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Aktien: Winfried Kill: Eine tragische Geschichte statuiert ein Exempel

Vor genau zehn Jahren war er noch „Manager des Jahres“, dann verspekulierte er sich und nun hat er sich zum Gespött gemacht: Winfried Kill, ehemaliger Chef und Unternehmensgründer der Mittelstandsholding Indus.

Winfried Kill: ein kurzer Rückblick

Winfried Kill gründete 1989 in Bergisch Gladbach die heutige Indus Holding und wurde damit schnell zum Multi-Millionär. Heute ist die Holding mit 40 Niederlassungen, mit rund 5.900 Mitarbeitern und mit einem Jahresumsatz von 928 Mio. Euro weltweit vertreten – doch ohne ihren Firmengründer.

Der war nach 19 erfolgreichen Jahren im Jahr 2006 finanzielle Risiken eingegangen. Begründet hat er selbst dieses folgeschwere Verhalten mit einer Persönlichkeitsveränderung, die durch den Tod seiner Tochter 1993 ausgelöst wurde.

Die nachhaltigste Entscheidung, die einen Verlust von 75 Mio. Euro zu Folge hatte, wurde 2007 gefällt. Kill kaufte ein 450 Mio. Euro schweres Aktienpaket der Freenet-AG mit der Hoffnung, dass dieses an einen Interessenten der Freenet übergeben wird.

Diese und weitere Verluste brachten ihn letztlich dazu 2008 seinen Posten als Aufsichtsratschef in dem von ihm gegründete Unternehmen aufzugeben und sich ganz dem Finanzmarkt zu widmen. Schließlich wurde er in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen. Um seine Verluste auszugleichen musste Winfried Kill bereits den Großteil seiner Indus-Aktien verkaufen.

Geschäftspartner, die darüber hinaus noch Geldforderungen an ihn erhoben, bekamen ein 26 Seiten starkes psychiatrisches Gutachten in die Hand gedrückt. Dieses von Kills Familie in Auftrag gegebene Pamphlet sollte helfen, einige der Verträge aufzulösen, bei denen der Unternehmer hohe Verluste gemacht hat und aus dem ihm nun noch Forderungen drohen.

„Wirtschaft absurd: Der Unternehmer Winfried Kill verspekulierte sich mit Aktien. Doch als seine Geschäftspartner die Rechung stellten, schickte Kill kein Geld, sondern ein ärztliches Gutachten“, macht das Handelsblatt seinem Unverständnis bezüglich derartigem Gebaren Luft.

Gerichts-Urteil: „Kein Wahnsinn, sondern Berechnung“

Bei dem Fall Curanum, der jetzt vor Gericht entschieden wurde, soll Kill eine so genannte Put-Option übernommen haben. Darin habe er dem britischen Finanzinvestor Pentagon die Abnahme von 2,5 Mio. Aktien zu einem vertraglich festgelegten Zeitpunkt zum Preis von 8,50 Euro garantiert.

Das Problem: im März 2009, als Pentagon seine Option ziehen konnte, stand der Kurs von Curanum nicht mehr bei 8,50 Euro, sondern bei 2,55 Euro. Kill hätte also für 21 Mio. Euro Aktien kaufen müssen, die nur noch 6,3 Mio. Euro wert waren“, so das Handelsblatt weiter. Kill habe sich geweigert, den Vertrag zu erfüllen. Seine Begründung laut psychologischem Gutachten: Er sei bei Geschäftsabschluss nicht zurechnungsfähig gewesen.

Das Gericht aber zweifelt: Denn unmittelbar nach seiner Unzurechungsfähigkeits-Erklärung soll Kill kurz darauf wieder die Hauptversammlung bei Indus geleitet haben.

„Kurios: Kills ärztliches Gutachten entstand per Ferndiagnose: der unterzeichnende Arzt Hans Lauter, ehemaliger Direktor der Psychiatrischen Klinik der TU München, hatte Kill nie behandelt, sondern nur ein Mal kurz gesehen“, schreibt das Handelsblatt.

Das war den vom Landgericht München wohl zuviel Gemauschel. Versuchte Überzeugungsarbeit durch Ärzte und Anwälte blieben bei den Richtern ohne Wirkung. Anzeichen für eine Geschäftsunfähigkeit lägen nicht vor. Kill müsse zahlen, und zwar die vollen 21 Mio. Euro, exklusive angefallener Zinsen. Und dann fiel der Hammer.

Wäre Winfried Kill mit seiner Masche durchgekommen, unvorstellbar, was für einen miesen Trend er unter Umständen hätte auslösen können. Nachahmer schlechter Geschäfte finden sich immer schnell. Und es hätte den im Ansehen ohnehin gebeutelten Finanzgeschäften eine weitere Kugel ans Bein gebunden.

Zum Glück wurde hier juristisch ein Riegel vorgeschoben, so unglaublich die Begründung für das Urteil auch klingt: „Wahnsinn ist keine Ausrede“.

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