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Banken kaufen Anleihen – freie Menschen kaufen Gold

Es heißt immer: wenn die Inflation steigt, dann kaufen die Investoren Gold und keine Anleihen. Und umgekehrt natürlich: wenn die Inflation niedrig bleibt, dann kauft man Anleihen aber kein Gold. Ich sage: Vergessen Sie das! In Wahrheit profitiert Gold nämlich auch von steigenden Anleihepreisen.

Betrachten Sie einmal folgenden Chart, der die Entwicklung von Goldpreis und dem Preis von US-Staatsanleihen mit 30jähriger Laufzeit wiedergibt:

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Quelle: stockcharts.com

Wie Sie sehen, bis Mitte 2007 mag die alte Weisheit durchaus gegolten haben. Früher konnten sich Gold (schwarze Linie) und Anleihekurse (rote Linie) nicht riechen, tendierten eher entgegengesetzt. Doch seit 2007 hat sich das geändert. Lassen Sie mal die größeren Schwankungen aufgrund von Kleinigkeiten wie Finanzkrisen oder FED-QE-Beendungsversuchen außer Acht. Sie sehen, seit 2007 tendieren Goldpreis und Anleihepreise in der gleichen Richtung.

Noch besser lässt sich diese Tendenz am Vergleich zwischen Goldpreis und dem Preis von US-Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit erkennen:

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Quelle: stockcharts.com

Hier erkennt man sehr schön: bis 2008 laufen die Preise eher entgegengesetzt. Doch seit 2008 scheinen Goldpreis und Anleihepreis in einer Korrelation zueinander zu stehen.

Was ist der Grund für diese neue Korrelation zwischen Goldpreis und Anleihepreisen?

Nun, zunächst einmal muss man sich vergegenwärtigen, was mit steigenden Anleihepreisen einhergeht. Das sind immer auch sinkende Zinsen.

Wie Sie hier sehen können:

Entwicklung der Renditen auf US-Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit

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Quelle: stockcharts.com

Wie Sie sehen, während die Anleihepreise (weiter oben) gestiegen sind, sind die Renditen dagegen konstant gesunken.

Die Anleihepreise korrelieren mit dem Goldpreis. Das heißt, wenn die Anleihepreise steigen, also die Anleiherenditen sinken, dann steigt auch der Goldpreis.

Um das in einen besseren Kontext zu setzen, sehen wir uns hier noch rasch Goldpreis, sowie Kurs und Rendite 10jähriger US-Anleihen an:

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Quelle: stockcharts.com

Besonders seit 2008 fällt die Entwicklung stark auf: die Renditen (in rot) sinken, stattdessen steigen die Anleihekurse und der Goldpreis.

Hierfür sind 3 Faktoren ausschlaggebend:

  1. Die Nachfrage nach Anleihen ist hoch, aufgrund der Käufe der Notenbanken und weil die Geschäftsbanken Staatsanleihen zur Erfüllung der Eigenkapitalanforderungen halten müssen.
  1. Das führt zu sinkenden Renditen bei gleichzeitiger Niedrigstzinspolitik der Notenbanken, die ihre Zinsen auf (Fast-)Nullniveaus halten.
  1. Niedrige Zinsen begünstigen wiederum die Nachfrage nach Gold.

Im Endeffekt geht es heutzutage vielen Marktteilnehmern also schon längst nicht mehr um irgendwelche Inflationsraten und daraus resultierende Anlageentscheidungen Anleihen oder Gold betreffend. Nein, heute werden Gold UND Anleihen gekauft. Oder besser gesagt:

Anleihen werden von denen gekauft, die gar nicht anders können, wie Banken und Fondsgesellschaften und Gold wird von denen gekauft, die sich noch ihre Unabhängigkeit bewahren können.

Doch so oder so, Fakt ist, so lange die Null- bis Niedrigzinspolitik der Notenbanken aufrechterhalten wird, so lange wird auch Gold weiterhin als Alternative nachgefragt werden. Und diese Politik dürfte noch lange nicht ihr Ende gefunden haben…

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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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