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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 11.12.-18.12.2017: Goldpreis-Erholung: zurück im Handelsmuster

Die Ölpreise standen in der vergangenen Woche übergeordnet unter Druck. Nur Brent erhielt zum vergangenen Wochenauftakt massive Unterstützung und stieg zunächst bis auf ein 2,5 Jahreshoch bei 65,80 US-Dollar pro Barrel bevor der Preis dann wieder abstürzte.

Grund für den Preissprung zum Wochenbeginn war die Meldung, dass eine der wichtigsten Ölpipelines in der Nordsee aufgrund eines Haarrisses geschlossen werden musste. Über dies Pipeline werden pro Tag rund 450.000 Barrel Forties-Öl an die Küste Schottlands transportiert. Laut Pipeline-Betreiber Ineos werden die Reparaturarbeiten etwa 2-3 Wochen andauern. Forties ist die wichtigste Ölsorte im Brentkorb. In der Folge wuchs die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI auf mehr als 7 US-Dollar je Barrel an. Höher war sie zuletzt im Mai 2015.

Allerdings hielt der Preissprung nicht lange an, denn kurz danach gab die Internationale Energieagentur (IEA) bekannt, man werde die Situation dieser Pipeline genau beobachten. Konkret wurde die IEA zwar nicht, doch scheint die Botschaft vor allem als Bereitschaft verstanden worden zu sein, notfalls die strategischen Ölreserven anzuzapfen, sollte es zu Versorgungsengpässen kommen.

Auch von anderer Seite verstärkte sich dann wieder der Druck auf die Ölpreise. So gab die US-Energiebehörde EIA eine deutliche Aufwärtsrevision der US-Rohölproduktion bekannt. Für 2018 erwartet die EIA einen Jahresdurchschnitt von gut 10 Millionen Barrel pro Tag und prognostiziert das Niveau für das Jahresende auf 10,34 Millionen Barrel pro Tag. In beiden Fällen handelt es sich um Rekordniveaus.

Und selbst die OPEC kam nicht umhin in ihrem letzte Woche veröffentlichten Monatsbericht ihre Schätzung für das Nicht-OPEC-Angebot im kommenden Jahr nach oben zu revidieren. Die OPEC erwartet nun einen Anstieg um 1 Million Barrel pro Tag.

Brent zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 63,25 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Februar notiert derzeit bei 57,28 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Aktuell bietet der Ausfall der Forties-Pipeline in UK den Ölpreisen gute Unterstützung. Möglicherweise bleibt die Pipeline länger geschlossen als zunächst vermutet. Die IEA hat bereits eine entsprechende Schätzung für die britische Ölproduktion im Dezember um 300.000 Barrel pro Tag reduziert. Insgesamt, so die IEA weiter, dürfte es in diesem Jahr zu einem primären Angebotsdefizit von 500.000 Barrel pro Tag kommen und zu einem globalen Lagerabbau um 190 Millionen Barrel.

Damit dürfte die OPEC zwar sehr zufrieden sein, die mit ihren Produktionskürzungen dies erst möglich gemacht hat. Doch für das kommende Jahr gelten andere Bedingungen. Es bleibt sehr fraglich, ob eine reine Fortsetzung der Produktionskürzungen ausreichen wird, die massiv steigende Produktion in den USA auszugleichen.

Dass die OPEC dabei sehr blauäugig vorgeht zeigen schon die Schätzungen für den Anstieg der Nicht-OPEC-Produktion in 2018. Während die OPEC von einem Plus bei 1 Million Barrel pro Tag ausgeht, liegen die Schätzungen von EIA und IEA mit 1,7 und 1,6 Millionen Barrel pro Tag immerhin 60-70% darüber.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis hat in der vergangenen Woche seine Erholung aufgenommen. Dies geschah im Anschluss an die Fed-Sitzung der vergangenen Woche, wo die US-Notenbank eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte beschloss. Dies war weitläufig erwartet worden und dementsprechend bereits im Vorfeld eingepreist.

