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Tesla Motors : Tesla-Standort Grünheide: Neuer Rückschlag für den US-Autobauer

Es gibt Dinge, die wollen nicht so recht zusammenpassen. Ein Visionär aus dem Silicon Valley und eine deutsche Bauaufsichtsbehörde, zum Beispiel.

Im brandenburgischen Grünheide, nahe Berlin, entsteht zurzeit der erste Standort des US-Elektroautobauers Tesla in ganz Europa. In der kleinen Gemeinde war man zunächst überrascht, dann stolz, immer aber auch etwas skeptisch gegenüber dem Vorhaben.

Vorzeitige Zulassung statt endgültiger Genehmigung

Vor allem Umweltverbände schlugen Alarm und zogen bereits mehrfach gegen die sogenannte „Gigafactory“ vor Gericht, ihre Eilanträge scheiterten jedoch. Kurzzeitig waren die Bauarbeiten unterbrochen, mittlerweile aber wird munter weiter gewerkelt auf dem Gelände.

Und das, obwohl die endgültigen Genehmigungen zum Teil noch ausstehen. Auf Basis vorzeitiger Zulassungen dürfen bereits Teile der Fabrik hochgezogen werden. Doch immer wieder entstehen plötzlich Bauabschnitte, für die die notwendigen offiziellen Genehmigungen eben noch nicht vorliegen.

Tesla baut Tanks ohne Erlaubnis – Behörde droht mit Bußgeld

In dieser Woche geriet Tesla wegen mehrerer Tanks in die Schlagzeilen, die ohne die erforderliche Erlaubnis bereits errichtet wurden. Umweltverbände, die das Bauvorhaben mit Argusaugen beobachten, hatten den Verstoß der zuständigen Landesbehörde gemeldet. Die hat den Vorwurf nun geprüft und plant offenbar, ein Bußgeld zu verhängen.

So hatte sich das Elon Musk vermutlich nicht vorgestellt, als er stolz den Schritt nach Deutschland verkündet hatte. In der Nähe der pulsierenden Hauptstadt, unweit der politischen Machtzentrale und ganz nah an der wohl größten und innovativsten Start-up-Szene Deutschlands lässt man sich nieder. Man hatte wohl mit Applaus gerechnet, mit wechselseitiger Inspiration, mit einem Hauch von Silicon Valley im Berliner Speckgürtel.

Neues Ziel: Produktionsstart zum Jahresende

Nun aber sind Musk und Tesla erst einmal konfrontiert mit dem, wofür Deutschland gemeinhin bekannt ist: Bürokratie. Die Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge, immer wieder tauchen neue Widerstände auf. Es geht voran, aber nicht so schnell, wie Musk es gerne hätte.

Eigentlich sollten schon im Juli dieses Jahres – also: jetzt – die ersten Fahrzeuge in Berlin vom Band rollen, doch davon ist man noch weit entfernt. Als neues Ziel für den Produktionsstart hat Tesla nun Ende des Jahres ins Auge gefasst.

Erinnerungen an BER werden wach

Doch gerade in Berlin und Umgebung erinnert man sich noch allzu gut an das letzte große Infrastrukturprojekt, den Flughafen BER. Der war vor rund zehn Jahren schon so gut wie schlüsselfertig, eigentlich, bis dann Mängel im Brandschutz auffielen und sich die Bauarbeiten noch jahrelang hinzogen. Als der BER im Herbst 2020 eröffnet wurde, hob pandemiebedingt kaum ein Flugzeug ab.

Mit dieser Ironie der Geschichte im Hinterkopf können die Berliner über das, was da in Grünheide vonstattengeht, nur schmunzeln. Im Silicon Valley ist man das so nicht gewohnt. Ob die Gigafabrik zum Jahresende tatsächlich in Betrieb geht oder ob ganz am Ende irgendeine Genehmigung von Seiten der Behörden verweigert wird, bleibt abzuwarten.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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