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Amazon.com Aktie: Amazon holt zum nächsten Rundumschlag aus

Die Erfolgsstory von Amazon ist schier einmalig. Vom einstigen Beginn als Buchhändler sind die Amerikaner bereits meilenweit entfernt.

Heute findet man in der breit gefächerten Produktpalette des international führenden Online-Versandhändlers neue und gebrauchte Waren aus beinahe allen Bereichen der Konsumgüterindustrie.

Neben Büchern, DVDs, Elektronikprodukte, Digitale Downloads, Software, PC- und Videospiele werden ebenso Geräte für Küche, Haus und Garten, Spielwaren, Sport- und Freizeitartikel, Schuhe und Schmuck, Gesundheits- und Kosmetikprodukte, Kleidung und Autos angeboten.

Darüber hinaus umfasst das Angebot des Online-Händlers noch zahlreiche weitere Produkte und Leistungen.

Dazu gehört unter anderem der portable Reader Kindle, auf dem Bücher, Magazine, Zeitschriften oder persönliche Dokumente heruntergeladen und gelesen werden können, sowie das Video-on-Demand-Angebot über Amazon Prime Video oder der Streaming-Service Fire TV.

Außerdem führt das Unternehmen die Cloud-Plattform Amazon Web Services, das Spracherkennungssystem Echo oder die Tablet-Reihe Fire. Über AmazonFresh können Kunden frische Lebensmittel online bestellen.

Amazon holt zum nächsten Rundumschlag aus

Und nun holt Amazon zum nächsten Rundumschlag aus: In den USA hat der Internet-Gigant seinen modebegeisterten Kunden gerade mit einem neuen Service Herzrasen beschert: Der Spezialdienst Prime Wardrobe, mit dem man die Kleidung nach Hause geliefert und bei Nichtgefallen wieder abgeholt bekommt, hat seine Schranktüren von nun an weit geöffnet – „all for free“, versteht sich.

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Klar, dass da die Modewelt ins Bibbern gerät. Schuh- und Modelieferanten wie Zalando kommen nun ins Grübeln, wie gefährlich dieser neue Service für sie werden könnte.

Denn das ist schon ein Ding: Man kann sich einfach 15 Oberteile, 10 Paar Schuhe oder eine Auswahl an Hosen bequem und super schnell nach Hause bestellen, probiert dann alles in Ruhe an, vielleicht im Kreise seiner persönlichen Berater, und behält einfach nur das, was einem wirklich steht.

Mit diesem Gedanken könnte ich mich sofort anfreunden, das wäre mir sogar eine Prime-Mitgliedschaft wert.

Willkommen im neuen Shopping-Zeitalter

Kleidung bestellen war mir und auch vielen meiner Bekannten bei Amazon bisher einfach zu nervig. Manches Teil bekam man einzeln vom jeweiligen Händler zugesandt und musste es dann bei Nichtgefallen umständlich an diesen zurückschicken.

Das will der Handelsriese jetzt ändern und testet – zunächst nur in den USA – die Kleiderbox für Prime-Kunden. Unter der Prime Wardrobe versteht man übrigens tatsächlich eine Box, die alle Ihre Kleidungsstücke enthält, die Sie sich zuvor im Internet ausgesucht haben (siehe Foto).

Das Beste aber kommt erst noch: Ab drei Artikeln ist der Einkaufsspaß sogar kostenlos und bezahlen muss der Kunde nur das, was er am Ende behält. Beim Kauf mehrerer Stücke lockt Amazon obendrein noch mit Rabatten von bis zu 20%. Das nenne ich schon ein Novum.

Erst vor Kurzem sorgte Amazon noch mit der Übernahme der Bio-Lebensmittelkette Whole Foods Market für einen kräftigen Paukenschlag in der Lebensmittelbranche. Und jetzt wühlt der Internet-Riese den Textil-Markt auf.

Zwar wird Prime Wardrobe derzeit erst als Beta-Version in Übersee getestet und noch steht nicht fest, ob der Service tatsächlich auch zu uns herüberschwappt. Eine Frage brennt einem dennoch schon sogleich unter den Nägeln: Was passiert, wenn es weltweit so käme?

Würde Amazon damit alle anderen Versandhändler plattmachen?

Amazon könnte sich zu einem echten Fashion-Berater entwickeln

Erinnern Sie sich noch? Als Amazon seinen Frischedienst AmazonFresh zuerst in den USA testete, war Experten und Branchenkennern ebenfalls schnell klar: Ein Markteintritt in Deutschland kann nicht mehr in weiter Ferne liegen.

Das bewahrheitete sich schnell, betrat der Lebensmittel-Lieferdienst für gesunde Frische zuerst britisches Terrain, um dann bald seine Lager in Berlin aufzuschlagen.

Nickt CEO Jeff Bezos die „Testphase“ von Wardrobe in den USA ab, dürfte das Ausrollen der Amazon Keiderbox auf andere Märkte ruckzuck gehen.

Mit der Etablierung auf dem deutschen Markt könne ab 2018 gerechnet werden, schätzt etwa Jörg Walbaum, Senior Rating Analyst von Euler Hermes Rating. Amazon Wardrobe sei aus seiner Sicht erst der Anfang und Teil eines „Strategie Puzzles“.

Dazu gehöre auch Amazon Echo Look, eine Kamera, die Kunden Stil-Tipps geben soll.

„Ich glaube, die Endversion ist ein datengetriebener Curated Shopping Ansatz, der künstliche Intelligenz nutzt und auch Daten von Alexa integriert, um Kunden die perfekten Modeprodukte zu empfehlen“, so die Einschätzung Walbaums.

Amazon macht keine halben Sachen – Marktführerschaft im Visier

Sollte Amazon sich also zu einem echten Fashion-Berater entwickeln, dann können sich Online-Anbieter wie Zalando oder Otto zumindest warm anziehen.

„Amazon zählt ja bereits heute zu den wichtigsten Fashion-Anbietern im Internet. Während Mode bei Amazon zunächst den gleichen Stellenwert wie alle anderen Produkte hatte und auch so verkauft wurde, setzt der Onlineriese mittlerweile auf individuellere Ansätze und arbeitet beispielsweise mit großen Marken und Bloggern zusammen. Wardrobe ist vor diesem Hintergrund die konsequente Weiterführung und ein weiterer Angriff auf den Fashion-Markt“, schätzt Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln die Lage ein.

Amazon ist bereits seit 2002 im Modebereich aktiv und hat seitdem die Aktivitäten und Sortimente sukzessive ausgebaut. Das langfristige Ziel läuft aber ganz klar auf die Marktführerschaft hinaus, wie in allen anderen Segmenten auch, in denen Amazon aktiv ist.

Der Online-Gigant dürfte seine Wachstumsstory auch in den kommenden Jahren konsequent fortsetzen. Vom einstigen Buchhändler-Dasein haben sich die Amerikaner zu einem der weltweit größten Unternehmen gemausert. Die Aktie zählt zu den Favoriten vieler Börsianer.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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