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United Internet Ak.: Bei United Internet und Drillisch wird es ernst

Der Mobilfunk-Provider Drillisch musste zuletzt deutliche Einbußen beim Umsatz vermelden. Der monatliche durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU), eine wichtige Messgröße im Mobilfunk-Segment, fiel im Vergleich zum Vorjahr um rund 4% auf 12,16 Euro.

Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben aktuell 3,62 Mio. Mobilfunk-Teilnehmer bedient, brachte es im Geschäftsjahr 2016 auf einen Jahresumsatz von rund 710 Mio. Euro. Das Nettoergebnis landete bei mageren 26,4 Mio. Euro. Beim operativen Cash-Flow (OCF) wies man 2016 rund 80,5 Mio. Euro aus.

Die Drillisch-Aktie tingelte angesichts dessen oft seit- anstatt aufwärts. Sie verließ das Börsenparkett Ende 2016 mit einem Schlusskurs von 40,90 Euro per 30. Dezember.

Heute notiert das Papier bei rund 53,19 Euro. Der Grund, warum es insbesondere im Mai für die im TecDAX gelisteten Anteilsscheine so steil bergauf ging, ist das Interesse des Internet- und Telekomkonzerns United Internet (UI) an dem von Vlasios Choulidis geführten Unternehmen.

United Internet greift für Drillisch tief in die Taschen

UI-Chef Ralph Dommermuth ist ein innovativer Konzernlenker, der sein Unternehmen seit Jahren gekonnt und erfolgreich wachsen und gedeihen lässt.

Nun greift er tief in die Tasche, um die drei Platzhirsche im deutschen Telekom-Markt anzugreifen, nämlich Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica.

UI, das vorab schon 20% an dem Mobilfunkunternehmen Drillisch hielt, will seine Beteiligung nun auf mehr als 70% ausbauen. Dadurch verspricht man sich nicht nur einen Wachstumsschub, sondern jährliche Synergieeffekte in Höhe von rund 250 Mio. Euro.

Die Übernahme läuft derweil auf Hochtouren. United Internet hat inzwischen 7,75% seiner Anteile an 1&1 Telecommunication in Drillisch eingebracht. Im Gegenzug hat Drillisch über 9 Mio. neue Aktien an United Internet ausgegeben.

Zudem hatten Drillisch-Aktionäre bis zum 23. Juni Zeit, ihre Aktien zu einem Preis von je 50 Euro anzudienen. Nach Ablauf der Frist wurde das Angebot für insgesamt 839.170 Drillisch-Aktien angenommen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Dies entspricht einer Annahmequote von etwa 1,24%. Eine weitere Frist startete am gestrigen Mittwoch und endet am 12. Juli. Inklusive der bereits bestehenden Beteiligung kommt United Internet nun auf einen Anteil von rund 31% an Drillisch.

Choulidis und Brucherseifer verkaufen Aktienpaket im Wert von 19,2 Mio. Euro

Dass es bei dem Deal vorangeht, zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Insidertransaktionsgeschäfte bei Drillisch. Die Insiderdeals des Konzerns führen in dieser Woche die Liste der Top-Verkäufe an.

Wie Sie der Tabelle unten entnehmen können, haben sich Vorstandschef Vlasios Choulidis und Aufsichtsratsvorsitzender Marc Brucherseifer im Rahmen der Übernahme durch United Internet außerbörslich von großen Aktienpaketen getrennt.

Choulidis und Brucherseifer haben am 21. Juni 2017 jeweils 191.667 Drillisch-Aktien zu jeweils 50 Euro mit einem Gesamtvolumen von je 9,58 Mio. Euro verkauft. Zusammen bringen es die beiden Verkäufe auf ein Transaktionsvolumen in Höhe von rund 19,2 Mio. Euro.

Die Verkäufe gehen auf eine geschlossene Vereinbarung vom 11. Mai 2017 zurück und wurden im Rahmen des Übernahmeangebotes durchgeführt.

Das Übernahmeangebot von United Internet für die Drillisch-Aktien wurde im Mai auf 50 Euro in bar je Drillisch-Stückaktie (Nennwert: 1,10 Euro) festgelegt.

Übernahme soll bis Jahresende abgeschlossen sein

Die Übernahme von Drillisch durch UI soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Mit der geplanten Verschmelzung der beiden Konzerne entsteht die Nummer vier unter den Telekommunikations-Anbietern in Deutschland.

Gemeinsam haben United Internet und Drillisch mehr als 12 Mio. Kundenverträge und machten vergangenes Jahr einen Umsatz von über 3,2 Mrd. Euro. Hauptkonkurrent Freenet zählte zuletzt 9,6 Mio. eigene Mobilfunkkunden.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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