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Ifo-Index: Noch immer kein großer Aufschwung in Sicht

In dieser Woche habe ich mich mehrfach über die Wachstumsaussichten großer westlicher Volkswirtschaften (USA, Deutschland, UK, Italien) ausgelassen. Auch über die Rolle der Politik dabei. Höchst interessant sind also aktuelle Zahlen zu diesem Thema.

Wie etwa der gestern veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex, ein bekannter Indikator, der den Zustand der deutschen Wirtschaft recht gut abbildet.

Der ifo-Geschäftsklimaindex ging im November leicht von 110,5 Punkten im Vormonat auf jetzt 110,4 Punkte zurück, während Volkswirte keine Veränderung erwartet hatten. Die bloße Zahl wird Ihnen nicht sagen, also ordne ich diese für Sie ein: Das absolute Niveau des Indexes ist einigermaßen zufriedenstellend, die jüngste Stagnation unkritisch.

Ifo-Geschäftsklimaindex stagniert – schon seit fast 6 Jahren!

Schauen wir uns die Entwicklung über einen längeren Zeitraum an, so zeigt sich allerdings: Der Index robbt seit Jahren nur seitwärts. Nach dem Finanzkrisentief Ende 2008 ging es zwar von nur 85 Punkten zügig aufwärts bis auf fast 115 Punkte Anfang 2011. Alles, was danach kam, spielte sich jedoch deutlich unter diesem Niveau ab.

Die Eurokrise lies den Index bis Mitte 2012 wieder auf 100 Punkte einbrechen, Seither haben wir die immer noch anhaltende Seitwärtsbewegung zwischen ca. 100 und 111 Punkten. Der ifo-Index notiert derzeit am oberen Ende dieser Spanne.

Kann er sich jetzt nicht deutlich nach oben absetzen, wird es bei dem mauen Wachstum der deutschen Wirtschaft bleiben. In den letzten Jahren wechselten sich kleine zyklische Aufschwünge mit kleinen zyklischen Abschwüngen ab. Ich sehe kein Ende dieser Entwicklung und damit auch kein nachhaltiges Wachstum.

Zu wenig tragfähige Säulen für einen Aufschwung

Einzige tragende Säule des derzeitigen Wachstums ist die Bauwirtschaft, während Industrie, Groß- und Einzelhandel (wie schon seit Jahren) stagnieren. Der seit Mitte 2015 anhaltende Boom der Bauwirtschaft dürfte jedoch einen herben Dämpfer erfahren, wenn staatliche Ausgaben für Flüchtlingsunterkünfte wieder zurückgefahren werden und die EZB ihre Niedrigzinspolitik beenden muss.

Die Industrie fürchtet hingen bereits um ihre Exporte unter dem neuen, protektionistisch eingestellten US-Präsidenten. Wie lange der Konsum den Groß- und Einzelhandel noch oben zu halten vermag, ist offen. Steuerentlastungen etwa, die den Konsum beflügeln könnten, sind nicht in Sicht. In allen Bereichen fehlt es in der Wirtschaft an Investitionen, was künftiges Wachstum bremsen dürfte. Die deutschen Exporte werden künftig wieder stärker unter dem Abschwung in den Schwellenländern leiden, die wiederum durch die jüngste, massive Dollaraufwertung Probleme bekommen.

DAX-Bewertungsabschlag wird erhalten bleiben

Kurzum: Ich sehe keine nachhaltig positive Entwicklung in der deutschen Wirtschaft. Und somit auch kein nachhaltiges Aufwärtspotenzial für den DAX. Dieser verfügt zwar über einen enormen Bewertungsabschlag im Vergleich etwa zum US-Markt.

Das heißt aber nicht, dass sich dieser Abschlag zugunsten des DAX auflösen wird. Im Gegenteil: Solange ausländische Investoren Währungsverluste durch den schwachen Euro fürchten müssen UND keine Wachstumsfantasie geliefert bekommen, werden sie weiter Anlagen in Europa und Deutschland meiden. Das war die Entwicklung der letzten Jahre. Und das wird sie in den kommenden Jahren sein. Es sei denn, wir bekämen frischen Wind in die Politik.

Doch diese Hoffnung hat sich spätestens mit dem lustlosen erneut-Antritt Merkels zur Bundestagswahl 2017 wieder zerschlagen. Entsprechend müde fiel die Börsenreaktion aus. So müde wie die jüngsten Wachstumsdaten der deutschen Wirtschaft: BIP-Wachstum im dritte Quartal 2016 +0,2 % nach +0,4% im Vorquartal.

Tendenz: Im kommenden Jahr eher fallend. Sein, so wird das wirklich nichts mit dem DAX. Und eine sich weiter auflösende EU (UK, dann Italien? Noch jemand ohne?) wird die Aussichten sicher nicht verbessern.

Wachstumsfantasie vor allem an den US-Börsen

Glücklicherweise gibt es andere Börsen mit reichlich Wachstumsfantasie. Klar ist: Niemand weiß, ob die Wachstumspläne des neuen US-Präsidenten Trump wirklich fruchten werden. Die US-Börsen haben zuletzt reichlich Vorschusslorbeeren verteilt (S&P 500 +6 % auf neue Allzeithochs binnen zwei Wochen!).

ABER: Eine eindeutige Börsenreaktion auf eine Präsidentenwahl hat IMMER die Tendenz, sich fortzusetzen. Hier handelt es sich NICHT um die üblichen politischen Börsen auf ein Einmalereignis, die zu kurzen Beinen führen. Denn mit Trump werden die Märkte die nächsten vier Jahre leben müssen. Von daher gehe ich davon aus, dass sich die US-Börsenrally in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Wenn auch nicht in dem zuletzt vorgelegten Tempo.

Kapital fließt immer in die Richtung, wo die besten Bedingungen herrschen. In den USA gibt’s höhere Zinsen, künftig niedrigere Steuern und mehr Wachstum. Wer bietet mehr? Deutschland sicher nicht.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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