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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 08.01.-15.01.2018: OPEC ist der hohe Ölpreis nicht geheuer

Die Ölpreise setzten in der vergangenen Woche ihren Höhenflug ungebremst weiter fort. Dabei reagiert der Markt fortlaufend nur auf preisunterstützende Nachrichten und blendet alles andere aus.

Preisunterstützend wirkte ein überraschender Rückgang der Bohraktivität in den USA. So ist die Zahl der aktiven Ölbohrungen in der letzten Woche um 5 gesunken.

Auch berichtete das US-Energieministerium von einem überraschenden Rückgang der US-Rohölproduktion in der vorvergangenen Woche um 290.000 Barrel pro Tag. Die US-Rohölbestände sanken zudem um knapp 5 Millionen Barrel.

Auch Äußerungen seitens der OPEC dass man auf Produktionsunterbrechungen erst dann  reagieren werde, wenn diese signifikant und dauerhaft sind, unterstützten die Ölpreise. Wichtig sind diese Aussagen vor allem in Bezug auf Venezuela. Dort sinkt die Ölproduktion schon seit Monaten und ist mittlerweile so niedrig wie zuletzt vor fast 30 Jahren, bei nur noch 1,8 Millionen Barrel pro Tag.

Venezuela kürzt seine Produktion damit fast dreimal so stark wie laut Kürzungsabkommen vorgesehen. Dieser starke Produktionsrückgang ist den finanziellen und wirtschaftlichen Problemen des Landes geschuldet. Zum Vergleich: Als vor 7 Jahren die Ölproduktion in Libyen aufgrund des Bürgerkrieges sank, glich die OPEC dies umgehend aus. Aktuell werden die Ausfälle in Venezuela aber wohl gerne in Kauf genommen.

Brent zur Lieferung im März notiert aktuell bei 69,81 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im März handelt aktuell bei 64,32 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Markt blendet derzeit sträflich die preisbelastenden News aus. Doch davon gibt es nicht wenige. Zum einen dürfte der aktuelle Rückgang der US-Rohölproduktion nur temporär sein, da das extreme Winterwetter die (Schiefer-)Ölproduktion insbesondere im Bakken-Vorkommen in Nord-Dakota erschwert hat. Auch der Rückgang der US-Rohöllagerbestände ist nur die halbe Wahrheit. Denn diesem stand allerdings ein deutlicher Lageraufbau bei Benzin und Destillaten von jeweils 4 Millionen Barrel gegenüber.

Die Raffinerien verarbeiteten also deutlich mehr Rohöl als benötigt. Und selbst der OPEC ist das aktuelle Preisniveau nicht mehr geheuer. So gab der Ölminister des Iran zur Protokoll, dass man in der OPEC nicht an einem Ölpreis von mehr als 60 USD interessiert sei. Das spricht zwar noch nicht für eine Aufhebung der Produktionskürzungen, aber doch dafür dass man sich in der OPEC durchaus des Verlustes von Marktanteilen an die US-Schieferölindustrie bewusst ist. Angesichts der rekordhohen Netto-Long-Positionen der Spekulanten ist mit Rückschlagpotenzial zu rechnen, sobald preisunterstützende Faktoren wegfallen.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis setzte seine Aufwärtsbewegung ebenfalls weiter fort in der vergangenen Woche und erreichte zum Ende der Woche fast ein 4-Monats-Hoch.

Unterstützend wirkte der schwache US-Dollar, der aufgrund der schwachen Inflation unter Druck steht. Eine geringe US-Inflation dürfte dazu führen, dass die Fed es nicht besonders eilig haben dürfte die Zinsen sehr aggressiv weiter anzuheben.

Auch scheinen die Märkte insgesamt weiterhin sehr selbstgefällig zu sein, wie die extrem niedrige Volatilität belegt. Dass aber ist oft ein Anzeichen für die Ruhe vor dem Sturm, weshalb Investoren immer mehr eine Absicherung in Form von Gold nachfragen.

Gold handelt aktuell bei 1.337,40 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte angesichts der vielfältigen makroökonomischen Faktoren gut unterstützt bleiben.

Industriemetalle: Zink

Der Zinkpreis ist in der vergangenen Woche weiter gestiegen. Grund dafür ist die Knappheit im Markt.

Den Daten der LME zufolge ist die Anzahl der sog. gekündigten Lagerscheine (cancelled warrants) bei Zink am vorvergangenen Freitag um über 150% auf rund 41.000 Tonnen gestiegen. Die gekündigten Lagerscheine zeigen an, wie viel Zink aus den Lagerhäusern zur Auslieferung angefordert wird. Damit stehen derzeit nur noch knapp 140.000 Tonnen Zink in den Lagerhäusern der LME frei zur Verfügung.

Schon im letzten Jahr wurden die LME-Zinkvorräte um 58% abgebaut – das entspricht einer Menge von 250.000 Tonnen.

Zink handelt aktuell bei 1,54 US-Dollar pro Pfund.

Zinkpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: infomine.com

Ausblick

Angesichts der Angebotsknappheit im Zinkmarkt, dürfte der Zinkpreis weiterhin gut unterstützt bleiben.

Agrarrohstoffe: Arabica Kaffee

Der Preis pro Pfund Arabica Kaffee hat in der vergangenen Woche erneut deutlich abgegeben. Grund dafür ist die jüngste Schätzung der Internationalen Kaffeeorganisation ICO.

So erwartet die ICO für die globale Kaffeeproduktion 2017/18 einen Zuwachs um 0,7% gegenüber Vorjahr dem auf 158,8 Millionen Sack. Dies entspricht einem neuen Rekord. Zwar soll die Arabica-Produktion leicht um 1,1% auf 97,3 Millionen Sack fallen, aber für die Robusta-Produktion wird ein Anstieg um 3,7% auf 61,5 Millionen Sack erwartet.

Die globale Nachfrage erwartet die ICO bei 157,6 Millionen Sack. Daraus ergibt sich für 2017/18 ein Überschuss in Höhe von knapp 1,2 Millionen Sack.

Arabica Kaffee zur Lieferung im März handelt aktuell bei 1,22 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Arabica-Kaffee in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der Überschusserwartungen dürften die Kaffeepreise vorerst gedämpft bleiben.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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