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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 11.09.-18.09.2017: Ölnachfrage wächst

Energie: Erdöl

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche gestiegen. Grund dafür ist ein wachsender Optimismus im Ölmarkt aufgrund der Nachfrage- und Angebotsentwicklung.

So haben sowohl die OPEC, als auch die US-Energiebehörde EIA in der letzten Woche überaus preisunterstützende Monatsberichte veröffentlicht. Die OPEC hat ihre Schätzung für die globale Ölnachfrage in diesem Jahr um 50.000 Barrel pro Tag und für 2018 um weitere 70.000 Barrel pro Tag angehoben. Gleichzeitig wurde die Schätzung für die Nicht-OPEC-Produktion um 100.000 Barrel pro Tag nach unten revidiert. Dies bedeutet, dass der Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf 32,83 Millionen Barrel täglich steigt. Das entspricht einem Anstieg um 410.000 Barrel pro Tag gegenüber der Schätzung im Vormonat. Damit hätte die OPEC theoretisch im Vergleich zur aktuellen Produktion (laut sekundären Quellen bei 32,76 Millionen Barrel pro Tag im August) sogar noch leichten Spielraum nach oben.

Zudem hat die EIA ihre Schätzung für die US-Ölproduktion in 2018 um 70.000 Barrel pro Tag gegenüber der vorherigen Schätzung vom vergangenen Monat auf 9,84 Millionen Barrel täglich nach unten revidiert. Auch für dieses Jahr geht die EIA von einer um 100.000 Barrel pro Tag niedrigen US-Ölproduktion aus, als noch in der Schätzung des Vormonats.

Die Internationale Energieagentur IEA geht überdies von einem höheren globalen Ölnachfragewachstum in diesem und im kommenden Jahr aus. So erwartet die IEA ein Wachstum von 1,6 Millionen Barrel pro Tag in 2017 und weitere 1,4 Millionen Barrel pro Tag in 2018. Überraschend sieht die IEA dafür nicht nur die Schwellenländer verantwortlich, sondern auch ein starkes Nachfragewachstum in den USA und Deutschland. Außerdem gab die IEA bekannt, dass die Weltölproduktion im August um 720.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vormonat gesunken ist. Dies ist zum einen auf Ausfälle in Libyen zurückzuführen, zum anderen aber auch darauf, dass die Nicht-OPEC-Länder, die das Produktionskürzungsabkommen mit der OPEC geschlossen haben, zum ersten Mal im August die Kürzungen vollumfänglich umgesetzt haben.

Dazu passend haben überdies gleich mehrere OPEC-Länder eine Verlängerung der Produktionskürzungen über das 1.Quartal 2018 hinaus ins Spiel gebracht.

Auch die jüngsten Nachrichten aus Saudi-Arabien wirken preisunterstützend. Zum einen hat das Land erneut seine Produktion auf nun unter 10 Millionen Barrel pro Tag gekürzt, zum anderen heizt sich der Konflikt zwischen dem Land und Katar auf. Auch der bevorstehende Machtwechsel zugunsten des Kronprinzen Mohammed bin Salman, sowie ein vereitelter IS-Anschlag auf das Verteidigungsministerium tragen zur Verunsicherung bei und wirken in diesem Fall preisunterstützend.

Brent zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 55,33 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im November notiert aktuell bei 50,33 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Es bleibt abzuwarten ob der Optimismus am Ölmarkt nachhaltig Bestand hat. Man darf nicht vergessen, dass bei steigenden Preisen die US-Schieferölproduktion wieder attraktiver wird. Vor allem die Marke bei 50 US-Dollar pro Barrel Öl und darüber heizt die Bohraktivitäten in den USA wieder an. Laut DOE sind derzeit 7.000 Ölquellen in den USA angebohrt aber noch nicht erschlossen worden. Diese können bei entsprechen reizvollem Ölpreisniveau sehr schnell in Betrieb genommen werden. Vorerst aber dürften die Ölpreise gut unterstützt sein.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis ist letzte Woche aufgrund von Gewinnmitnahmen etwas zurückgekommen. Derzeit sind viele Spekulanten bullisch auf Gold, was sich an der erneuten Ausweitung ihrer Netto-Long-Position zeigt. Das erhöht das Risiko zwischenzeitlicher Preiskorrekturen, wenn eine schwache Nachrichtenlage zu Gewinnmitnahmen führt.

