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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 02.01.-08.01.2018: Öl und Gold starten stark ins neue Jahr

Die Ölpreise sind überaus stark in das neue Jahr gestartet. Sowohl Brent, als auch WTI erreichten dabei zu Beginn der vergangenen Handelswoche ein 2,5-Jahreshoch.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen wirkten positive Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA unterstützend, aber auch da überaus kalte Wetter an der US-Ostküste. Dadurch steigt die Nachfrage nach Mitteldestillaten.

Zudem sind die US-Rohöllagerbestände in der vorvergangenen Woche laut US-Energieministerium um 7,4 Millionen Barrel gesunken. Grund dafür ist eine deutlich gestiegene Rohölverarbeitung, die fast das Rekordniveau vom August 2017 erreicht hatte. Für die US-Raffinerien besteht zum Jahresende generell der Anreiz aus Gründen der Steuerersparnis mehr Rohöl zu verarbeiten.

Dies führte allerdings zu steigenden Benzin- und Destillatsbeständen. So stiegen die Benzinbestände um 4,8 Millionen Barrel, die Destillatsbestände sogar um deutliche 8,9 Millionen Barrel.

Nicht zuletzt führen die Unruhen im Iran zu einer Einpreisung einer Risikoprämie. Meldungen, wonach die Unruhen keinen Einfluss auf die Ölproduktion hätten, wurden weitestgehend ignoriert. Dagegen führte die Stationierung von Truppen der Revolutionsgarden in den Unruhegebieten zu einem deutlichen Preisanstieg.

Auch die weiterhin hohe Disziplin der OPEC bei der Umsetzung der Produktionskürzungen unterstützt den Preisanstieg. Laut Bloomberg lag die OPEC-Rohölproduktion im Dezember konstant bei 32,47 Millionen Barrel pro Tag. Die 12 an dem Kürzungsabkommen beteiligten Länder setzten die Kürzungen im Dezember damit unverändert zu 121% um.

Brent zur Lieferung im März handelt aktuell bei 67,79 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im März notiert aktuell bei 61,64 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreise in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Zwar ist durchaus als positiv zu werten, dass sich die Öl produzierenden Staaten an das Kürzungsabkommen halten und auch die Unruhen im Iran erfordern aufgrund der Unsicherheit eine Risikoprämie in den Ölpreisen. Jedoch ist ein nicht unwesentlicher Grund für den Preisanstieg Ende letzten Jahres inzwischen nicht mehr relevant: die geschlossene Forties-Pipeline in der Nordsee ist inzwischen wieder in Betrieb und angesichts dessen, dass die Raffinerien nun wieder weniger Rohöl verarbeiten dürfen ist zudem wieder mit steigenden US-Rohöllagerbeständen zu rechnen. Hinzu kommt, dass die Spekulanten rekordhohe Netto-Long-Positionen eingegangen sind. Das birgt Rückschlagpotenzial, sobald einer der preisstützenden Gründe an Wirkung verliert.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis setzte seinen deutlichen Anstieg seit Mitte Dezember auch im neuen Jahr weiter fort und erreichte vergangenen Woche ein 3,5-Monatshoch.

Unterstützung erhielt der Goldpreis vom schwachen US-Dollar, der deutlich gegenüber den anderen Währungen abwertete. Der handelsgewichtete Dollar-Index war Ende letzten Jahres auf ein 3-Monatstief gefallen.

Das Überschreiten der charttechnisch bedeutsamen 200-Tage-Linie und kurze Zeit später auch der 100-Tage-Linie gaben dem Goldpreis zusätzliche Unterstützung. Der Goldpreis stieg damit auch wieder über die psychologisch wichtige Marke von 1.300 US-Dollar je Feinunze.

Auch die Spekulanten waren am jüngsten Preisanstieg beteiligt. Gemäß CFTC-Statistik haben sie ihre Netto-Long-Positionen seit Mitte Dezember um über 40% ausgeweitet.

