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EZB-Vorbild Venezuela?

Die EZB wird im worst case offenbar ohne jede Skrupel die Druckerpresse einsetzen, um eine Pleite zu verhindern. Sie riskiert damit eine Hyperinflation samt nachfolgendem Währungskollaps und eine totale Verarmung der Bürger der Eurozone.

Das aktuelle Beispiel Venezuela zeigt, wie so etwas in der Praxis aussieht. Das südamerikanische Land ist eigentlich reich, denn es verfügt über die größten Ölreserven der Welt. Die Misswirtschaft des sozialistischen Präsidenten Maduro hat es jedoch zugrunde gerichtet.

Aktuell 700% Inflation

Die Inflationsrate in Venezuela wird derzeit auf etwa 700 % pro Jahr geschätzt. Genaue Zahlen gibt es nicht. Dollar-Rechnungen (z.B. in Hotels) werden mit Tüten voller Geldscheine beglichen, da der Wechselkurs bei einer Kreditkartenzahlung viel schlechter wäre.

Die Regierung bringt immer größere Geldscheine heraus, um die Papierflut einzudämmen. Da diese sich direkt aus der Notenpresse bedient, wird das Inflationsproblem damit aber nur noch größer. Die Geldmenge verdoppelt sich derzeit alle 5 Monate.

Aktuell schwankt der Wechselkurs des venezolanischen Bolivar zwischen 10.000 und 20.000 zum US-Dollar. Da dem Land Devisen fehlen, können notwendige Importe nicht vorgenommen werden. Viele Güter sind Mangelware.

„Maduro-Diät“ nennen die Venezolaner die steigende Mangel- und Unterernährung. Nach einer Umfrage hatten drei Viertel der Venezolaner im Jahr 2016 durchschnittlich 8 Kilogramm Körpergewicht verloren.

Hervorragender Schutz gegen Inflation

Doch es gibt ein probates Mittel, um diesem Teufelskreis zu entgehen.

Wer es sich leisten kann (das ist der Knackpunkt!), parkt sein Geld in Aktien. Die Verbraucherpreise steigen rasant an. Die Aktienkurse kompensieren dies. Aktien sind so liquide, dass sie bei Bedarf wieder schnell zu Geld gemacht werden können.

Der venezolanische Leitindex ist in den vergangenen 12 Monaten um 1571% gestiegen. Damit haben die einheimischen Aktien den Anstieg beim Verbraucherpreisindex um „nur“ 700% mehr als wett gemacht. Sie boten bisher also einen hervorragenden Schutz vor der Hyperinflation.

Kaufkraftverlust im Ausland bleibt dennoch

ABER: In Hartwährung (zum Beispiel US-Dollar) gerechnet, sieht die Sache anders aus. Wegen dem gleichzeitigen Währungszerfall durch die Gelddruckerei der Sozialisten verbleibt hier von der ganzen schönen Rendite nichts übrig.

Kursgewinne werden ja immer in Heimatwährung abgerechnet – und die verliert dramatisch an Wert. Auf Sicht der letzten drei Jahre entsteht sogar ein dramatischer Verlust von 82%.

Für ausländische Spekulanten wäre der venezolanische Index also ein Grab für das investierte Kapital geworden. Einen echten Vermögenszuwachs haben auch die einheimischen Anleger nicht erzielen können.

Immerhin: Diese sind vor der Hyperinflation sicher. Und das ist es, was uns das Beispiel Venezuela lehren kann. Sie müssen in Sachwerten (Aktien und Gold) sein, bevor es zur Hyperinflation kommt.

Und weil Sie mit Aktien ganz hübsche laufende Gewinne erwirtschaften können, die Ihnen keine andere Anlageform bietet, gilt diese Devise natürlich auch dann, wenn die Gefahr einer Hyperinflation nicht gravierend ist.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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