Ein temporär höherer Risikoappetit, höher als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten und die Spekulation auf einen möglichen Erfolg der groß angekündigten Steuerreform von US-Präsident Trump gaben dem US-Dollar zwischenzeitlich Auftrieb, was wiederum den Goldpreis belastete.

Gold handelt aktuell bei 1.319,20 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Feinunze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Trotz zwischenzeitlicher Preisrückgänge bleibt die fundamentale Ausgangslage klar unterstützend für den Goldpreis, mit einer wachsenden geopolitischen Unsicherheit, dem eskalierenden Konflikt zwischen Nordkorea und den USA, sowie einer übergeordneten anhaltenden Dollar-Schwäche.

Industriemetalle: Nickel

Die Industriemetalle haben in der vergangenen Woche ebenfalls korrigiert und konnten damit nicht vom Optimismus an den Aktienmärkten profitieren.

Ausschlaggebend waren dafür in erster Linie die als enttäuschend wahrgenommenen Konjunkturdaten aus China. Dort lag die Industrieproduktion im August 6% über jener der Vorjahres, was der niedrigsten Steigerungsrate seit Dezember entspricht. Außerdem wuchsen die Investitionen in Sachanlagen mit +7,8% so schwach wie seit Dezember 1999 nicht mehr.

Für Nickel gelten überdies weitere spezifische preisbelastende Nachrichten. So will der größte indonesische Nickelproduzent, PT Aneka Tambang, bei der Regierung weitere Lizenzen für den Export von Nickelerz mit niedrigem Metallgehalt beantragen. Unternehmensangaben zufolge hat das Unternehmen die ihm zugeteilte Quote von 2,7 Millionen Tonnen für den Export bis Jahresende vollständig ausgeschöpft.

Somit wird das Angebot am globalen Nickelmarkt noch weiter ausgeweitet.

Nickel notiert aktuell bei 5,01 US-Dollar pro Pfund.

Nickelpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: infomine.com

Ausblick

Bei den Industriemetallen besteht nach den starken Preiszuwächsen der ersten Jahreshälfte inzwischen zwischenzeitliches Korrekturpotenzial, insbesondere in den Märkten in denen das globale Angebot derzeit mehr als ausreichend ist.

Agrarrohstoffe: Orangensaft

Der Preis für gefrorenes Orangensaftkonzentrat erreichte am vergangenen Mittwoch das höchste Niveau seit dem 28.März 2017. Grund dafür ist Hurrikan Irma, der bis zu 25% der Zitrusfrüchte in Florida vernichtet haben könnte. Berichten zufolge hingen Bäume voller Früchte, überdies sollen auch viele Bäume selbst zerstört worden sein.

Zum Ende der vergangenen Woche gab der Preis dann allerdings einen Teil der Gewinne wieder ab, nachdem das brasilianische Analysehaus Fundecitrus einen Bericht veröffentlichz hatte, wonach Regenfälle in den brasilianischen Hauptanbaugebieten Sao Paulo und Mina Gerais den Pflanzen zugutekommen. Fundecitrus hat seine eigene Produktionsschätzung vom Mai dementsprechend um 2,6% angehoben.

Die brasilianische Vereinigung der Orangensaftindustrie CitrusBR geht von einem Anstieg der brasilianischen Orangensaftproduktion in 2017/18 um 72% auf 1,2 Millionen gefrorenes Orangensaftkonzentrat aus.

Gefrorenes Orangensaftkonzentrat (FCOJ) zur Lieferung im November handelt aktuell bei 1,49 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Gefrorenes Orangensaftkonzentrat in US-Cent/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: barchart.com

Ausblick

So lange die Hurrikan-Saison Bestand hat, sind Preissprünge im FCOJ zu erwarten.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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