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Aktien: Dringende Warnung: Kaufen Sie keine Smallcaps mit angeblich neuen Super-Antibiotika in der Erforschung

Immer wieder lesen Sie Werbung in einschlägigen, aber eher unseriösen, Finanzmedien, dass Sie mit der Firma XYZ ein Vermögen machen könnten, weil diese ein neues Super-Antibiotikum entwickle.

Glauben Sie solchen Versprechungen nicht! Sie können damit keine größeren Gewinne erzielen. Denn zum einen gibt es unzählige Antibiotika auf dem Markt, viele davon Generika, also Nachahmerprodukte, weil für den Original-Wirkstoff das Patent abgelaufen ist.

Die Folge: Die meisten Antibiotika sind als Medikament sehr billig. Und sie müssen nur relativ kurze Zeit eingenommen werden, sodass die Pharmafirmen nicht durch längerfristige Einnahmephasen von ihnen profitieren können.

Pharmahersteller verdienen mit Antibiotika kaum Geld

So ist es kein Wunder, dass nach Schätzungen mit allen patentgeschützten Antibiotika zusammen nur so viel Geld verdient wird wie mit einem einzigen Krebsmedikament.

Und es erstaunt mich ebenfalls nicht, dass die großen Pharmakonzerne kaum noch an neuen Antibiotika forschen und seit über 10 Jahren auch keines mehr auf den Markt gekommen ist.

Denn die Forschung verschlingt viele Millionen, oft sogar Milliarden Euro, bis ein neues Medikament die Zulassung erhält. Die Einnahmen hingegen sind minimal im Vergleich zu anderen Wirkstoffen.

Reserve-Antibiotika können nur selten eingesetzt werden

Der zweite gravierende Grund, warum Sie nicht in die Erforschung neuer Antibiotika investieren sollten, liegt an den immer größeren Problemen mit multiresistenten Keimen, gegen die sie eigentlich gebraucht würden.

Damit neue Medikamente gegen diese Keime ihre Wirksamkeit behalten, werden sie nur gegen diese eingesetzt und nicht auf dem Massenmarkt mit Antibiotika.

Die Folge ist, dass die Verordnungszahlen dieser Medikamente über einen längeren Zeitraum relativ gering bleiben, aber überhaupt nur im Massenmarkt genügend Umsätze erzielt werden, dass die Hersteller damit ein wenig Geld verdienen können.

Der Bedarf ist riesig, denn superresistente Keime werden immer mehr zum Problem

Sie sehen also, dass sich die Entwicklung eines neuen Antibiotikums vor allem für ein kleines Unternehmen einfach nicht lohnen kann und Sie daher Ihr sauer verdientes Geld nicht in solche Firmen investieren sollten.

Wie können dann aber neue antimikrobielle Medikamente entwickelt werden, die laut WHO dringend benötigt werden? Sie hat gerade erst gewarnt, dass bis zum Jahr 2050 weltweit 10 Millionen Menschen jährlich durch resistente Bakterien sterben könnten.

Und diese Gefahr könnte weiter steigen, denn vor allem in Asien werden immer mehr multiresistente Keime entdeckt.

So hat gestern die ARD eine interessante Dokumentation gesendet, dass besonders in Indien große Umweltprobleme durch die Herstellung von Antibiotika für die ganze Welt entstehen, weil Abwässer mit Medikamentenrückständen ungeklärt in die Umwelt gelangen, durch die sich neue Superkeime entwickeln können.

Neue Formen der Forschungsfinanzierung müssen geschaffen werden

Da private Wagniskapitalgeber aufgrund der derzeit schlechten Verdienstmöglichkeiten mit Antibiotika kaum zur Finanzierung von Forschungsvorhaben zu bewegen sind, muss hier die öffentliche Hand eingreifen.

Dazu gibt es etwa in der EU die Initiative „Europe‘s Innovative Medicines“, die von Industrie und Staat getragen wird.

Denkbar wären auch ein verlängerter Patentschutz oder steuerliche Anreize, wie sie bei manchen Medikamenten gegen sehr seltene Erkrankungen gewährt werden, was dem US-Status der „Orphan Drugs“ entspricht.

Dadurch ist auch bei geringeren Einnahmen die Erforschung neuer Medikamente möglich.

Passen Sie also genau auf, in welche Biotech- oder Pharma-Titel Sie Ihr Geld investieren. Auch wenn sich ein Wirkstoff in der Entwicklung noch so spannend anhört – das Unternehmen und damit letztendlich Sie müssen damit auch Geld verdienen können.

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Über den Autor
Daniela Knauer

Daniela Knauer, Jahrgang 1962 aus Stuttgart, studierte Medienberatung und Wissenschaftsjournalismus in Berlin. Ab Mitte der 1990er Jahre ist sie freie Traderin.

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