Dagegen blieben die ETF-Bestände zuletzt konstant. Immerhin verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs im letzten Jahr insgesamt Zuflüsse von 230 Tonnen.

Gold handelt aktuell bei 1.318,80 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte angesichts der bestehenden Risikofaktoren und der zu erwartenden anhaltenden Dollar-Schwäche weiterhin Unterstützung finden.

Industriemetalle: Kupfer

Die Industriemetallpreise starteten stabil ins neue Jahr, nachdem sie das vergangene Jahr als einige der stärksten Performer abgeschlossen hatten.

Grund dafür ist auch eine weiterhin starke chinesische Wirtschaft. So zeigen die jüngsten Daten aus China, dass die chinesische Industrie im vergangenen Jahr weiterhin gewachsen ist. Der von Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) im Dezember ist entgegen den Erwartungen auf 51,5 gestiegen und hat mit dem offiziellen PMI fast gleichgezogen.

Im Falle von Kupfer dämpfen Nachrichten aus Chile den Jahresstart ein wenig. Wie die chilenische Statistikbehörde INE kurz vor Jahresschluss mitteilte, wurden im November knapp 506.000 Tonnen Kupfer produziert. Das entspricht einem Anstieg von 4,8% gegenüber dem Vorjahr.

Grund dafür ist eine Ausweitung der Produktion in der „Escondida“-Mine, der weltweit größten Kupfermine. Dort wurde eine erneuerte Verarbeitungsanlage wieder in Betrieb genommen.

Jedoch liegt die chilenische Kupferproduktion aufgrund des sehr langen Streiks im Frühling 2017 mit 1,4% unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Dieser Rückstand wird auch nicht mehr vollständig aufgeholt werden können.

Kupfer handelt aktuell bei 3,20 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Gemäß Aussagen der chilenischen Kupferkommission Cochilco soll die Kupferproduktion in diesem Jahr dank neuer Verarbeitungskapazitäten in der „Escondida“-Mine auf 5,755 Millionen Tonnen gesteigert werden. Dies könnte sich allerdings als überaus schwierig erweisen, denn für die Arbeiter in der „Escondida“-Mine muss bis Mitte des Jahres ein neuer Tarifvertrag ausgehandelt werden. Dies birgt erneut Streik- und Ausfallrisiken. Daneben laufen in einigen weiteren großen Kupferminen in Chile in diesem Jahr ebenfalls die Tarifverträge aus. Aufgrund einer Änderung des chilenischen Arbeitsrechts im letzten Jahr sind die Arbeiter bzw. Gewerkschaften nun besser gestellt, was für sehr harte Verhandlungen und Druck seitens der Gewerkschaften spricht.

Agrarrohstoffe: Arabica Kaffee

Der Kaffeepreis startete verhalten ins neue Jahr, nachdem der Preis zuvor vom Tief am 12. Dezember bis zum 03. Januar um über 10% zugelegt hatte.

Ein Gutteil der Preisbewegung zum Jahresende dürfte auf Short-Eindeckungen zurückzuführen sein. Denn Ende Dezember hielten die Spekulanten eine rekordhohe Netto-Short-Position.

Unterstützend für die Arabica-Preise wirkte hingegen die deutliche Aufwertung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar. Denn dadurch wird es für brasilianische Exporteure weniger attraktiv den Kaffee im Ausland zu verkaufen.

Geringere Kaffeelieferungen aus Brasilien würden zu einem Abbau der sehr hohen Bestände in den Verbrauchsländern führen. Vor allem auch, wenn die hohen Erwartungen an die kommende Kaffeeernte in Brasilien nicht erfüllt werden können.

Arabica-Kaffee zur Lieferung im März handelt aktuell bei 1,28 US-Dollar pro Pfund an der ICE.

Arabica-Kaffee in USD/Pfund in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Kaffee könnte noch weitere Überraschungspotenzial nach oben bieten.

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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