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Aktien: Verrückt: Bosnische Firma zwingt VW in die Knie und greift nach Grammer

Die Machtverhältnisse in der deutschen Autobranche waren jahrzehntelang in Stein gemeißelt. Da gab es einige große Autohersteller und zahlreiche mittelständische Zulieferer. Die Mittelständler mussten für jeden Auftrag dankbar sein.

Die Großen der Branche, wie VW oder Daimler, diktierten mit ihrer gewaltigen Einkaufsmacht die Preise.

Vor allem immer dann, wenn die Geschäftszahlen rückläufig waren, hoben die Autohersteller gerne das Einsparpotenzial bei ihren Zulieferern und stornierten einseitig Bestellungen oder senkten die Preise.

Das versuchte der VW-Konzern im vergangenen Jahr auch bei seinem bosnischen Zulieferer Prevent (Getriebegehäuse, Sitzbezüge und Gebläseklappen). Zur Information: Prevent ist ein Unternehmen des bosnischen Hastor-Clans. Hier führt der Patriarch Nijaz (66) die Geschäfte mit eiserner Hand.

Das spürte Wolfsburg sofort. Denn die Hastors stellten kurzerhand jede Lieferung an VW ein. Die Folge: Mehrwöchige Produktionsausfälle in den norddeutschen VW-Fabriken. Am Ende mussten die Wolfsburger klein beigeben.

Seitdem hat der Name Hastor in der deutschen Autobranche einen ganz besonderen Klang. Zur Information: Ohne Prevent bzw. Hastor geht bei BMW und Daimler auch nicht viel.

Nijaz Hastor hat erkannt, dass die Branche hierzulande nach dem Diesel-Abgasskandal bedenklich schwächelt. Und genau in diese weiche Flanke stoßen jetzt die Bosnier. Nachdem man mit VW fertig ist, greift man nun nach dem mittelständischen Zulieferer Grammer.

Hier kontrolliert man bereits mindestens 20 % des Kapitals und will heute auf der Grammer-Hauptversammlung den Aufsichtsrat stürzen und mit eigenen Leuten besetzen. Anschließend soll der Vorstand ausgewechselt werden. Einfach nur irre!

Chinesen schleichen sich auf leisen Sohlen an

Ganz anders gehen zurzeit chinesische Investoren in Deutschland vor: Hier arbeitet man lieber im Geheimen. Vorzugsweise kauft man sich in die Unternehmen in kleinen Tranchen ein und agiert unter dem Radar der Analysten und der Medien.

Der Hintergrund ist Ihnen klar: Die Investoren aus dem Reich der Mitte wünschen günstige Einstiegspreise und brauchen keine Unternehmen, die in allen Börsenforen besprochen werden.

Erst zuletzt war der chinesische Investor Cathay Fortune genau auf diesem Weg erfolgreich und wird in den kommenden Tagen mit aller Voraussicht das Biotech-Unternehmen Epigenomics schlucken.

Anleger, die diesen Braten gerochen haben, haben binnen weniger Tage sofort 40 % verdient. Noch ein kleiner Hinweis: Das Übernahmeangebot für Epigenomics liegt exakt bei 7,52 Euro. Gegenwärtig kostet eine Aktie allerdings nur 7,15 Euro.

Wenn Sie also noch einige schnelle Euro verdienen wollen, dann sollten Sie sich hier rasch noch einige Stücke des Unternehmens ins Depot legen.

Wo fassen die Chinesen als nächstes zu?

Wenn Sie als Anleger gerne einmal Übernahmespekulationen spielen, dann müssen Sie sich jetzt mit der Manz AG aus Reutlingen befassen. Das Unternehmen ist ein Hightech-Maschinenbauer, der vor allem im Bereich der Automation, Messtechnik oder etwa der Laserbearbeitung aktiv ist.

Auch hier hat ein chinesisches Unternehmen namens Shanghai Electric bereits Fühlung aufgenommen. In den letzten Monaten hat man in mehreren Tranchen knapp 20 % der Manz-Aktien zusammengetragen.

Und niemand hat es bemerkt! Das kann für Sie als Börsianer eine enorme Chance sein.

Jetzt bricht die Zeit der Übernahmen an

Sie verstehen meine Botschaft! Üblicherweise nehmen in der Endphase einer Hausse die Übernahmen spürbar zu. Genau diesen Moment erleben wir gegenwärtig. Natürlich wird nicht jeder Übernahmeversuch erfolgreich sein, wie jüngst das Beispiel SLM Solutions (3D-Druck) gezeigt hat.

Hier hatte General Electrics ein attraktives Angebot vorgelegt. Ein wichtiger Großaktionär war allerdings gierig und wollte mehr. Am Ende hat das US-Unternehmen dann seine Offerte zurückgezogen. Das ist das unvermeidbare Risiko einer Strategie, die auf Übernahmen setzt.

Trotzdem: Der ambitionierte Börsianer setzt jetzt auf mittelständische Übernahmekandidaten aus Deutschland. Dabei ist es für uns als Aktionär unerheblich, ob sich ein Bosnier, ein Chinese oder Angelsachse das Unternehmen holt.

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Über den Autor
Alexander von Parseval

Der Augsburger Vermögensverwalter entstammt einer alten französischen Bankiersfamilie, deren Wurzeln bis in die Spätrenaissance zurückreichen.

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