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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 09.10.-16.10.2017: Goldpreis überverkauft – Erholung notwendig

Die Erdölpreise konnten in der vergangenen Woche wieder zulegen. Preisunterstützend wirkten vor allem eine Reihe von Ankündigungen und Prognosen seitens der OPEC. Aber auch die hurrikanbedingte Unterbrechung der US-Rohölproduktion trieb die Preise an.

Zu Beginn der vergangenen Woche erhielten die Preise deutlichen Auftrieb nachdem die Meldung verbreitet wurde, dass Saudi-Arabien seine Öllieferungen im November um 560.000 Barrel pro Tag auf 7,15 Millionen Barrel täglich reduzieren würde. Als Referenzgröße dienten dabei allerdings die von den Kunden nachgefragten Mengen und nicht die bisherigen Lieferungen. Nutzt man allerdings die tatsächlichen Exporte vom September als Referenzgröße, würde das Angebot um 450.000 bis 500.000 Barrel pro Tag steigen.

Schließlich legte die OPEC Mitte der vergangenen Woche weiter nach und erwartet nun für das kommende Jahr ein Angebotsdefizit für den weltweiten Ölmarkt. So soll der Bedarf an OPEC-Öl in 2018 auf 33 Millionen Barrel pro Tag steigen, was die aktuelle OPEC-Produktion um 300.000 Barrel pro Tag übertrifft. Grund dafür soll eine Abwärtsrevision der russischen Ölproduktion, sowie ein erneuter Gegenwind für die US-Schieferölproduktion sein.

Doch auch die aktuellen Lagerbestandsdaten aus den USA gaben den Ölpreisen Unterstützung. Dort hat Hurrikan Nate dafür gesorgt, dass zuletzt mehr als 90% der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko geschlossen worden waren. Das entspricht der dreifachen Menge dessen was bei Hurrikan Harvey geschlossen werden musste. Entsprechend vielen auch die jüngsten Daten aus: So ist die US-Rohölproduktion um 81.000 Barrel pro Tag gesunken. Die US-Rohöllagerbestände sanken in der vergangenen Woche um 2,75 Millionen Barrel.

Und auch aus China gab es preisunterstützende News zu vermelden. So hat das Land laut Daten der chinesischen Zollbehörde im September mit 9 Millionen Barrel pro Tag rund 1 Million Barrel Rohöl täglich mehr importiert als im August. Das entspricht der höchsten Importmenge seit 6 Monaten. Insgesamt lagen die Importe in den ersten 9 Monaten dieses Jahres um 12% über dem Vorjahr.

Brent zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 57,20 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 51,70 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Ölmarkt birgt die Gefahr von Rückschlägen. Der hurrikanbedingte Abbau der US-Rohöllagerbestände wird nur von kurzer Dauer sein. Dann bleiben die Einschätzungen der OPEC, die aber nicht sehr realistisch erscheinen. Beispielsweise revidierte die US-Energiebehörde erst letzte Woche ihre Produktionsprognose für nächstes Jahr um 80.000 Barrel pro Tag nach oben. Sie erwartet nun einen Anstieg der US-Rohölproduktion um 680.000 auf 9,92 Millionen Barrel pro Tag.

Und die IEA sieht den globalen Ölmarkt im nächsten Jahr ausgeglichen und erwartet 2018 keinen weiteren Lagerabbau mehr. Dabei unterstellt die IEA sogar, dass die Produktionskürzungen der OPEC und einiger Nicht-OPEC-Länder bis Ende 2018 (also über März 2018 hinaus) verlängert werden. Die Einschätzungen von EIA und IEA erscheinen deutlich realistischer als jene der OPEC, wo vor allem der Wunsch Vater des Gedankens sein dürfte.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis ist in der vergangenen Woche weiter gestiegen und hat seine zwischenzeitlichen Verluste wieder deutlich wett gemacht. Grund dafür ist eine Kombination aus wieder sinkenden Zinsanhebungserwartungen an die Fed, einem schwächeren US-Dollar und den geopolitischen Risiken.

Nachdem der Goldpreis vorletzte Woche als überverkauft galt, setzten wieder neue Käufe ein. Davon profitierten auch die ETFs die wieder Zuflüsse verbuchen konnten.

Überdies zeigte das zur Wochenmitte veröffentlichte Fed-Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank, dass inzwischen einige Fed-Mitglieder Sorge haben, dass die aktuell niedrige Inflation in den USA doch nicht nur vorübergehend ist und sprechen für eine langsamere Gangart aus. Damit wachsen nun wieder die Zweifel daran, dass die Zinsen im kommenden Jahr wirklich dreimal angehoben werden.