Janet Yellen äußerte sich auf der nachfolgenden Pressekonferenz zur Fed-Sitzung positiv hinsichtlich der US-Wirtschaft und behielt auch den erwarteten Inflationspfad als unverändert bei.

Gold verfolgt mit seiner Erholung im Anschluss an die Fed-Dezember-Sitzung dabei auch jetzt das gleiche Handelsmuster wie in den vergangenen 6 Jahren. Nur mit Ausnahme von 2014 markierte der Goldpreis rund um die Fed-Dezember-Sitzung dabei immer ein Tief, auf das bis weit ins erster Halbjahr hinein eine Erholung folgte.

Gold handelt aktuell bei 1.255,10 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte nun, seinem Handelsmuster folgend, wieder zu einer größeren Erholung ansetzen.

Industriemetalle: Zink

Der Zinkpreis konnte sich in der vergangenen Woche ebenfalls deutlich erholen. Die vor allem aus fundamentalen Gründen.

Zum einen hatte die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) von einem hohen Angebotsdefizit am globalen Zinkmarkt in den ersten zehn Monaten dieses Jahres berichtet. So blieb das Angebot um 401.000 Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Das Defizit lag damit 100% über jenem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Dabei stand einem Anstieg der Nachfrage, ein Rückgang des Angebots in mehreren großen Produzentenländern gegenüber.

Zum anderen hatte der große Rohstoffproduzent Glencore aufgrund der gestiegenen Zinkpreise eine Anhebung der Zinkproduktion bekannt gegeben. Dies war im Vorfeld weitläufig erwartet worden. Allerdings wird man die Produktion erst einmal nur um knapp 200.000 Tonnen pro Jahr erhöhen, indem man die Lady Loretta-Mine in Australien wieder hochfährt.

Das Unternehmen hatte Ende 2015 aber rund 500.000 Tonnen pro Jahr an Produktionskapazitäten stillgelegt. Das bedeutet, dass nach wie vor der Großteil der Kapazitäten stillliegt. Zudem soll die geplante Produktionsausweitung auch in drei Stufen bis 2020 erfolgen. Im kommenden Jahr sollen erst einmal nur 100.000 Tonnen hinzukommen, 2019 dann 60.000 Tonnen und 2020 knapp 40.000 Tonnen.

Zink handelt aktuell bei 1,45 US-Dollar pro Pfund.

Zinkpreis in USD/Pfund in den letzten 30 Tagen

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Quelle: infomine.com

Ausblick

Der Zinkpreis dürfte vorerst gut unterstützt bleiben.

Agrarrohstoffe: Sojabohnen

Der Preis pro Scheffel Sojabohnen sank in der vergangenen Woche. In vielen anderen Agrarmärkten belasten eine hohe Produktion, hohe Lagerbestände bzw. eine Überversorgung die Preise. Auch bei Sojabohnen, wo zwar vorerst noch ein globales Primärdefizit erwartet wird, sieht die Versorgungslage mittelfristig aber anders aus.

So hoben in der vergangenen Woche mehrere Beobachter zunächst die Schätzungen für die brasilianische Sojabohnenproduktion in 2017/18 an. Zwar erwartet der Internationale Getreiderat IGC für 2017/18 noch ein weltweites Defizit, doch die Folgejahre sollen dann eine fast ausgeglichen Bilanz zeigen, da Erträge und Anbaufläche steigen.

Belastend auf die Sojabohnenpreise wirkten auch die Vorhersage von Regenfällen in Teilen Argentiniens und enttäuschende US-Sojabohnenexporte.

Sojabohnen zur Lieferung im Januar handeln aktuell bei 9,68 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.

Sojabohnen in USD/Scheffel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Die Sojabohnenpreise dürften vorerst zwar nach unten abgestützt bleiben, doch dann muss die weitere Entwicklung der globalen Sojaernte abgewartet werden.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Herausgeber: Investor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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