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Achtung IPO-Falle: Wer auf Börsenneulinge setzt, sollte aufpassen!

Sie sind spannend. Sie sorgen für frischen Wind an der Börse. Und sie zeugen oftmals von Innovation, Ideenreichtum und neuen Trends. Die Rede ist von Börsengängen. Die häufig noch jungen Unternehmen, die den Schritt auf das Parkett wagen, sie sprudeln zumeist vor geldwerten Erfindungen, sind hochmotiviert und machen die Börsenlandschaft interessanter.

Derzeit erleben wir wieder verstärkt deutsche Börsengänge. In diesem Monat sind bereits die IPOs von Varta und Voltabox hervorragend gelaufen. Am 2. November steht mit HelloFresh schon das nächste Börsendebüt in den Startlöchern. Größter Anteilseigner bei dem Kochboxen-Anbieter ist übrigens die Start-up-Schmiede Rocket Internet. Wir sind gespannt, ob der Gang auf das Parkett glückt.

Jedenfalls heißt es ganz richtig immer wieder, dass IPOs für den deutschen Mittelstand und für die Aktienkultur von enormer Wichtigkeit sind. Und jetzt kommt allerdings das großer ABER: Denn, dass es sich für Anleger in den letzten Jahren überwiegend bewährt hat, die Börsenneulinge nur von der Seitenlinie aus bei ihrem Debüt zu beobachten, das hat jetzt das Wirtschaftsmagazin Capital herausgefunden. Die Experten ziehen eine düstere IPO-Bilanz.

Capital: „50% der seit der Lehman-Pleite erfolgten Börsengänge in Deutschland waren ein Flop“

Bröckelnde Kurse nach Börsengängen sind leider keine Seltenheit. Daher sollten Anleger bei Börsenneulingen auch Vorsicht walten lassen, das raten zumindest die Experten von Capital. Wie das Magazin ermittelt hat, war die Hälfte der seit der Lehman-Pleite erfolgten Börsengänge in Deutschland ein Flop. Genauer gesagt: Rund 50% der seit Oktober 2008 im streng regulierten Prime Standard eingeführten Aktien notiert unterhalb ihres Ausgabepreises. Und schlimmer noch: Von den insgesamt 108 Börsenneulingen haben sich 29%, also knapp ein Drittel, faktisch als Totalverluste erwiesen.

Vor allem sollten Investoren sehr vorsichtig mit chinesischen Aktien umgehen. Die 20 Börsenneulinge aus dem Reich der Mitte, die an den Prime Standard gebracht wurden und die rund 330 Mio. Euro bei Anlegern in Deutschland einsammelten, stürzten durchschnittlich um 98% ab. Der überwiegende Teil von ihnen wurde insolvent – ein totaler Reinfall also.

Noch schlimmer sieht die Bilanz der Neuzugänge im kaum regulierten Freiverkehr (Open Market) aus. Wie das Wirtschaftsmagazin berichtet, sind gut 92% der seit der Lehman-Pleite an die Börse gegangenen Titel inzwischen vom Kurszettel komplett verschwunden.

Informieren Sie sich gründlich!

Erfolgreiche IPO-Überflieger sind tatsächlich weit in der Unterzahl. Investoren brauchten in der Vergangenheit ein äußerst glückliches Händchen, um mit Börsengängen langfristig erfolgreich zu sein. Eine Handvoll echter Gewinner gibt es dann aber doch. So explodierten beispielsweise die Aktien des Online-Tierfutterhändlers Zooplus seit dem Börsendebüt um rund 930% nach oben. Die Papiere der Immobiliengesellschaft Grand City Properties verteuerten sich um satte +568%.

Sie sehen, wenn man auf die richtigen Pferde setzt, können IPOs durchaus schöne Gewinne ins Depot spülen. Jedoch sollten Anleger bei der Auswahl sehr, sehr behutsam vorgehen und sich im Vorfeld eines Investments ausreichend über Unternehmen sowie dessen Bilanz, Perspektiven und Produkte informieren.

Ob das Berliner Unternehmen HelloFresh beim Börsengang überzeugen kann, werden wir in der kommenden Woche erfahren. Doch auch hier gilt: Bevor Ihnen angesichts des vermeintlich nahenden IPOs das Wasser im Mund zusammen läuft, sollte ein Blick in die Bilanz des Unternehmens nicht vernachlässigt werden. Denn Geldverdienen ist bei HelloFresh derzeit noch nicht angesagt.

Der Konzern bietet sogenannte „Kochboxen“ für Verbraucher an: Pakete mit vorbereiteten Zutaten und einem Rezept, die im Abonnement erhältlich sind. Die bereinigte EBITDA-Marge betrug im zweiten Quartal 2017 minus 7,4%. Ziel der Berliner ist es nun, innerhalb der nächsten 15 Monate ein ausgeglichenes EBITDA und auf mittelfristige Sicht eine bereinigte EBITDA-Marge von 12 bis 15% zu erreichen.

Im zweiten Quartal hat HelloFresh eigenen Angaben zufolge einen Umsatz in Höhe von über 230 Mio. Euro erzielt. Für das erste Halbjahr stehen Erlöse von 435,4 Mio. Euro in den Büchern. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist neben Deutschland unter anderem auch in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Österreich und den USA tätig. Im zweiten Quartal lieferte HelloFresh insgesamt 33,7 Mio. Mahlzeiten an die etwa 1,3 Mio. aktiven Kunden aus.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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