Das setzte auch den US-Dollar wieder unter Druck, der gegenüber dem Euro auf ein 2,5 Wochentief abgewertet hatte, was wiederum den Goldpreis unterstützte. Auch sinkende Anleiherenditen in den USA unterstützten den Goldpreis.

Ebenso boten die weiteren besorgniserregenden geopolitischen Entwicklungen der Goldnachfrage weitere Unterstützung. So gibt es weitere Probleme bei den EU-Austrittsverhandlungen zwischen UK und der EU. In Spanien grassieren weiterhin politische Unsicherheiten nach dem harschen Vorgehen der Regierung in Madrid gegenüber den Wählern beim Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien.

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA schwelt ebenfalls weiter (nun haben die USA zwei Langstreckenbomber über dem Japanischen Meer auf einen Übungsflug geschickt) und US-Präsident Trump hat am vergangenen Freitag das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt.

Gold handelt aktuell bei 1.303,30 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte angesichts der bestehenden Unsicherheiten weiterhin gut nach unten abgestützt bleiben.

Industriemetalle: Kupfer

Nach der chinesischen Feiertagswoche kehrten die chinesischen Händler letzte Woche wieder an die Märkte zurück. Insgesamt erhielten die Industriemetallpreise vergangene Woche Unterstützung, in einigen Märkten sind aber auch Gewinnmitnahmen zu verzeichnen.

So berichtete zwar die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) von einem Angebotsdefizit in Höhe von 287.000 Tonnen am globalen Zinkmarkt in den ersten acht Monaten des Jahres. Dieses lag damit rund 60.000 Tonnen höher als im letzten Jahr. Während das Angebot stagnierte, legte die Nachfrage im Jahresvergleich leicht zu.

Am globalen Bleimarkt blieb von Januar bis August laut ILZSG das Angebot um 119.000 Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Zur gleichen Zeit im Vorjahr bestand noch ein Überschuss von 49.000 Tonnen. Dennoch gaben Zink und auch Blei in der vergangenen Woche übergeordnet ab. Grund dafür dürften Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Preisanstieg in den letzten 2,5 Wochen sein.

Hingegen konnte der Kupferpreis im Wochenvergleich weiter zulegen. Laut Daten der chinesischen Zollbehörde sind die Kupferimporte im September mit 430.000 Tonnen auf ein 6-Monatshoch gestiegen. Die Einfuhren von Kupfererz und -konzentrat legten ebenfalls zu. Mit 1,47 Millionen Tonnen erreichten auch sie ein 6-Monatshoch. Ebenfalls sorgte ein Erdbeben im Norden Chiles für zwischenzeitliche Unterstützung, da Sorgen aufkamen, dass die Kupferminenproduktion im weltweit größten Kupferproduzentenland beeinträchtigt werden könnte.

Kupfer handelt aktuell bei 3,10 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Kupferpreis dürfte übergeordnet weiterhin Unterstützung erhalten. Zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen sind aber immer möglich.

Agrarrohstoffe: Kakao

Die Kakaopreise konnten in der vergangenen Woche deutlich zulegen. Grund dafür ist das  niedrige Preisniveau, welches sich belebend auf die Nachfrage auswirkt.

Laut Daten der Europäischen Kakaovereinigung stieg die Vermahlung in Europa im 3. Quartal auf 353.500 Tonnen. Sie lag damit 3% höher als im Vorjahr und übertraf auch die Markterwartungen eines Anstiegs um 2% auf 351.000 Tonnen.

Gleichzeitig war es die höchste in einem Quartal verarbeitete Menge seit sechs Jahren. Auch Malaysia meldetet für das 3.Quartal einen Anstieg der Verarbeitung um 4,7% gegenüber dem Vorjahr.

Die Internationale Kakaoorganisation ICCO revidierte bereits in ihrem letzten Quartalsbericht die Schätzung für den globalen Angebotsüberschuss im zu Ende gegangenen Erntejahr 2016/17 wegen einer höheren Nachfrage bereits etwas nach unten.

Die aktuellen Daten könnten eine nochmalige Aufwärtsrevision der Nachfrageschätzung zur Folge haben, da das 3. Quartal noch zum letzten Erntejahr zählt.

Kakao zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 2.085 US-Dollar pro Tonne an der ICE.

Kakaopreis in USD/Tonne in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Trotz der Aufwärtsrevision in der Nachfrage, dürfte sich am rekordhohen Angebotsüberschuss nicht viel ändern. Zwar wirkt Kakao inzwischen massiv überverkauft, doch die Nachfrage scheint in letzter Zeit hauptsächlich aufgrund der niedrigen Preise belebt zu haben. Vorerst sollte Kakao zwar zumindest nach unten gut abgestützt bleiben, sollten die Preise aber wieder zu stark ansteigen, besteht erneutes Rückschlagpotenzial.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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