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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 10.12.-17.12.2018: Erdöl – Produktionskürzungen ausreichend?

Die Ölpreise handelten in der vergangenen Woche übergeordnet seitwärts und befinden sich aktuell in einer Bodenbildungsphase. Zwar gab es am Donnerstag einen kurzzeitigen leichten Ausbruch nach oben, nachdem Saudi-Arabien gemeldet hatte, man wolle die Exporte in die USA reduzieren, doch am Freitag gaben die Preise bereits wieder auf das Ausgangsniveau der letzten Woche ab.

Schließlich ist eine Reduktion von Exporten in die USA angesichts der inzwischen bestätigten Unabhängigkeit des Landes in Sachen Energie fast schon nur noch eine Formsache. Erst in der vergangenen Woche gab die Internationale Energiebehörde IEA bekannt, dass in der letzten November-Woche die USA erstmals seit mindestens 1991 mehr Rohöl und Ölprodukte exportiert als importiert haben. Die USA sind bereits aktuell mit 11,5 Millionen Barrel täglich der größte Ölproduzent der Welt und die Produktion wird weiterwachsen. Wie die US-Energiebehörde EIA berichtet, dürfte die Produktion auf 12,06 Millionen Barrel pro Tag wachsen.

Trotzdem geht die Kontrolle der Preisstabilität komplett zu Lasten der OPEC und ihrer Verbündeten.

Diese haben, wie letzte Woche berichtet, am vorvergangenen Wochenende Förderkürzungen in Höhe von 1,2 Millionen Barrel beschlossen. Dies alleine würde aber nicht ausreichen den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch überraschend hat auch Kanada Produktionskürzungen beschlossen. Überdies kommen der OPEC auch ungeplante Produktionsausfälle in Libyen zu Hilfe. Dort ist die Produktion auf zwei Ölfeldern aufgrund einer Besetzung durch Stammeskämpfer und abtrünnige Sicherheitskräfte seit dem vorvergangenen Wochenende unterbrochen. Die Ausfälle liegen bei 400.000 Barrel pro Tag.

Die Produktionsausfälle in Libyen sind auch ausschlaggebend dafür, dass die Ölpreise nun einen Boden finden.

Dass die beschlossenen Produktionskürzungen trotzdem nicht zu einem deutlichen Anstieg der Preise führen, ist vor allem auf die Erwartung zurückzuführen, dass die vereinbarten Kürzungen nicht ausreichen. Selbst die OPEC geht in ihrem jüngsten Monatsbericht davon aus. So wurde die die Nicht-OPEC-Produktion für 2018 um 190.000 Barrel pro Tag nach oben revidiert – diese soll nun um 2,5 Millionen pro Tag über jener des Vorjahres liegen. Damit dürfte der globale Nachfragezuwachs komplett durch die Nicht-OPEC-Produktion gedeckt werden.

Der Bedarf an OPEC-Öl ist deshalb laut dem OPEC-Bericht um 1,1 Millionen Barrel pro Tag niedriger als im Vorjahr und sollte im nächsten Jahr um weitere 1 Million Barrel täglich fallen.

Brent zur Lieferung im Februar notiert aktuell bei 60,25 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 51,46 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick: Ölpreise in Bodenbildungsphase

Die Ölpreise dürften vorerst weiterhin einen Boden ausbilden.

Edelmetalle: Palladium im Aufwärtstrend

Der Palladiumpreis befindet sich in einem Aufwärtstrend und ist auch vergangene Woche weiter gestiegen.

Grund dafür ist generell die Erwartung einer hohen Nachfrage und zuletzt konkret auch die Meldung, wonach China kurz davor steht, die Zölle auf US-Autos von derzeit 40% auf 15% zu senken. Damit käme China den USA im Handelsstreit entgegen.

Dies könnte möglicherweise den derzeit schwachen chinesischen Automarktes wiederbeleben. Denn die im Juli auf 40% erhöhten Zölle auf US-Autos wurden an die Kunden weitergegeben. Seitdem entwickeln sich die Autoabsätze in China deutlich rückläufig.

Palladium handelt aktuell bei 1.222 US-Dollar pro Unze.

Palladiumpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick: Palladium mit Rückschlagrisiko

Der Palladiumpreis-Anstieg wird derzeit massiv spekulativ mitgetragen. Schon in der Woche zum 4. Dezember lagen die Netto-Long-Positionen bei Palladium laut CFTC-Statistik auf dem höchsten Stand seit über neun Monaten. Dementsprechend steigt das Rückschlagrisiko.

Industriemetalle: Kupfer richtungslos

Die Industriemetallpreise bewegten sich in der vergangenen Woche übergeordnet seitwärts. Grund dafür ist dass sich der Optimismus und der Pessimismus an den Märkten die Waage halten.

Zum einen schüren mögliche Fortschritte im Handelskonflikt zwischen China und den USA den Optimismus. Dazu gehören freundliche Worte des US-Präsidenten in Richtung China ebenso, wie mögliche Zugeständnisse Chinas an die USA durch eine Absenkung bestimmter Importzölle oder durch den Kauf von US-Sojabohnen.

Auf der anderen Seite stehen aber auch pessimistische Daten, wie aktuelle Konjunkturdaten aus China. So ist Chinas Industrieproduktion im November gemäß Daten des Nationalen Statistikbüros gegenüber dem Vorjahr zwar um 5,4% gewachsen, hat damit die Erwartungen aber deutlich verfehlt. Die Wachstumsrate ist zudem die schwächste seit zehn Jahren. Zudem lagen auch die Einzelhandelsumsätze klar hinter den Erwartungen. Dies schürt dann Sorgen in Bezug auf eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft.

Konjunkturmetall Kupfer bewegt sich seit September in einer Seitwärtsspanne und notiert aktuell bei 2,77 US-Dollar pro Pfund.

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Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick: Kupfermarkt im Wartemodus

Der Kupfermarkt wartet nach wie vor auf eine richtungsweisende Entwicklung, welche die künftige Nachfrage-Angebotssituation besser bestimmen lässt.

Agrarrohstoffe: Sojabohnen unter Gewinnmitnahmen

Die Preise für US-Sojabohnen haben die vergangene Woche etwas schwächer geschlossen als gestartet, nachdem es zum Ende der Woche zu Gewinnmitnahmen gekommen war. Zuvor waren die Preise weiter gestiegen.

Schon im Vorfeld hatte der Sojabohnenmarkt die künftigen Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelskonflikt als sehr optimistisch eingepreist. Als dann vergangene Woche bekannt gegeben wurde, dass China als erstes Zeichen des guten Willens die Einfuhr von US-Soja wieder aufnehmen wird, setzte dies Gewinnmitnahmen in Gang, welche die Sojabohnenpreise zum Ende der Woche etwas drückten.

China ist normalerweise der größte Abnehmer US-amerikanischer Sojabohnen. Aufgrund der Einfuhrzölle, welche China als Reaktion auf US-amerikanische Importzölle auf US-Sojabohnen verhängte, sind die US-Sojabohnenexporte nach China in 2018 aber um 98% gesunken. Dies machte sich auch schmerzlich für die US-Farmer in der Entwicklung der US-Sojabohnenpreise deutlich.

US-Sojabohnen zur Lieferung im Januar handelt aktuell bei 9,13 US-Dollar pro Scheffel.

Sojabohnen in USD/Scheffel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick: Sojabohnen mit Aufwärtspotenzial

Nun da China die Sojaimporte aus den USA wieder aufgenommen hat, dürften die Sojabohnenpreise weiter zulegen.

 

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Über den Autor
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Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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