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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 05.02.-12.02.2018: USA produzieren immer mehr Öl

Die Ölpreise standen in der vergangenen Woche unter Druck und gaben deutlich ab. WTI sank dabei zum ersten Mal seit Dezember wieder unter die Marke von 60 US-Dollar pro Barrel.

Grund dafür ist in erster Linie eine deutliche Stimmungseintrübung an den Märkten generell. Auch die weltweiten Aktienmärkte stehen unter Druck. Damit wird deutlich, dass der starke Preisanstieg in den Wochen zuvor vor allem stimmungsgetrieben war. Dies lässt sich auch am kräftigen Anstieg der spekulativen Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI im Januar erkennen. Bei Brent stiegen diese in der Woche bis zum 30. Januar auf ein neues Rekordniveau. Bei WTI wurde das Rekordniveau von Mitte Januar nahezu wieder erreicht.

Auch die fundamentale Ausgangslage spricht eher für niedrigere Preise. So steigt die US-Ölproduktion dank der hohen Preise deutlich. Auch die Zahl der aktiven Ölbohrungen steigt weiter und zeigt die Fortsetzung des US-Schieferölbooms an. In der letzten Woche sind laut Baker Hughes die aktiven Ölbohrungen um weitere sechs auf 765 gestiegen. Damit nähert sich die Zahl wieder dem im August 2017 verzeichneten 2-Jahreshoch.

Dies schlägt sich auch in der weiterhin massiv steigenden US-Rohölproduktion wieder, wie die neuesten Prognosen der US-Energiebehörde EIA zeigen. Demnach soll die US-Rohölproduktion in diesem Jahr auf durchschnittlich 10,6 Millionen Barrel pro Tag steigen. Die bisherige Schätzung lag bei 10,3 Millionen Barrel pro Tag. Damit soll die Produktion in diesem Jahr um 1,3 Millionen Barrel pro Tag steigen. Auch das sind 300.000 Barrel pro Tag mehr als die bisherige Prognose.

Das Produktionsniveau von 11 Millionen Barrel pro Tag soll nun schon im 4. Quartal 2018 erreicht werden und damit ein Jahr früher als bislang erwartet. Damit werden die USA zum weltweit größten Rohölproduzenten. Außerdem erwartet die EIA, dass die USA bis 2022 und damit erstmals seit fast 70 Jahren zum Netto-Energieexporteur werden.

WTI zur Lieferung im März handelt aktuell bei 59,08 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent zur Lieferung im April notiert aktuell bei 62,71 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der massiv steigenden US-Ölproduktion kann keinesfalls von einem Gleichgewicht im Ölmarkt ausgegangen werden, sofern die OPEC nicht weiterhin freiwillig auf Marktanteile verzichtet. Derzeit profitiert die OPEC in diesem Zusammenhang noch von den unfreiwilligen Produktionsausfällen Venezuelas. Wie lange das aber noch der Fall sein wird ist fraglich.

Edelmetalle: Gold

Gold fungierte in der vergangenen Woche zunächst wie zu erwarten war als sicherer Hafen. Standen die Aktienmärkte unter Druck legte der Goldpreis zu.

Schließlich kam es in der vergangenen Woche allerdings zu Gewinnmitnahmen im Goldpreis. Aufgrund guter Arbeitsmarktdaten steigen die Chancen auf eine weitere Zinsanhebung der US-Notenbank Fed auf ihrer nächsten Sitzung im März. In Reaktion auf die Daten stieg die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und der US-Dollar wertete auf, was wiederum die Edelmetalle belastete.

Gold handelt aktuell bei 1.315,70 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte in seiner Funktion als sicherer Hafen weiterhin Unterstützung finden.

Industriemetalle: Zinn

Auch die Industriemetallpreise haben in der vergangenen Woche übergeordnet abgegeben. Auch hier wirkten zum einen schwache Aktienmärkte, zum anderen aber auch ein stärkerer Dollar preisdrückend.

Vergleichsweise fest dagegen konnte sich Zinn halten. Laut Daten des indonesischen Handelsministeriums hat Indonesien im Januar nur rund 4.500 Tonnen Zinn exportiert. Das entspricht einem Rückgang von 35% gegenüber dem Vorjahr und ist die geringste Menge seit Juni. Dies dürfte mit zum starken Preisanstieg von Zinn beigetragen haben und ist auch der Grund für den Abbau der LME-Zinnbestände im letzten Monat.

Zinn handelt aktuell bei 9,77 US-Dollar pro Pfund.

Zinnpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

Quelle: infomine.com

Ausblick

Der Zinnpreis dürfte weiterhin gut nach unten abgestützt bleiben.

Agrarrohstoffe: Zucker

Auch die Zuckerpreise gaben im Wochenvergleich ab, aufgrund eines stärkeren Dollars und allgemeiner Stimmungseintrübung.

Zur Wochenmitte erhielten die Zuckerpreise allerdings zwischenzeitlich Unterstützung, nachdem bekannt wurde, dass die indische Regierung die Importsteuern auf Zucker um 100% angehoben hat und zudem plant die Zuckermühlen anzuordnen 83% ihrer Zuckerbestände bis Ende Februar zurückzuhalten und 88% ihrer Bestände bis Ende März. Dadurch soll ein weiterer Rückgang der Zuckerpreise verhindert werden.

Auch in Brasilien scheint sich derzeit abzuzeichnen, dass wieder verstärkt Zuckerrohr zu Ethanol verarbeitet wird, zu Ungunsten von Zucker. Der Grund ist auch die Zuckerpreise aufrecht zu erhalten.

Zucker zur Lieferung im März handelt aktuell bei 13,69 US-Cent pro Pfund an der ICE.

Zuckerpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Es bleibt abzuwarten ob die Maßnahmen kurzfristig von Erfolg zeugen. Mittelfristig besteht aber dennoch Aufholpotenzial.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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