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Inflation springt an – das sind die Ursachen

Gestern hatte ich das Thema „Zinsen“ für Sie analysiert und war zum dem Schluss gekommen, dass die Zinswende sowohl in den USA als auch in Europa nicht mehr aufzuhalten ist. Ungeachtet gegenteiliger Beteuerungen diverser Notenbanker, dass die Zinsen für einen ausgedehnten Zeitraum niedrig bleiben werden. Das werden sie eben nicht.

Heute möchte ich Ihnen zeigen, warum das so ist. Ganz einfach: Die seit Jahren totgesagte Inflation springt an. Sie speist sich aus mehreren Quellen: Lohninflation, Anstieg der Rohstoffpreise und abnehmendes Vertrauen in die Rückzahlbarkeit der Schulden. Im Einzelnen:

Lohninflation

In den USA herrscht mit 5 % Arbeitslosenquote das, was die US-Notenbank als Vollbeschäftigung bezeichnet. An Fachkräften mangelt es in vielen Bereichen. Die Folge: Die Unternehmen können sich nur noch gegenseitig die Fachkräfte abwerben, was üblicherweise über höhere Lohnagebote geschieht.

Die Löhne steigen somit auf breiter Front. Die Folge ist eine seit der Finanzkrise nicht mehr gesehene Lohninflation. Zuletzt lag diese bei 2,8 Prozent. Üblicherweise fließen Löhne in den Konsum. Zumal in den USA, wo die Sparquote seit jeher niedrig ist.

Mit einer gewissen Zeitverzögerung wird die Lohninflation also in Kürze bei der „echten“ Inflation ankommen. Die Inflationserwartungen in den USA liegen bereits nahezu auf dem Niveau der gegenwärtigen Lohninflation.

Die US-Notenbank muss hier mit steigenden Zinsen gegensteuern, da diese erst mit mehrmonatiger Zeitverzögerung wirken. Tut sie es nicht (etwa, weil sie das immer noch schwache Wirtschaftswachstum nicht abwürgen möchte) hat sie bald ein sattes Inflationsproblem mit Raten jenseits der 3%.

Anstieg der Rohstoffpreise

Seit Jahresbeginn 2016 steigen die Rohstoffpreise nach mehrjähriger Baisse wieder (und zwar nicht nur Öl und Gold). Seit dem Sommer ist hier zwar wieder etwas Ruhe eingekehrt. Doch die charttechnischen Muster (siehe Chart unten) zeigen, dass es sich hier lediglich um eine Konsolidierung vor dem nächsten großen Aufwärtsschub handelt. Ziehen die Rohstoffpreise wieder an, ist endgültig klar, dass die deflationäre Baisse der letzten Jahre beendet ist.

Allein diese ist die Ursache dafür, dass die rekordhohe Gelddruckerei der Notenbanken bisher folgenlos blieb. Künftig wird jede Währung zerstört werden, deren Notenbank nichts oder zu wenig gegen die Inflation unternimmt. Einen Vorgeschmack darauf sehen wir derzeit beim Euro, der gegen den US-Dollar allein seit dem Frühjahr von 1,16 auf nur noch 1,06 und damit in die Nähe von Mehrjahrestiefs gefallen ist. Die EZB wird reagieren müssen, wenn sie keinen Euro-Kollaps riskieren möchte

Abnehmendes Vertrauen in die Rückzahlbarkeit der Schulden

Zuletzt „rentierten“ zehnjährige deutsche Bundesanliehen mit minus 0,2 Prozent. Die Anleger (u.a. große Versicherer und Pensionsfonds) zahlten also noch Geld dafür, deutsche Staatsschulden halten zu dürfen. Was für ein Schwachsinn! Der Spuk war wie erwartet aber nur von kurzer Dauer. Künftig wird der Markt wieder darauf achten, ob die riesige Schuldenberge überhaupt noch rückzahlbar sind.

US-Präsident Trump wird in den kommenden Jahren seiner Amtszeit die Rekordverschuldung, die ihm sein Amtsvorgänger Obama hinterlässt, wahrscheinlich noch deutlich weiter ausbauen. Sein Kalkül: Schiebe mit neuen Schulden und Steuersenkungen das Wachstum an, bis sich (hoffentlich) ein selbsttragender Aufschwung ergibt. Trump pokert hoch.

Geht die Sache schief, steht am Ende die Staatspleite, wenn niemand mehr in US-Schuldtitel investieren will. Geht die Rechnung auf, kommen die Ausgaben über zusätzliches Wachstum wieder herein. Da das Ergebnis offen ist, wird die Bonität der USA und aller anderen Staatsschuldner in den kommenden Jahren wieder ein heißes Thema an den Finanzmärkten.

Die Verlierer sind Europas Märkte

Zumal in Europa, wo die alte Garde keinerlei neue Ansätze mehr zu liefern vermag. Mehr als Geld drucken haben Draghi & Co. offenbar nicht gelernt. Unterdessen wir die Bilanz der EZB immer länger und riskanter. Sie dürfte bereits die größte Bad Bank der Welt sein.

Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in den Euro massiv. Die jüngste Kapitalflucht wurde von den europäischen Aktienmärkten noch nicht einmal thematisiert. Gut möglich, dass es zu Jahresbeginn 2017 ein böses Erwachen gibt.

Ein schwacher Euro bedeutet aber auch: Wir importieren Inflation. Niedrigzinsen werden daher auch in Europa bald Geschichte sein. Der Anleihenmarkt am langen Ende preist dies bereits ein.

Unter diesen Umständen halte ich Aktienanlagen in Europa für keine gute Idee. Steigende Zinsen und importierte Inflation ohne neue Wachstumsperspektiven sind Gift für all jene Unternehmen, die nicht genügend Umsätze im Ausland erwirtschaften können.

US-Aktien hingegen dürfte die expansive Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten in den kommenden Jahren samt relativ starker Währung noch einmal zu einer (letzten?) Blüte verhelfen.

Wobei der Aktienmarkt die Möglichkeiten dieser neuen Agenda noch nicht einmal ansatzweise eingepreist hat.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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