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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 04.12.-11.12.2017: Goldpreis charttechnisch unter Druck

Wieder war die vergangene Woche von hoher Volatilität in den Ölpreisen gekennzeichnet. Bis zur Wochenmitte erlebten die Ölpreise zunächst deutliche Kursrückgänge, konnten sich zum Ende der vergangenen Woche aber wieder deutlich erholen. Brent notiert im Wochenvergleich sogar leicht im Gewinn.

Der schwache Start in die vergangene Woche dürfte maßgeblich auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen gewesen sein. Da die Spekulanten eine rekordhohe Netto-Long-Position halten, können kurzfristig belastende News wie die Wiedereröffnung der Keystone-Pipeline von Kanada in die USA zu massiven Gewinnmitnahmen führen.

Belastend wirkten zudem die Nachrichten aus den USA zur Bohraktivität. Dort tun die hohen Ölpreise erneut ihr Übriges und sorgen für eine wachsende Anzahl aktiver Bohrungen. Diese sind laut Baker Hughes in der vorvergangenen Woche die dritte Woche in den letzten 4 Wochen gestiegen. Und auch die US-Rohölproduktion liegt weiterhin auf Rekordniveau bei 9,7 Millionen Barrel pro Tag.

Für den Beginn der Erholung in der letzten Woche sorgten dann ein deutlicher Abbau der US-Rohöllagerbestände um 5,6 Millionen Barrel, sowie die Nachricht, dass die OPEC laut Umfragen von Reuters und Bloomberg derzeit die Produktionskürzungen übererfüllt.

Ebenfalls preisunterstützend sind die jüngsten Importdaten aus China. Wie die chinesische Zollbehörde berichtete, hat China im November rund 9 Millionen Barrel Rohöl pro Tag importiert. Das entspricht einem Anstieg von 23% gegenüber dem Vormonat und ist zugleich der zweithöchste Monatswert aller Zeiten.

In den ersten 11 Monaten sind die Rohölimporte damit um 12% gegenüber der Vorjahresperiode auf 8,46 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. China wird damit die USA in diesem Jahr als weltgrößter Rohölimporteur ablösen.

Brent zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 63,39 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Februar notiert aktuell bei 57,43 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

So lange die Spekulanten weiterhin an ihrem starken Optimismus festhalten, dürften die Rohölpreise zwar vor erhöhter Volatilität nicht gefeit sein, jedoch aber gut nach unten abgestützt bleiben. Dies könnte sich ändern, wenn auch eine Verlängerung der OPEC-Produktionskürzungen nicht zu einem nachhaltigen Abbau der Lagerbestände führt.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis gab auch in der vergangenen Woche weiter ab. Erneut sank der Goldpreis im Umfeld sinkender Aktienmärkte und Anleiherenditen. Auch ein stärkerer US-Dollar und die charttechnische Situation belasten den Goldpreis. Nach dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie kam es zu Anschlussverkäufen.

Auch hat Indien im November deutlich weniger Gold als im Vorjahr importiert. Einem Bloomberg-Bericht zufolge, sind die Importe um 18% auf 91,5 Tonnen gesunken. Nach dem „Diwali“-Feiertag im Oktober hat die Goldnachfrage in Indien offenbar merklich nachgelassen. Dafür dürfte der gestiegene Goldpreis ausschlaggebend sein.

Gold handelt aktuell bei 1.248,20 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Angesichts der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken, der überaus niedrigen Realzinsen und fortgesetzten politischen Unsicherheiten dürfte Gold weiterhin nachgefragt werden. Rücksetzer bieten Kaufgelegenheiten.

Industriemetalle: Kupfer

Gewinnmitnahmen der Spekulanten und Sorgen in Bezug auf die Entwicklung in China hatten die Industriemetallpreise zu Beginn der Woche unter Druck gesetzt. Auch charttechnische Anschlussverkäufe nach Unterschreiten wichtiger Marken, wie bei Kupfer das Unterschreiten der 100-Tage-Linie, taten ihr Übriges.

Der Kupferpreis erhielt zusätzlichen Druck aufgrund der jüngsten Nachrichten aus Chile. Dort hat sich die Kupferproduktion mittlerweile vollständig von den streikbedingten Ausfällen im Februar und März erholt. Den Daten des nationalen Statistikinstituts INE zufolge hat Chile im Oktober rund 513.000 Tonnen Kupfer produziert. Das entspricht einem Anstieg von 13% gegenüber dem Vorjahr. Zugleich ist das die bislang höchste in einem Monat produzierte Menge in diesem Jahr. Zwar verringert sich seit 2 Monaten der Rückstand gegenüber dem Vorjahr, jedoch dürfte dieser bis zum Jahresende nicht mehr komplett wettgemacht werden können.

Zum Ende der vergangenen Woche erholte sich der Kupferpreis wieder leicht, nachdem die chinesische Zollbehörde von hohen Kupferimporten für November berichtet hatte.  So sind die Kupfereinfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 24% auf 470.000 Tonnen gestiegen. Dies entspricht der bislang höchsten Menge in einem Monat in diesem Jahr. Auch die Importe von Kupferkonzentrat sind im November auf ein Rekordhoch von 1,78 Millionen Tonnen gestiegen sind. Dies deutet auf eine anhaltend hohe Produktion von Kupferraffinade in China hin.

Kupfer handelt aktuell bei 2,96 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Aufgrund der hohen Netto-Long-Position der Spekulanten ist durchaus mit zwischenzeitlichen Rücksetzern bei Gewinnmitnahmen und erhöhter Volatilität im Kupferpreis zu rechnen. Mittelfristig dürfte der Kupferpreis aber gut unterstütz bleiben.

Agrarrohstoffe: Kaffee

Die Kaffeepreise brachen in der vergangenen Woche noch einmal nach unten aus, nachdem die Internationale Kaffeeorganisation ICO für 2016/17 statt eines Defizits doch einen leichten Überschuss meldete. Das macht die Ausgangslage für 2017/18 entspannter.

Dennoch wird eigentlich für 2017/18 ein Defizit erwartet aufgrund der enttäuschenden Ernte in Brasilien.

Allerdings richtet der Markt bereit seinen Fokus auf 2018/19. Für das kommende Erntejahr wird für die nächste brasilianische Ernte ein Hochertragsjahr erwartet. Damit könnte der Markt im kommenden Erntejahr in einen Überschuss rutschen.

Arabica-Kaffee zur Lieferung im März handelt aktuell bei 1,22 US-Dollar pro Pfund.

Arabica-Kaffeepreis in der letzten Woche in USD/Pfund

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Es bleibt abzuwarten, wie sich das kommende Erntejahr tatsächlich entwickelt. Sollten sich die Erwartungen an das Hochertragsjahr nicht ganz bestätigen besteht durchaus Aufwärtspotenzial. Nach unten sollten die Kaffeepreis abgestützt bleiben, aufgrund der aktuell ins Stocken geratenen globalen Kaffeeexporte, sowie des Rückgangs der Kaffeelagerbestände in den Produzentenländern.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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