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EZB: Anleihen mit Laufzeit bis 2199

Interessanterweise sind Banken und Politik offenbar unfähig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Gerade erst hat der ewige Pleitestaat Argentinien (acht Staatspleiten in den vergangenen 200 Jahren!) Mitte 2017 wieder eine hundertjährige Anleihe ausgegeben.

Pleitestaat Argentinien begibt Ultralangläufer

Trotz der langen Laufzeit (mehr als ein Menscheneben) und der schlechten Reputation Argentiniens als Schuldner konnte die Anleihe im Volumen von 2,75 Mrd. US-Dollar spielend (dreifache Überzeichnung) am Kapitalmarkt platzieret werden (für Interessenten die WKN: A19J68, Fälligkeit: 28. Juni 2117).

Der Krisenstaat handelt damit äußerst clever, da er sich das aktuell niedrige Zinsniveau für eine extrem lange Zeit sichert.

Worin die Cleverness der Anleihenkäufer bei durchschnittlich 4 Staatspleiten pro Jahrhundert im Falle Argentiniens bestehen soll, erschließt sich mir nicht einmal auf den zweiten Blick. Das Geld wird höchstwahrscheinlich nie zurückgezahlt werden.

Extreme Laufzeiten auch in der Eurozone

Dabei ist die Idee solcher Ultra-Langläufer gar nicht so neu. Frankreich brachte bereits 2005 eine ultralanglaufende Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit heraus, um diese im Mai 2017 nochmals um eine Milliarde Euro aufzustocken.

Im Oktober 2016 war es Österreich, welches einen Bond über 2 Mrd. € am Kapitalmarkt platzierte, der erst 70 Jahre später zurückgezahlt wird. Italien zog im gleichen Monat mit einer 50-jährigen Anleihe nach.

Bereits 2013 hatte das Krisenland schon einmal einen Bond mit gleicher Laufzeit ausgegeben. Irland, Mexiko und der brasilianische Ölkonzern Petrobras haben sogar 100-jährige Anleihen platziert.

Ist bereits die Akzeptanz solch langer Laufzeiten bei den Anleihekäufern verwunderlich, so muss die Tatsache, dass es sich bei den Emittenten fast ausnahmslos um „Wackelkandidaten“ unter den Schuldnern handelt, noch mehr erstaunen.

Ober-Depp EZB kaufte Anleihen mit Laufzeit bis 2199

Der Ober-Depp scheint in diesem Fall die Europäische Zentralbank zu sein. Sie kaufte portugiesische Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2199 – fällig also in zwei Jahrhunderten – auf. Wer weiß, ob Portugal dann noch existiert. Die EZB ziemlich sicher nicht.

Emittiert wurden diese Anleihen erstmals übrigens viele Jahre, bevor an den Euro überhaupt zu denken war. Hier wurden/werden also Alt-Anleihen aufgekauft, die a) gar nichts mit dem Euro zu tun haben und b) „irgendwann“ (also eher nie) zurückgezahlt werden. Wenn das keine verdeckte Staatenfinanzierung ist, was dann?

Wer aus den vergangene Jahren Finanz- und Eurokrise nichts gelernt hat, der lernt vermutlich auch künftig nichts mehr dazu. Auf jeden Fall werte ich die große Akzeptanz von Ultralangläufern mit schlechter Bonität von Banken bis hin zur EZB als ein Zeichen, dass das aktuelle Währungs- und Finanzsystem dem Ende entgegengeht.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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