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Aktien: Insolvenz vermeiden – wie Unternehmen der Zahlungsunfähigkeit entgehen können

Jährlich melden mehrere tausend Unternehmen Insolvenz an. Die Gründe hierfür liegen gerade bei jungen Unternehmen oft in mangelnder Planung. So ist der Businessplan häufig nicht komplett durchdacht oder es fehlt an Eigenkapital, um alle notwendigen Investitionen zu tätigen und eine kurzfristige Durststrecke zu überbrücken. Nicht zuletzt kann auch fehlende Führungskompetenz oder mangelndes Know-How, insbesondere im kaufmännischen Bereich, dazu führen, dass das Unternehmen keine Zukunft hat.

Doch auch zahlungsunfähige Kunden, Schwierigkeiten mit Zulieferern oder auch externe Krisen, die den Markt und die Börse beeinflussen können, sind mitunter die Ursache für die eigene Insolvenz. Nicht zuletzt spielen auch die eigene Gesundheit und familiäre Umstände bei Unternehmern eine große Rolle. Eine schwere Erkrankung eines Angehörigen sorgt nicht nur emotional für eine Krisensituation, sondern schränkt auch die eigene Arbeitskraft ein, wenn beispielsweise selbst gepflegt werden muss.

Schon seit Jahren ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland relativ hoch, auch wenn sie seit 2009 zumindest rückläufig ist. Besonders betroffen sind Betriebe im Handels-, Dienstleistungs- und Baugewerbe. Am höchsten ist die Zahl der Insolvenzen überdies bei sehr jungen Betrieben, wie es bei einem Artikel von Selbstständig im Netz heißt.

Anzeichen für die Insolvenz

Erste Anzeichen für ein nahendes Insolvenzrisiko sind unter anderem:

  • Stetig sinkende Umsatzzahlen
  • Preisverfall, um konkurrenzfähig zu bleiben
  • Forderungen an Kunden werden nicht beglichen und steigen stetig an
  • Geschäftspartner bestehen auf Lieferungen gegen Vorkasse aufgrund vorheriger Schwierigkeiten mit der Zahlung
  • Sinkende Rendite
  • Eigenkapital neigt sich dem Ende zu

Um die eigene Überschuldung zu vermeiden, muss vor allem rechtzeitig und konsequent gehandelt werden. Zu häufig wird der Antrag auf Insolvenz viel zu spät gestellt, sodass das Unternehmen im folgenden Verfahren nicht mehr gerettet werden kann.

Dabei erfolgt die späte Antragstellung in der Regel nicht aus einem Vorsatz heraus, sondern aus der Hoffnung heraus, dass das Unternehmen doch noch aus eigener Kraft wieder liquide wird. Bei der realistischen Einschätzung der Situation hilft ein Steuerberater. Er analysiert das laufende sowie die vergangenen Geschäftsjahre und kann feststellen, wo zu wenige Einnahmen oder zu viele Ausgaben generiert werden.

Die eigenen Ausgaben kritisch überprüfen und optimieren

Steht die Insolvenz noch nicht unmittelbar bevor, wird auf lange Sicht aber definitiv eintreten, gilt es, so schnell wie möglich die Ausgaben zu verringern und sich gleichzeitig um neue Einnahmen zu bemühen. Insbesondere die Fixkosten sollten hierfür genau betrachtet werden. Diese setzen sich zum größten Teil zusammen aus:

  • Personalaufwendungen
  • Miete
  • Kosten für Fuhrpark
  • Energiekosten
  • IT-Kosten

Betriebsbedingte Kündigungen scheinen hier oft naheliegend, um die Kosten für Löhne und Gehälter zu reduzieren, sind aber oftmals nicht leicht zu begründen. So muss Angestellten zunächst eine Arbeitsreduzierung angeboten werden, das Unternehmen muss nachweisen können, dass eine Kündigung dringlich ist und für den jeweiligen Mitarbeiter keine andere Möglichkeit der Beschäftigung im Unternehmen vorhanden ist.

Sind firmeneigene Fahrzeuge vorhanden, die nicht zwingend benötigt werden, kann über einen Autoverkauf nachgedacht werden, um relativ kurzfristig freie Geldmittel zu gewinnen und die laufenden Kosten zu senken. Sind Fahrzeuge für den Betriebsablauf unabdingbar, lohnt sich eventuell der Umstieg auf Fahrzeuge mit niedrigerem Verbrauch.

Gerade in kleinen Betrieben lohnt sich auch das Sparen im allgemeinen Betriebsablauf, beispielsweise durch die Verwendung von Recyclingpapier oder sorgsamen Umgang mit Elektrogeräten. So sollten beim Verlassen des Büros alle unnötigen Gerätschaften ausgeschaltet sein und auch die Heizung sollte nicht unnötig laufen.

Zudem sollten auch die Konditionen des Telefon- und Internetvertrages regelmäßig überprüft werden, sodass gegebenenfalls auf einen günstigeren Vertrag gewechselt werden kann. Die Belegschaft sollte unbedingt über die notwendigen Sparmaßnahmen informiert werden, sodass sie ihren Beitrag dazu leisten können.

Die vielen kleinen Möglichkeiten zum Sparen sollten insbesondere in Kleinbetrieben nicht unterschätzt werden, denn sie können sich in ihrer Summe durchaus lohnen und dazu beitragen, dass die Zahlungsunfähigkeit abgewendet wird. Für die Sparmaßnahmen können auch die Mitarbeiter eingebunden werden, um Vorschläge und Ideen zu sammeln.

Wenn die Zahlungsunfähigkeit unvermeidbar ist

Sollten alle Sparmaßnahmen fehlschlagen und sich auch keine neuen Einnahmequellen erschließen lassen, gibt es für Unternehmer verschiedene Handlungsmöglichkeiten, um einen Insolvenzantrag zu vermeiden. Zunächst einmal sollte sich mit den jeweiligen Gläubigern unbedingt selbstständig in Verbindung gesetzt werden.

Gläubiger haben in der Regel selbst kein Interesse daran, dass ein Unternehmen in die Insolvenz geht, denn hierbei haben sie keinerlei Einfluss darauf, ob das Unternehmen fortgeführt oder liquidiert wird, was bedeutet, dass sie nicht sicher sein können, auch nur einen Teil ihrer Forderungen zu bekommen. Unternehmer könnten also an ihre Gläubiger herantreten und um einen Teilerlass der Forderungen bitten, wenn die einzige Alternative die Insolvenz ist.

Eine andere Möglichkeit ist es, einen zusätzlichen Geldgeber mit an Bord zu holen. Damit müssen Unternehmer zwar in der Regel in Kauf nehmen, dass sie nicht mehr in allen Entscheidungen eigenmächtig handeln können, allerdings wird so die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit abgewendet.

Wenn die Insolvenz unvermeidbar ist, sollte der Insolvenzantrag unbedingt innerhalb von drei Wochen gestellt werden. Wird diese Frist nicht eingehalten oder wird der Antrag falsch gestellt, drohen zivilrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen, denn dies kann als Insolvenzverschleppung gewertet werden. Hier lohnt es sich also, fachkundige Beratung vor dem Stellen des Antrags in Anspruch zu nehmen.

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