um 6,2% und einem Wachstum der Anlageinvestitionen um +7,2% für Dezember.

Im Falle von Nickel kamen auch fundamentale Gründe für den weiteren Preisanstieg zum Tragen. So berichtete die Shanghaier Börse SHFE von einem weiteren Rückgang der Nickelbestände. Inzwischen liegen die Bestände um über 46% unter dem Niveau von vor einem Jahr. Auch die Nickelbestände an der LME befinden sich auf dem Rückzug und sind seit Ende November um über 20.000 Tonnen gesunken.

Nickel handelt aktuell bei 5,74 US-Dollar pro Pfund.

Nickelpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

3RSD22.01.18

Quelle: infomine.com

Ausblick

Angesichts des bestehenden Angebotsdefizits im Nickelmarkt und der fortgesetzten Minenschließungen auf den Philippinen dürfte der Nickelpreis weiterhin Unterstützung erhalten.

Agrarrohstoffe: Arabica Kaffee

Die Kaffeepreise gaben auch in der vergangenen Woche leicht nach, obgleich mit einer gewissen Volatilität.

Auch wenn die enorm hohe Netto-Short-Position der Spekulanten das Risiko für Preissprünge erhöht und die Tatsache, dass das laufende Erntejahr 2017/18, welches erst im Juni beendet ist ein Defizitjahr werden dürfte, eigentlich einen Anstieg der Preise rechtfertigen sollten, bleiben die Kaffeepreise doch gedämpft.

Grund dafür sind nach wie vor die Erwartungen an eine massiv steigende Ernte im kommenden Erntejahr 2018/19, zumal es auch noch ein On-Year mit höherer Arabica-Produktion in Brasilien ist.

Arabica-Kaffee zur Lieferung im März handelt aktuell bei 1,21 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Arabica-Kaffeepreis in USD/Pfund in der letzten Woche

4RSD22.01.18

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Die Kaffeepreise dürften vorerst gedrückt bleiben. Sollten sich die enorm pessimistischen Erwartungen allerdings nicht in dem Umfang bewahrheiten besteht die Chance auf eine deutliche Erholung.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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